Willkommen in der Manga-Hauptstadt

Rosa Schleifchen im Haar, ein Plüschhase im Arm, ein langes Spitzenkleid und dazu eine süße Blümchentasche. Caroline zieht mit ihrem rosafarbenen Look die Blicke an. „Bei mir kann es nicht auffällig genug sein“, bekennt die 26-Jährige aus Nürnberg im Dialekt ihre Heimat. Sogar der Regenschirm passt zur Verkleidung. Die Verkäuferin ist angereist, um inmitten von schräg kostümierten Leuten zu feiern: ein verspäteter Karneval beim Japan-Tag in Düsseldorf.

Hier treffen sich die Fans japanischer Comics, der Mangas. Sie kommen wie ihre Helden kostümiert zu dem Fest als „Cosplayer“. Der Begriff verbindet die englischen Begriffe „costume“ und „play“. Cosplayer verkleiden sich als Figuren aus Mangas, Animes, Filmen oder Videospielen. Kein Kostüm gleicht dem anderen: Die einen tragen in Ritterrüstung gewaltige Schwerter aus Pappe umher, junge Frauen machen auf süßes Mädel mit langen rosa Haaren und superkurzem Röckchen. Andere ziehen mit weißen Gesichtern und Gruselaugen durch die Menge oder tragen Kaffeetassen als Kopfschmuck.

Drei Monate für ein Kostüm

Nadine Metzner hat vor etwa zehn Jahren mit Mangakostümen angefangen. Sie trägt Prinzessinnenkleid und lange lila Zöpfe, im Haar eine goldene Haarnadel, die Augen sind dunkel geschminkt. Die 28-jährige Bürokauffrau aus Oberhausen hat sich als Prinzessin Ren Kougyoko aus dem Manga „Magi – The Labyrinth of Magic“ verkleidet.

„Cosplayer sind gleichzeitig Friseur, Maskenbildner und Schneider. Es ist toll, wenn man sagen kann: Ich hab das selber gemacht“, erzählt die 28-Jährige. Sie hat Nähen gelernt und schneidert Kostüme für ihre Showgruppe. In Mangakleidung macht sie Fotoshootings, tanzt und schauspielert auf der Bühne.

Franca, eine 20-Jährige aus Düsseldorf, hat drei Monate an ihrem Kostüm der Sailor Jupiter herumgenäht. Die Studentin trägt einen superkurzen Rock und eine knappe Bluse mit riesiger rosa Schleife. Sie wartet auf ihre ebenfalls verkleideten Freundinnen und freut sich auf einen Tag inmitten der vielen Kostümierten – ein Maskenball der Manga-Freunde. „Man kennt sich halt“, sagt sie. Dass der Japan-Tag in diesem Jahr kalt, grau und regnerisch ist, schreckt die junge Frau gar nicht. „Ich war als Funkenmariechen im Rosenmontagszug – das härtet ab.“

„Cosplayer versuchen den Charakter so originalgetreu wie möglich darzustellen“, berichtet Andreas Degen. Er schätzt, dass in Deutschland rund 20 000 junge Menschen gerne Manga-Kostüme tragen. Degen ist Mitveranstalter des Cosplay-Treffens „Dokomi“ in Düsseldorf. Die meisten seien zwischen 15 und 25 Jahren alt, sagte er über die Szene. Aber auch Kleinkinder seien bei Treffen mit ihren Eltern dabei, erzählt er. Ganze Familien kämen in Manga-Kostümen.

Mit ihren 28 Jahren ist Nadine Metzner inzwischen eine der Älteren in der Szene. Aber zum verregneten Japan-Tag kam sie dieses Mal in zivil. „Das ist mir zu anstrengend geworden, besonders wenn man lange bleiben will“, sagt sie.