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Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf

23.10.2009 | 22:27 Uhr
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf

Düsseldorf. Zwei Mehrfamilienhäuser in der Düsseldorfer Innenstadt mussten am Freitag Morgen evakuiert werden. Das Fundament des Gebäudes wurde bei den Bauarbeiten zur neuen U-Bahn-Linie untergraben. Die zuständige Behörde gab später Entwarnung: Es bestehe keine Einsturzgefahr.

Der Schreck sitzt tief in den Gliedern. Um acht Uhr müssen 16 Mieter die beiden sechsgeschossigen Gebäude Am Wehrhahn 51/ 53 räumen. Ein Bauleiter des U-Bahn-Projektes Wehrhahnlinie hat festgestellt, dass bei der Verlegung eines Abwasserrohres zu tief gebuddelt worden ist.

Video
Häuser in Düsseldorf an der Wehrbahnlinie vor dem Einsturz. Mussten geräumt werden. Inline-Video für news-138068572. NRZ-Video: Julian Eschenbruch

Als er die freigelegte Unterkante eines Hausfundamentes sieht, ordnet er die Evakuierung der Häuser an. In diesem Moment weiß keiner genau, ob die Gebäude noch sicher sind. Der erste Gedanke bei mehreren Evakuierten: Ist ein Einsturz wie der des Kölner Stadtarchives auch hier beim U-Bahn-Bau möglich? Die Stadt versucht zu beruhigen, gibt bereits am Mittag Entwarnung, nachdem in aller Eile fast etwa zehn Betonmischer mit Polizeibegleitung angefordert und dann zur Stützung der Häuser 60 Kubikmeter Magerbeton in die Baugrube gekippt worden sind. Es habe „zu keinem Zeitpunkt” eine „akute Gefahr bestanden”, wiederholt Andrea Blome, Chefin des Verkehrsmanagements, immer wieder.

Doch viele Menschen, die an der Hauptverkehrsader Am Wehrhahn leben, sind vom Lärm und den Beeinträchtigungen durch den U-Bahn-Bau sichtlich genervt. Seit der Kölner Katastrophe kommen bei einigen noch Sorgen und Ängste hinzu.

Benno Menzel von Nummer 51 hat wieder kein Auge zugedrückt. Das Schlafzimmer liegt an der Straßenseite. Seit dem 25. September müssen Kabel und Rohre ganz nah an die Häuser verlegt werden, um Platz für die U-Bahn-Trasse zu machen, die vom Wehrhahn bis nach Bilk verlaufen wird. „Abends um 21.30 Uhr fangen sie an, morgens um 5.30 Uhr hören sie auf”, stöhnt der 78-Jährige. Es wird nur nachts gearbeitet, damit tagsüber der Autoverkehr rollen kann. „Aber ich und meine Frau, wir kommen nicht zur Ruhe.” So auch am gestrigen Morgen. Nach nicht mal zwei Stunden Schlaf geht er um 7.45 Uhr ins Bad, um sich zu rasieren. „Da schellen die plötzlich Sturm und sagen, wir müssen sofort das Haus verlassen.”

Brigitte Samari wohnt in der obersten Etage. Ein Mann mit Bauhelm klopft an ihrer Tür. „Sie müssen ganz schnell raus”, bestimmt er. Eventuell könne das Haus zusammenstürzen, soll er ihr gesagt haben. Mit Tränen in den Augen erholt sich die 62-Jährige in einem Cafe´ vom Schreck. Ihrem Kater Odi hat sie ein homöopathisches Beruhigungsmittel verabreicht. Das Nötigste hält sie schon seit Wochen vorsichtshalber in einer Plastiktüte griffbereit: Unterwäsche, Katzenfutter, Medikamente, den Pass. „Ich hatte jede Nacht während der Bauarbeiten Angst, dass etwas passieren kann. Ich bin mit den Nerven fertig. Es bleibt das Gefühl, dass so etwas wie in Köln auch hier möglich ist.”

Auch Hausbewohnerin Ilona Jödecke kann sich von diesem Gedanken nicht freimachen. „Köln hat man immer im Hinterkopf. Es ist einem stets komisch, wenn man in sein Haus geht und sich fragt: Ist wirklich alles in Ordnung? Hinzu kommen die täglichen Ärgernisse, der Krach, plötzliche Stromausfälle, die lange Suche nach einem Parkplatz, die Schlepperei der Mülltonne zum verlegten Sammelplatz - und das alles wegen der U-Bahn. „Das tue ich mir nicht mehr an. Ich ziehe aus.”

Der Boutique-Verkäufer Ebeny Harrison vom Erdgeschoss ist ratlos. Er fühle sich nicht mehr sicher. „Aber ich kann das Geschäft doch nicht aufgeben.” Matthias Vollstedt, von der Technischen Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung, hört zu. „Klar, ich kann die Ängste nachvollziehen.” Doch für eine Einschätzung der Situation sei es noch zu früh.

Die versucht am Mittag die Stadt auf einer Pressekonferenz zu geben. Ein Bagger habe zu tief gegraben, so Projektleiter Gerd Wittkötter. Als drei Stunden später, kurz vor acht Uhr, der Bauleiter zur Arbeit erscheint und das Fundament des Hauses sieht, habe er dies als „kritisch gesehen” und sich für die Evakuierung entschieden. Eine „reine Vorsichtsvorkehrung” betont Blome. Messungen haben ergeben, dass es zu keinerlei Setzungen gekommen sei. Die Arbeiten gehen weiter. Der U-Bahn-Bau bleibe im Zeitplan.

Am Nachmittag wird die Straßensperrung, die zu zahlreichen Staus in der City geführt hat, aufgehoben. Die Anwohner können in ihre Häuser zurück. Der Beton in der Baugrube sei nun hart genug. In den nächsten Tagen wird durch Injektionsleitungen noch mehr Beton unter das Fundament gepumpt, um die Standfestigkeit bei den weiteren Bauarbeiten sicherzustellen.

Michael Mücke

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Kommentare
09.03.2010
10:40
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf
von Frauke Brand | #6

Leider ist die Einführung neuer Untergrundbahnlinien in bereits vollständig überbauten Bereichen immer riskant. Vielleicht sollte man das bei künftigen Kölner oder Düsseldorfer Ideen berücksichtigen? Es geht auch mit oberirdischen, aber trassierten, ÖPNV-Anbindungen.

24.10.2009
04:22
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf
von C.P. | #5

Muß man nicht verstehen. Wenn ich doch zu tief buddel, wie kann ich dann ein Hausfundament treffen. Haben die nicht etwa zu flach gegraben. Sonst kann ich mir das nicht erklären. Ein Hauskeller ist ja nicht etliche Meter tief. Wenn es hoch kommt, gerade mal mit Fundament 3 Meter.

24.10.2009
00:05
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf
von Vanagas | #4

Da sind die ganz Schlauen vonner Akamie am Werk .

23.10.2009
22:08
Blockierter Kommentar.
von | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.10.2009
20:25
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf
von oh nur aufrecht in deutschland | #2

Der Bauleiter hat vollkommen richtig gehandelt!
Jeder gut ausgebildeter Bauingenieur lernt im Grundbau, dass Fundamente nur unter sorgfältigen Sicherungen freigelegt werden dürfen. Sonst droht ein so genannter Grundbruch und damit der Einsturz der Gebäude.
Womit die Chefin des Verkehrsmanagements ihre Weisheiten begründet wird im Bericht nicht genannt.
Ihre Aussage dürfte aber wohl auf vollkommener Inkompetenz beruhen.

23.10.2009
19:15
Zu tief gegraben beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf
von wolfcastle | #1

lol.... der hat also kein auge zugedrückt... heisst das nicht zugemacht? rofl

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