Youtube-Video wird Unfallflüchtigem in Düsseldorf zum Verhängnis

Sturm hin, Regen her: Wer so gegen eine Laterne knallt und dann davonfährt, macht sich strafbar.
Sturm hin, Regen her: Wer so gegen eine Laterne knallt und dann davonfährt, macht sich strafbar.
Foto: Youtube
Was wir bereits wissen
Während Sturm Ela in Düsseldorf wütete, rammte ein Autofahrer eine Laterne und flüchtete. Ein Youtube-Video hat den Fall vor Gericht gebracht.

Düsseldorf.. Youtube is watching you - das Videoportal, das in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert, hat jetzt dazu beigetragen, dass in Düsseldorf ein Fall von Unfallflucht vor Gericht verhandelt wird.

Eigentlich wollte sich Bruno J. nur noch einmal ansehen, wie Pfingssturm Ela über Düsseldorf hinwegfegte. Was der 61-Jährige aus Erkrath aber bei Youtube zu sehen bekam, war nicht etwa nur eine Menge Wind und Regen, sondern auch ein dreister Fall von Unfallflucht: In einem Video ist ab Minute 9:48 zu sehen, wie ein schwarzer Kleinwagen anhält und eine Frau aussteigt. Dann setzt der Wagen zurück - und fährt mit Karacho gegen eine Straßenlaterne. Die hört augenblicklich auf zu leuchten, der obere Teil springt aus der Halterung.

Der Autofahrer zögert zwar kurz, zeigt dann aber dem unbekannten Filmenden den Mittelfinger und fährt schwungvoll davon. Um die kaputte Laterne mit einem Schaden von gut 1500 Euro kümmert er sich nicht.

Tausende sehen das Video, nur wenige zeigen an

Mehr als 9000 Menschen haben das Video bereits gesehen. Schon im vergangenen Sommer kommentierte ein Youtube-Nutzer: "Sogar mit Unfallflucht lol". Bruno J. sowie mindestens ein weiterer Zeuge wollten es nicht dabei belassen - sie machten die Polizei per Online-Anzeige auf die Aufnahme aufmerksam. Die Beamten ermittelten den Fahrzeughalter schnell: ein IT-Manager aus Oberhausen, auf dessen Firma insgesamt sechs Fahrzeuge zugelassen sind. Welcher seiner Mitarbeiter an diesem Abend in Düsseldorf am Steuer saß? Das versucht das Amtsgericht Düsseldorf derzeit herauszufinden.

Angeklagt ist ein Angestellter des Managers. Der IT-Spezialist hatte zunächst angegeben, dass sein 36-jähriger Mitarbeiter am Pfingstmontag den Unfallwagen gefahren habe. Einen Schaden an seinem Auto hätte er aber nicht feststellen können. Während der Verhandlung am Donnerstag seien dem Vorgesetzten aber laut Gerichtssprecher Mihael Pohar wieder Zweifel daran gekommen, dass der Angeklagte tatsächlich am Steuer gesessen hat.

Da der 36-Jährige zu dem Vorfall schweige, könne ein Schuldiger nur anhand von Zeugenaussagen und Beweisen ermittelt werden. "Das Gericht versucht jetzt, den Fahrer über das Fahrtenbuch zu ermitteln", sagt Pohar. Die Frau, die vor dem Unfall aus dem Auto steigt, sei nicht bekannt und spiele bei den Ermittlungen bisher keine Rolle.

Die Verhandlung ist bis auf Weiteres ausgesetzt. Dem Unfallverursacher drohen schlimmstenfalls bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.