Zu hohe Preise bei Rheinbahn-App in Düsseldorf

Eine junge Frau nutzt die Rheinbahn-App mit ihrem Smartphone an der Haltestelle Oststraße. Sie informiert sich über den Düsseldorfer Fahrplan.
Eine junge Frau nutzt die Rheinbahn-App mit ihrem Smartphone an der Haltestelle Oststraße. Sie informiert sich über den Düsseldorfer Fahrplan.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bei der elektronischen Fahrplanauskunft und der App fürs Smartphone berechnet das Verkehrsunternehmen einen Euro zu viel für Kurzstrecken. Technisches Problem.

Düsseldorf..  Die Rheinbahn gibt digital falsche, überhöhte Preisauskünfte. Betroffen sind Kurzstrecken, sowohl in der Rheinbahn-App fürs Smartphone, als auch die elektronische Fahrplanauskunft, über die ebenfalls Tickets gekauft werden können. So wird dort angegeben, Nahverkehrskunden müssten 2,60 Euro zahlen, das ist ein Euro mehr, als eine Kurzstrecke tatsächlich kostet. Vielmehr zahlen die Kunden so die normale Tarifstufe für eine Fahrt im gesamten Stadtgebiet (A3).

Der Fehler liegt teils beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR), dem die Rheinbahn angeschlossen ist. Er stellt das System und speist es mit den Informationen für zahlreiche Verkehrsunternehmen in NRW. Doch damit ist die Rheinbahn für nicht vollends von der Verantwortung für die Fehler in ihrer App befreit. „Im VRR gibt es keine einheitliche Regelung, was eine Kurzstrecke ist. Jedes Unternehmen legt das selbstständig fest“, sagt VRR-Sprecher Holger Finke. Um Kurzstrecken für die rund 13 000 Haltestellen im Verbund vernünftig anzugeben, fehle es derzeit an Informationen, die unter anderem die Rheinbahn liefern muss.

Fehlerhafte Programmierung

Allerdings könnten Kurzstrecken wegen mangelnder technischer Möglichkeiten noch gar nicht digital gekauft werden. Der VRR will jedoch bis Ende des Jahres entsprechend aufrüsten. Kurzfristig soll dagegen laut Finke eine „fehlerhafte Programmierung“ repariert werden, die die Kurzstrecke im digitalen Netz bislang nicht berücksichtigte. Jetzt sollen IT-Experten einen Hinweis einbauen, dass der Kunde bei stadtweiten Strecken der Stufe A3 lieber nachprüfen möge, ob nicht auch eine billigere Kurzstrecke reiche.

Das greift dem Fahrgastverband Pro Bahn in NRW allerdings zu kurz. „Man kann sich momentan nur darauf berufen, was an den Haltestellen aushängt“, sagt sein Sprecher Lothar Ebber. Er fordert eine detaillierte Kurzstreckenliste auf den jeweiligen Webseiten der Verkehrsunternehmen. „Die Kurzstrecken müssen transparenter gemacht werden.“

Fahrgastverband Pro Bahn warnt vor Schnellschüssen

Pro Bahn warnt jedoch vor Schnellschüssen bei der Überarbeitung der digitalen Preisangaben, weil das Thema sehr komplex ist. Denn es gibt derzeit drei verschiedene Kurzstreckensysteme innerhalb des VRR-Gebiets, die sich nicht zwangsläufig am Sollwert des Verbunds von anderthalb Kilometern orientieren. In Düsseldorf treffen zudem alle drei Systeme aufeinander. In der Stadt gelten normalerweise drei Haltestellen als Kurzstrecke, vier sind es dagegen in Neuss, und Duisburg hat eigene Teilstrecken ausgewiesen, unabhängig von der Anzahl der Haltestellen. Wo diese drei Modelle aneinanderstoßen, entstehen meist Sonderfälle. Auch diese müssten letztlich die digitalen Angebote abbilden.

Rheinbahn will Betroffenen das Geld zurückerstattet

„Ein einheitliches System im gesamten VRR oder in NRW wäre ideal“, sagt Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster. „Aber das ist nicht umsetzbar.“ Eine Auflistung sämtlicher Sonderfälle auf der Homepage hält sie außerdem für wenig hilfreich, eher für verwirrend. „Am einfachsten ist es, an der Haltestelle zu schauen, was von dort eine Kurzstrecke ist.“

Immerhin: Wer mit der App 2,60 Euro für eine Kurzstrecke gezahlt hat, könnte einen Euro zurückbekommen, sofern eine Einzelfallprüfung ergibt, dass er betroffen ist. Heike Schuster: „Wir werden kulant sein, weil wir nicht wollen, dass Kunden zu viel bezahlen.“

Betroffene Rheinbahnkunden können sich per E-Mail an das Verkehrsunternehmen wenden: kundendialog@rheinbahn.de.