Wuchernde Pilze in den Kammerspielen

Stadtmitte..  Pilze sind vielfältig. Mal erweisen sie sich als schmackhaft, mal als Bewustseins erweiternd und hin- und wieder als Tod bringender Genuss. Eine bislang unterbewertete Facette wird dieser Tage in den FFT Kammerspielen dargeboten: Pilze als Kulturträger. In der Spielstätte an der Jahnstraße ist das faszinierende Reich der Pilze entstanden. Sie gehören zu dem skurrilen Projekt „Mykorrhiza: Ein Apparat“.

Im Foyer und im Innenhof des Theaters wuchern wunderschöne Rosensaitlinge, Shitake und andere essbare Pilze, so wie in einem verwunschenen Garten. Inspiriert von den unterirdischen Netzwerken der Pilze, spannt sich außerdem ein Netzwerk künstlerisch-wissenschaftlicher Aktivitäten: Vorträge, Workshops, Performances und Konzerte. Sie bilden bis zum kommenden Samstag ein umfangreichens Programm.

„Mykorrhiza ist ein Begriff aus der Biologie und bezeichnet eine Symbiose von Pflanzenwurzel und Pilz, durch die beide nicht nur Vorteile in der Nährstoffaufnahme verzeichnen, sondern auch kommunizieren und sich vernetzen“, erklärt Kuratorin Stefanie Wenner. Sie hat „Mykorrhiza: Ein Apparat“ bereits in Berlin ausprobiert.

Ähnlich vernetzt wie die Pilze, war das Programm, das den Zuschauer währnd der Eröffnung erwartete: Während Hobbymykologe Lothar Gelen Interessierten die Tücken der Pilzzucht näher brachte, erläuterte die mexikanische Performance-Künstlerin Ilya Noé in einem Vortrag, wie Mykorrhiza und Kunst zusammenhängen. Die italienische Gruppe Orthographe hingegen nahm sich ein Beispiel am Illusionstheater der Pilze und erschuf mit „Inner Land“ eine begehbare Camera Obscura. Die „Uschi Geller Experience“ schickte die Besucher auf einen von ihren „Planty Trips“ – mit Cocktails aus Pflanzensäften, die die Kommunikation mit den grünen Mitstreitern verbessern sollen.

Ein solches Gebräu in der Hand lauschten die Zuschauer zu späterer Stunde einer Klanginstallation von Peter Thoma und Julian Prießen, beides Absolventen des Instituts für Musik und Medien an der Robert Schumann Hochschule. Berührte man die „Magic Mushrooms“, so erzeugten sie dank elektronischer Vernetzungen mystische Töne und Klänge.

Am Donnerstag, 14. Mai, lädt Thorsten Eibeler Kinder und Erwachsene zur „Himmelfahrt“ ein, und Vertreter der Heinrich-Heine-Uni diskutieren mit Kuratorin Stefanie Wenner über den „Menschen als Krone der Schöpfung“. Zum Abschluss am 16. Mai lädt das cobratheater. cobra zu einem Festessen ein, bei dem die vorher bestaunten Pilze gemeinsam zubereitet und verspeist werden.