Wie mutige Männer Düsseldorf gerettet haben

Am 17. April 1945 sind die US-Truppen in Düsseldorf einmarschiert. Dieses Foto zeigt am 8. Mai 1945 die Siegesparade des 319. US-Pionier-Bataillons durch Düsseldorf. Hier an der Ecke zur Hofgartenstraße, von der Königsallee aus kommend. Im Hintergrund der Schalenbrunnen auf dem Corneliusplatz.
Am 17. April 1945 sind die US-Truppen in Düsseldorf einmarschiert. Dieses Foto zeigt am 8. Mai 1945 die Siegesparade des 319. US-Pionier-Bataillons durch Düsseldorf. Hier an der Ecke zur Hofgartenstraße, von der Königsallee aus kommend. Im Hintergrund der Schalenbrunnen auf dem Corneliusplatz.
Foto: Stadtarchiv Düsseldorf
Was wir bereits wissen
Die „Aktion Rheinland“ von Widerstandskämpfern aus Düsseldorf bewahrte die Stadt vor 70 Jahren am 16. April 1945 vor dem von den Alliierten geplanten Bombenhagel.

Schon seit Wochen, genauer seit Februar, waren aus Richtung Westen die Abschüsse der amerikanischen Artilleriegeschütze zu hören. Am 1. März hatten Amerikaner Neuss besetzt, am 3. März 1945 besetzten US-Soldaten die linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteile. „Die ‚Verteidiger’ dieser Stadtteile, etwa 300 Soldaten der 338. Infanteriedivision, verstärkt durch Schutzpolizeibeamte und Volkssturmmänner, flohen vor den anrückenden gegnerischen Truppen über die Skagerrakbrücke auf das rechtsrheinische Stadtgebiet“, heißt es in einem Bericht der Düsseldorfer Geschichtswerkstatt. „Anschließend wurde auch die letzte Verbindung über den Rhein, die Skagerrakbrücke (heute Oberkasseler Brücke), durch deutsche Soldaten gesprengt.“ Bereits zuvor wurden nach der Einnahme von Neuss die Südbrücke und die Hammer Eisenbahnbrücke von Wehrmachts-Soldaten gesprengt.

Doch der Plan für die endgültige Einnahme der Stadt, die bereits seit 10. April eingekesselt war, stand für die Alliierten bereits fest: In der Nacht zum 17. April 1945, also Freitag vor 70 Jahren, sollte ein Bombenhagel auf Düsseldorf niedergehen, 800 Flugzeuge standen für den Angriff bereit. Dass es dazu nicht gekommen ist, wurde am 16. April 1945 geradezu in letzter Minute von mutigen Männern des Widerstands verhindert.

Zu ihnen gehörte Aloys Odenthal. Seit Ende der 30er Jahre traf sich der Architekt regelmäßig mit Theodor Winkens und weiteren Gefährten zu politischen Gesprächen in Gerresheim. Während Odenthal aus zutiefst christlicher Überzeugung handelte und zweimal von der Geheimen Staatspolizei wegen kritischer Äußerungen verhört wurde, hatte Theodor Winkens die Scheidung von seiner jüdischen Frau abgelehnt und wurde deshalb 1937 aus dem Polizeidienst entfernt.

Die Männer um Odenthal und Winkens schlossen sich 1943 einer Widerstandsgruppe in der Innenstadt an, die sich um Rechtsanwalt Karl August Wiedenhofen gegründet hatte. Zweimal im Monat trafen sich die Männer, planten aber keine Aktionen. Erst im Februar 1945 fassten die Nazi-Gegner den Entschluss, die Übergabe von Düsseldorf an die vorrückenden Truppen der Alliierten vorzubereiten. Dazu wurde der Kontakt hergestellt zu Franz Jürgens. Der Kommandeur der Schutzpolizei hatte zuvor das Kommando über eine Polizei-Kampfgruppe und über eine Volkssturmgruppe kategorisch abgelehnt. Am 15. April 1945 haben die Männer des Widerstands und Franz Jürgens besprochen, die Polizeiführung auszuschalten um die Kapitulation Düsseldorfs vorzubereiten.

Einen Tag später, am Montag, 16. April, wurde die „Aktion Rheinland“ gestartet: Am Morgen begaben sich Odenthal und Andresen in die Wohnung von August Wiedenhofen, wo sich bereits drei weitere Widerständler eingefunden hatten. Vormittags wurde mehrfach mit Oberstleutnant Jürgens telefoniert. Gegen 13 Uhr, so weiß es die Düsseldorfer Geschichtswerkstatt, erreichte die wartenden Männer ein Anruf von Jürgens: Man müsse unverzüglich handeln. Die amerikanischen Truppen stünden vor den Toren der Stadt; Partei und Wehrmacht bereiteten die Verteidigung bis zur letzten Sekunde vor.

Die Männer handelten. Kurz nach 13 Uhr erreichten sie das Polizeipräsidium und nahmen SS-Brigadeführer August Korreng, den Polizeipräsidenten, fest. Mit den Worten: „Herr Präsident, Sie bieten uns in den kommenden Tagen nicht die Gewähr für die reibungslose Abwicklung aller Dinge. Wir sind deshalb als Vertreter der Düsseldorfer Bürgerschaft gezwungen, Sie in Schutzhaft zu nehmen.“ Jürgens übernahm die Führung der Düsseldorfer Polizei. Doch die Aktion wurde verraten. Korreng wurde nachmittags von einem Stoßtrupp befreit und die meisten Widerstandskämpfer verhaftet.

August Wiedenhofen und Aloys Odenthal konnten flüchten. Sie schlugen sich zu den amerikanischen Truppen durch, die sie abends bei Mettmann erreichten. Doch die Amerikaner trauten den beiden nicht, die mit ihnen über die Kapitulation Düsseldorfs verhandeln wollten. Sie glaubten an eine Falle. Odenthal schwor beim Leben seiner Schwester, die in einem Kloster lebte. Die Amerikaner sicherten sich ab: Wiedenhofen und Odenthal mussten auf den Panzern mit nach Düsseldorf fahren und führten die Amerikaner bis zum Polizeipräsidium, wo sie am Morgen des 17. April eintrafen. Die Stadt wurde so kampflos eingenommen und vor der Zerstörung durch die Alliierten und vor einem Blutbad bewahrt.

Noch Jahrzehnte später trieb es Aloys Odenthal, der 1985 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Düsseldorf erhalten hat, die Tränen in die Augen, wenn er diese Geschichte erzählte. Denn: Die letzten Nazi-Getreuen hatten noch kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen seine Gefährten auf dem Hof der Berufsschule an der Färberstraße erschossen. „Noch in der Nacht vom 16. auf den 17. April wurden der Kommandeur der Düsseldorfer Schutzpolizei, Franz Jürgens, und die zivilen Widerstandskämpfer Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill, die auch an der Aktion beteiligt waren, nach Standgerichtsverfahren erschossen“, heißt es bei der Düsseldorfer Geschichtswerkstatt. Nach Franz Jürgens ist heute der Platz vor dem Polizeipräsidium benannt ist.

Aloys Odenthal ist am 30. November 2003 gestorben. Er ist auf dem Gerresheimer Friedhof beerdigt.