Wo Kamelle im kleinen Bogen fliegen

Ein Geheimtipp ist er angesichts seines erneuten Teilnehmerrekords nun wahrlich nicht mehr, im Übrigen aber hat er sich seinen gesamten Charme bewahrt. Der Kinderumzug über die Königsallee und durch die Altstadt verzeichnete erstmals mehr als 3000 Teilnehmer, denen mehrere tausend Zuschauer an der Strecke zujubelten. Für die kleinen Besucher blieb dennoch genügend Platz, um die Kostüme der Kindergärten, Grundschulen, Vereine und Institutionen anzuschauen, und genügend Ruhe, um gelegentlich ein bisschen Kamelle einzusammeln.

Bei den Eltern hat sich der Kinderumzug seit seiner Premiere 2007 zügig einen Spitzenplatz erarbeitet. „Beim Kö-Treiben ist nur am Vormittag genügend Platz, um ihn mit kleineren Kindern zu besuchen, am Rosenmontag sind viele Wagen so hoch. Deshalb gehen wir am liebsten zum Kinderumzug“, sagte Nicole Wittdorf, die mit ihren Töchtern (6 und 3) zur Kö gekommen war.

Beim Kinderumzug fliegen Gummibärchen, Schokoriegel und Puffreis, Taschentücher, Brustkamelle und Waschmittelproben höchstens im kleinen Bogen, die meisten Teilnehmer werfen die Kamelle ihren Altersgenossen zu Füßen oder legen sie ihnen direkt in die Taschen. Bei allem, das am Boden liegt, gibt es nur selten Streit zu beobachten, meist geben die Kinder den Nebenstehenden mehr ab, als sie für sich behalten.

Welchen Stellenwert der Umzug bei den Teilnehmern genießt, zeigte sich bei den Kostümen und Requisiten. Eine Gruppe zog als Indianerstamm inklusive Tipi durch die Innenstadt, andere hatten sich aus Pappe Legostein-Kostüme gebastelt, wieder andere waren als großer Krakenschwarm unterwegs.

Für zwei Gruppen haben sich die Bastelarbeiten besonders gelohnt: Die Grundschule Florensstraße in Hamm und die Konkordiaschule haben den Kostümwettbewerb gewonnen und dürfen heute am Rosenmontagszug teilnehmen.

Die Zahl der Mitbewerber könnte im nächsten Jahr noch steigen. „Ich werde in der Grundschule meines Sohnes anregen, dass wir 2016 auch mitlaufen“, sagte Denise Rosen. Laut CC sind noch mehr Teilnehmer auf jeden Fall möglich.

Die einzige Kritik der Besucher bezog sich auf die Rahmenbedingungen: Auf der Kö galt das Haltverbot erst ab Samstag, 18 Uhr. Deshalb parkten während des Zuges am Nachmittag noch viele Autos am Straßenrand. Am Carlsplatz war der jecke Nachwuchs schneller als die Absperrer, so dass sich einige Autos zum Umzug gesellten. Sie wurden mit einem fröhlichen „SUV, Helau“, begrüßt.

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