"Wir haben alle das gleiche Ziel"
20.10.2009 | 15:58 Uhr 2009-10-20T15:58:00+0200Düsseldorf. Ainara Garcia Navarro und Jörg Weinöhl - zwei neue Gesichter in der Deutschen Oper am Rhein, genauer: im Ballett am Rhein. Sie hat vorher elf Jahre im National Ballett Amsterdam getanzt, er war dreizehn Jahre in Bern und Mainz engagiert.
Abeiden Orten unter der Leitung von Martin Schläpfer. Was die beiden verbindet? Sie sind nur wegen des neuen Chefchoreographen an den Rhein gekommen und treten in seinem ersten Ballettabend „b.01” auf, der am vergangenen Wochenende Premiere feierte.
Sie fühlen sich wohl
Zusammen sind sie zu sehen in der Dritten Symphonie von Lutoslawski, Weinöhl ebenfalls im ersten Stück „Marsch, Walzer, Polka”. Nach den ersten Monaten fühlen sie sich wohl in der Wahlheimat. „Die Stadt und ihre Menschen sind so offen”, meinen sie. Andere Theater und Vorstellungen in der Region haben sie zwar noch nicht besucht, da Training und Proben schlauchen.
Die beiden Bewegungskünstler reden offenherzig, auch über ihr Alter. Und brechen damit ein bekanntes Tabu. Über das Geburtsjahr wird bekanntlich geschwiegen, weil man in der Branche sonst mit 30 zum alten Eisen zählt.
Weinöhl ist 39, Navarro 31. Warum sollen sie das verschweigen? Sie müssten zwar vorsichtiger mit ihrem Körper umgehen als mit Anfang 20. „Ab 30 verändert sich der Körper”, erklären sie und handeln danach, nicht nur beim intensiven Aufwärmen im Ballettsaal. Schläpfer verlangt von ihnen nicht, dass sie sich wie 25jährige bewegen, sagen sie.
Andererseits arbeiten der gebürtige Stuttgarter Jörg und die im spanischen Saragossa aufgewachsene Ainara mit den jüngeren Kollegen auf gleicher Augenhöhe und „können vieles von ihnen lernen.” Wie auch umgekehrt.
Die Familie ist größer geworden
Das klingt aus ihrem Mund weder altklug noch bescheiden. Und: Es funktioniert, berichten sie von den wochenlangen Proben zum ersten Ballettabend.
Die Truppe, die Schläpfer aus Mainz mitbrachte, die Neu-Engagierten und der Rest der Vámos-Truppe sind schnell zu einer Kompanie von 50 Tänzern zusammengewachsen. „Wir arbeiten alle für das gleiche Ziel.”
50 Tänzer sind es. In Mainz waren es 20. Weinöhl: „Für mich ist die Familie größer geworden.” Navarro, die nach einem Stipendium in Kuba sofort in eines der größten Ensembles Europas aufgenommen wurde: „Ich finde es überschaubarer, denn im Holländischen Nationalballett waren wir 80.”
Der erste Ballett-Abend verlange von allen extreme Kondition und Konzentration. „Schläpfer fordert viel, bleibt aber menschlich, bringt uns in sanftem Ton an sein gewünschtes Ziel.” Ob mit oder ohne Spitzenschuh getanzt wird, entscheidet er bei jedem Stück neu, so Navarro. „Er gibt uns die Schritte und will sehen, was wir daraus machen.”
Eine Ausnahme-Biographie im klassischen Tanz hat Weinöhl. Der großgewachsene Mann spricht behutsam, zurückhaltend, gewinnt nur langsam Vertrauen. Er begann erst mit 18 die Ausbildung, erzählt er, und zwar an der ersten Adresse in Deutschland, in Stuttgart.
„Wir versuchen es mit Dir”, hatte Marcia Haydée ihm gesagt, „ohne Garantie.” Dass er dann nach seinem Abschluss direkt von Schläpfer entdeckt und engagiert wurde, bewies das gute Gespür von Haydée, deretwegen Weinöhl mit dem Tanzen begann. Eigentlich wollte er in die Oper, doch Freunde rieten ihm, „Schau dir doch mal Ballett an!”
Perspektive für die Zukunft
Und so sah er Haydée und ihren Partner Richard Cragun bei seinem ersten Ballett-Besuch in „Der Widerspenstigen Zähmung”, war fasziniert und verfolgte seinen Weg mit eisernem Willen. Kritiker kürten ihn häufiger zum Tänzer des Jahres.
Und 2009 kreierte er in Mainz sein erstes abendfüllendes Tanzstück. Das könnte für den bald 40-jährigen eine Perspektive sein, auch im Ballett am Rhein.
Termine: 20.,24., 31. Okt., 6., 12., 17. Nov. Tel. 8925 211
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