Wohltäter für die Gefangenen

Pastor Jääsch  wird gewürdigt
Pastor Jääsch wird gewürdigt
Was wir bereits wissen
Der 1867 gestorbene katholische Pfarrer Eduard Gerst war seiner Zeit voraus. Jetzt haben Dieter Ziob und die Düsseldorfer Jonges ein Archiv zur Sammlung und Wertschätzung seines Lebenswerkes gegründet.

Düsseldorf..  In Düsseldorf haben viele bedeutende Persönlichkeiten gewirkt – ob Dichter Heinrich Heine, Komponist Robert Schumann oder der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner, der 1836 in Kaiserswerth die Diakonissen-Anstalt für Pflegerinnen gründete und als Pionier der Krankenpflege gilt. Sie alle werden in der Stadt gewürdigt, durch Denkmäler, in Museen oder durch die Benennung von Plätzen oder Schulen. Doch eine Persönlichkeit, das meint Dieter Ziob, wird noch nicht so gewürdigt, wie sie es verdient hätte. Und das ist der katholische Pfarrer des einstigen Arresthauses in der Altstadt, Friedrich Eduard Gerst (1805-1867), der unter dem plattdeutschen Namen „Pastor Jääsch“ bekannt ist.

„Es hat mich bekümmert, dass das wichtige Werk von Pastor Jääsch so wenig gewürdigt und der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird. Dabei hat er sich für die Armen in Düsseldorf eingesetzt, hat sich für die Resozialisierung der Strafgefangenen stark gemacht und sich auch um deren Hinterbliebene gekümmert“, sagt Ziob. Deswegen hat er mit Hilfe der Düsseldorfer Jonges jetzt ein Archiv gegründet.

Viel gestöbert und gesammelt

In den vergangenen Jahren haben Ziob und die anderen Mitglieder der nach Pastor Jääsch benannten Tischgemeinschaft viel gestöbert und gesammelt – im Düsseldorfer Stadtarchiv, aber auch im erzbischöflichen Archiv Köln und in einer Pfarrei in Leverkusen, wo Gerst vor seiner Zeit in Düsseldorf tätig war. In drei Räumen werden nun Dokumente, Bilder und weitere Zeitdokumente ausgestellt, die Leben und Werk von Gerst nachzeichnen, der von 1841 bis 1868 erster Gefängnispfarrer der Stadt war.

„Interessant sind zum Beispiel die Briefwechsel zwischen Gerst und dem damaligen Erzbischof“, sagt Ziob. So zeigten die Briefe, wie sehr sich Gerst für die Strafgefangenen einsetzte, zum Beispiel den Erzbischof darum bat, die Kapelle im Arrest-Haus besser einzurichten und auch die Versorgung und Betreuung der Straffälligen zu verbessern und dafür Geld bereit zu stellen. Denn das Arresthaus in der Altstadt – das ehemalige Gefängnistor markiert heute den Eingang zum Filmmuseum an der Schulstraße –, war damals ein düsteres und erbärmlich eingerichtetes Gebäude, wo sich beispielsweise schnell Krankheiten ausbreiten konnten und andere Missstände Gang und Gebe waren. Dort tat man kaum etwas für die Resozialisierung der Gefangenen.

Diese Männer auf den Weg der Tugend zurückzuführen, war Gerst genauso wichtig wie Theodor Fliedner, der zur gleichen Zeit als evangelischer Pfarrer die Bewohner des Arresthauses seelsorgerisch betreute. Dass das Archiv für Pastor Jääsch nun auf dem Gelände der Kaiserswerther Diakonie untergebracht wird, ist daher also auch inhaltlich begründet.

„Pastor Jääsch war ein sehr humorvoller, fürsorglicher Geistlicher“, sagt Ziob. Häufig predigte Gerst auf Platt, traf sich in den Kneipen der Altstadt zu den Gesellschaften des Künstlervereins Malkasten. Die Herzen der Zuhörer soll er mit seinem schlagfertigen Witz und den auf Düsseldorfer Platt vorgetragenen Anekdoten schnell für sich gewonnen haben. „Pastor Jääsch ist eine interessante und für Düsseldorf wichtige Persönlichkeit, die man besser kennenlernen sollte“, ist sich Ziob sicher.