Wo sich die Uni den Bürgern öffnet

Bilk..  Fest drückt Ida ein Bündel lila-farbener Blüten zusammen. Langsam zerreibt sie die Köpfchen in der Hand. Ein sanfter Duft steigt auf, selbst draußen zieht er angenehm in die Nase. Die neunjährige Ida kennt die Blüten aus dem Garten daheim, aber der Name fällt ihr nicht ein. „Das ist Lavendel”, sagt Katrin Saran. „Den haben schon die alten Ägypter gekannt.”

Saran ist Pflanzen-Illustratorin und macht Führungen durch den Botanischen Garten der Uni. Besonders der Bauerngarten hat es ihr angetan, weil er viel über die Kultur des Züchtens erzählt. Dorthin führt sie Familien, Kindergruppen und Kirchengemeinden immer wieder. Der Garten ist einer der Orte, an dem sich die Universität den Bürgern öffnet. Dort kommen Forscher und Spaziergänger, Hobby-Gärtner und Biologen zusammen. Spricht Saran vom Garten, lässt sie beim Zuhörer Bilder entstehen. Ida versetzt sie mit ihrer Erzählung von der Araukarie, einer Koniferen-Art, in die Zeit der Dinosaurier. „Man kann sich richtig vorstellen, wie darunter Dinos hergelaufen sind”, sagt Ida. Eigentlich ist das Anfassen nicht erlaubt, doch bei Führungen gibt es Ausnahmen. „Das piekt ganz schön, hätte wohl auch einem Dinosaurier nicht gefallen”, sagt Ida.

Führungen gibt es zu den Pflanzen der Bibel, Märchenpflanzen oder den Pflanzen in der Kunst. Sie alle beginnen in der Regel am Kuppelbau. Ab Mitte des Jahres widmet sich dort eine Ausstellung den heimischen Nutzpflanzen. Die modern gestalteten Beete sind bereits angelegt, sie liegen an dem Weg, der vom Kuppelbau aus am Rosengarten vorbeiführt. Sowohl für Anfänger wie auch für erfahrene Botaniker gibt es reichlich zu erkunden. Anfänger können einen kleinen Rundgang entlang des Bauern-, des Rosen- und des Apothekergartens wählen. Für Experten gibt es den über einen Kilometer langen Rundgang, vorbei am so genannten System. Dort sind die Pflanzen nach ihrer Gattung angeordnet.

In den Gewächshäusern können Besucher auf botanische Reisen in die Tropen gehen. Im Kuppelgewächshaus gibt es die aus der Bibel bekannten Granatäpfel sowie Feigen- und Olivenbäume - und eine Attraktion abseits der Botanik: Während sich Saran mit Idas Mutter am Eingang unterhält, kann Ida alles mithören, dabei steht sie mindestens 20 Meter entfernt. Die Architektur des Gebäudes macht diese ungewöhnliche Schallübertragung möglich, die Saran bei ihren Führungen nutzt. „So muss man nicht so laut sprechen“, sagt sie.

21 Leute pflegen den Garten

Mit der Gründung der Heinrich-Heine-Universität im Jahr 1965 begannen die Planungen zum Botanischen Garten. Das Kuppelgebäude wurde 1976 eröffnet, der gesamte Park erst 1979. 21 Mitarbeiter bewirtschaften den Park und die Gewächshäuser. Dabei werden sie von ehrenamtlichen Helfern unterstützt, unter anderem von einer Rosengärtnerin, die auch den festangestellten Gärtnern Tipps gibt. Alle Besucherinformationen finden sich auf der Internetseite der Uni. Dort gibt es auch einen Video-Rundflug durch das Kuppelhaus.

Der Förderverein „Freundeskreis Botanischer Garten” setzt sich vor allem dafür ein, den Bürgern den Garten nahe zu bringen. Auch die Kurse für Kinder werden vom Freundeskreis unterstützt.