Zieh’ dich aus, Baby!

Es geschieht im Verborgenen. In den Gewerbehöfen der Ronsdorfer Straße. Dort, im Showroom des Unternehmens „Bagstage“, welches alltags Tragetaschen konzipiert, sind Protagonisten der Düsseldorfer Musikerszene und erwartungsfrohe Gäste gestrandet. 80 Neugierige sehen an diesem lauschigen Frühlingsabend der Präsentation des Debüt-Album von Lilian-Maria und Springer entgegen. „Extreme Bar Musik“ heißt der Tonträger, der im hiesigen Atom-Studio des Sounddesigners Ufo Walter aufgenommen worden ist.

Jazz, Avantgarde und Pop

„Wir machen eine Mischung aus Jazz, Avantgarde und Pop“, beschreibt Lilian-Maria Budde den Genremix, den sie mit dem Gitarristen Rolf Springer auf die Bühne bringt. Die Düsseldorferin lebt seit 13 Jahren am Prenzlauer Berg, aber die erste CD mit eigenen Texten und Kompositionen des Berlin-Düsseldorfer Duos stellt sie in ihrer Heimatstadt vor. Erst danach werden die Songs in der Neuköllner „Posh Teckel Bar“ präsentiert.

Das Konzert in den „Bagstage“-Räumen startet fulminant. Flamencomäßig bahnt sich Sängerin Lilian den Weg durch das Publikum zur Bühne. Dort spielt bereits Rolf Springer. Barfuß. Als Oberbekleidung dienen dem Gitarristen breite Hosenträger. „Es war eine spontane Idee, dass die Männer barfuß und ‘oben ohne’ spielen“, sagt Lilian. „Die Männer“, dass sind neben Rolf Springer die Gastmusiker Justus Heher an der Posaune und Peter Rübsam, virtuos am Akkordeon und Kinderklavier. Ihr Styling habe so zu wünschen übrig gelassen, dass ein „Zieh’ dich aus, Baby“ die einzige Lösung gewesen sei , flachst Lilian.

Das ungeplant reduzierte Bühnenoutfit unterstreicht ihre Dominanz subtil. Wo die Sängerin ist, spielt die Musik. Mal robbt sie mit rotziger Sinnlichkeit über den Boden, mal umschlingt sie das Mikrofon, schockiert mit offenen Bekenntnissen, bezirzt durch Esprit. „Denn so gebeugt, wie du da stehst, siehst du die Sterne nicht“ heißt es in ihrem Lieblingssong „Sternstunden“. Eine Sternstunde der Abendgestaltung erleben die Gäste. Sie stehen aufrecht, fangen an zu tanzen, zurückhaltendere Naturen wippen im Takt. Die Sängerin Carmen Brown steht in der ersten Reihe und verfolgt mit Freude den Auftritt, Rolf Springer spielt auch in ihrer Band.

„Peter Rübsam ist mein Ziehvater, mein Bruder“, betont Lilian, durch ihn sei die „Heinrich-Heine-Moritat“ entstanden. Ihre Harmonien sind deutlich. Am Ende des Konzerts kniet Rübsam vor der sitzenden Sängerin. Er hat sein Kinderklavier auf ihren Schoß gestellt und spielt hingebungsvoll. Lust an der Musik, Authentizität im Tun, das sind die Komponenten, die das Duo und sein Umfeld auszeichnen.