Wie ein Regenbogen
05.12.2010 | 16:52 Uhr 2010-12-05T16:52:00+0100
Düsseldorf.Und wieder ein Erfolg! Besonders in eigener Sache. Mit seinem Ballettabend „b.06“, der vor sechs Wochen in Duisburg und nun in Düsseldorf umjubelte Premiere feierte, knüpft Martin Schläpfer an seine Erfolgsserie der letzten Saison an.
In dem dreiteiligen Abend bezaubert freilich am meisten das neue Opus des Meisters, der im Sommer zum Choreographen des Jahres gekürt wurde. Was er an fantasievollem Humor und lyrischer Leichtigkeit Schuberts „Forellenquintett“ entlockt, macht ihm so schnell keiner nach. Diesmal fasziniert Schläpfer nicht als existenzielle Grübler, sondern als brillanter Unterhalter, unterstützt von seiner Virtuosen-Truppe, die auf extreme Bewegungen trainiert ist und aus herausragenden Charakter-Darstellern besteht.
Tänzer in Regenbogenfarben springen munter, drehen übermütig wie Fische in fließenden Gewässern, umgarnen einen Angler und führen ihn an der Nase herum. Ein Fischlein ist besonders quirlig, es biegt und schlängelt sich, wirbt selbstbewusst um ihn und lässt den Ärmsten nicht in Ruh’. Bis der genervte Kerl die Nase voll hat, in die Gummistiefel steigt und seine Angel auswirft. Als die Forelle angebissen hat, wird aus übermütigem Spiel ernst: Nach einigen Zuckungen erstarrt die Beute mit verzogenen Mundwinkeln und bleibt nach lautlosem Schrei liegen. Jedoch erholt sie sich schnell und legt den Kopf genüsslich auf die starke Fischer-Schulter.
Heiter-melancholisch verwandelt Martin Schläpfer die bitter-süße Musik des Romantikers Schubert in einen flutenden Bilderreigen, der nur so sprüht vor Leichtigkeit, raffinierten Sprüngen (von Bogdan Nicula), Pirouetten und verschraubten Dehn- und Hebefiguren. Muntere Szenen lauscht er Schuberts Musik ab, die (gespielt von einem Symphoniker-Quartett und dem Pianisten und Dirigenten Christoph Altstaedt) schnurrt, perlt und tupft. Dabei hütet er sich vor heimelnder Idylle, steuert sogar manchmal der Musik entgegen. „In einem Bächlein helle, da schoss in fröhlicher Eil…“ Die Zeilen des von Schubert vertonten Freiheits-Gedichts (von C.F. Daniel Schubart) lässt Schläpfer, mit Augenzwinkern, von einem Tänzer mit französischem Akzent vorlesen. Dann erzählen die Figuren Geschichten, von torkelnden Trunkenbolden, launischen Forellen und träumenden Paaren in Sommernachts-Trance.
Die quicklebendige hypergelenkige Marlúcia do Amaral und der spröde Jörg Weinöhl verwandeln den vierten Variations-Forellen-Satz in ein Kabinettstück voller Komik und Trauer, inklusive Spitzenschuh-Akrobatik und Drama-Tanz.
Drastischen Geschlechterkampf bieten indes die beiden Stücke, die das Forellenquintett einrahmen: „Vier Temperamente“ von Balanchine (nach Hindemith-Variationen für Streicher und Orchester) und Mats Eks „Aluminium“ (nach John Adams). Die zarten Gefühle der springenden Regebogenforellen werden hier zerschlagen von scheppernden Aluminium-Tellern, die Mann und Frau sich um die Ohren werfen.
Weitere Termine: 8., 11., 17., 18., 22., 26., 28. Dez., Telelfon 8925 211
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