Zombie trifft Praktikant
28.10.2008 | 19:41 Uhr 2008-10-28T19:41:02+0100THEATER II. "Geschichten für das neue Jahrhundert": Das Kooperations-Projekt zwischen Düsseldorf, Münster und Bonn bietet Doku-Spiel, Perfomance und Publikumseinsatz in den FFT-Kammerspielen.
Rasant ist das Tempo gesellschaftlicher Veränderungen. Wie reagiert das Theater als Seismograph darauf, mit welchen neuen Formen, mit welchen Inhalten? Diese Frage erforschen das FFT Düsseldorf, das Theater im Pumpenhaus Münster und das Bonner theaterimballsaal seit 2006 mit gegenseitigen Aufführungen. Unterstützt wird das Kooperations-Projekt der freien Bühnen vom Land NRW. Die "Geschichten für das neue Jahrhundert" gehen ab Anfang November in die dritte Runde.
'Begleitmusik' von Heine-Uni-Studenten
Neugierig machen die drei ausgemachten Schwerpunkte der Städte: 1. Ein neuer Umgang mit Geschichte, im konkreten Fall dem Holocaust. 2. Das dokumentarische Arbeiten, diesmal über die "Generation Praktikum" und 3. der Hang zur Performance und dem mit ins Spiel einbezogenen Zuschauer. Studenten der Medien- und Kulturwissenschaft der Heine-Uni haben die "Rahmenhandlung" dazu angezettelt: Vorträge, Diskussionen, Publikumsgespräche, Film, Foto und ein Party-Konzert.
Die Truppe von Showcase Beat Le Mot, die auf der Schnittstelle von Popkultur und Theater balanciert und so wunderbar den Kulturbetrieb ironisiert, ist im FFT keine Unbekannte mehr. Am 7. November, 20 Uhr, bringt sie Beuys und Andy Warhol ins Spiel. Den einen als Künstler mit gesellschaftskritischen Ambitionen, den anderen als 'Vermarkter' von Kunst. "Vote Zombie Andy Beuyz", formt aus 100 Jahren Theater- und Kunstgeschichte eine Voodoopuppe, auf die sie mit Plattenspielernadeln, hochhackigen Schuhen und spitzen Fingernägeln einsticht. Und weil die Performer mit ihren Installationen die Rechnung nie ohne ihr Publikum machen, ist das Stück auch eine Art kritische "Showcase"-Selbstbefragung. Dem verkehrten Publikumsgespräch danach ist um 18.30 Uhr ein Vortrag von Mieke Matzke vorangestellt: "Die Performance des Zuschauers." Zudem überrascht am 8. November die Wagner-Feigl-Forschung mit der "Enzyklopädie der Performancekunst".
Die Bonner bescheren den Düsseldorfern die "Generation P". Das fringe ensemble hat Studenten im Praktikum, in der Warteschleife auf das große Jobangebot, befragt und die Interviews als Textgrundlage für die Lebensentwürfe gemacht. Das Doku-Theater um P wie angepasste Pragmatiker oder P wie drohendes Prekariat kommt am 15. November in die FFT-Kammerspiele.
"Alles wird sich verändern": diese Grundhaltung mit positivem Unterton hat unitedOFFproductions aus Mexico, vom (Über-)Leben auf der Müllkippe mitgebracht. Ein Dokumentarfilm und Fotos begleiten das Stück am 11. November. Leider ist Ste?phane Bittouns "Mein erster Sony" um das neue jüdische Selbstbewusstsein (aus Münster) nicht im FFT zu sehen. Als internationaler Beitrag der "Geschichten für das neue Jahrhundert" gastiert Tim Etchells Companie mit "That Night Follows Day" aus Belgien am 14. November: Siebzehn Kinder zwischen acht und vierzehn Jahren erzählen, was Erziehung so mit ihnen anstellt...
Infos und Karten: Tel: 876787-18 oder www.dasneuejahrhundert.de
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