Wie die Polizei Düsseldorf einen Rockerkrieg verhindern will

Die Polizei geht regelmäßig gegen die Rockerszene vor. In Düsseldorf waren vergangenes Wochenende 150 Polizisten und SEK-Leute im Einsatz.
Die Polizei geht regelmäßig gegen die Rockerszene vor. In Düsseldorf waren vergangenes Wochenende 150 Polizisten und SEK-Leute im Einsatz.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fehde zwischen Hells Angels und Bandidos gipfelte am Neujahrsmorgen mit Schüssen in der Altstadt. Hintergründe zum Großeinsatz vom Wochenende.

Düsseldorf.. Gut möglich, dass die Düsseldorfer Polizei auch kommendes Wochenende den Stadtkern hermetisch abriegeln wird. Immer noch im Fokus: Die Rockerszene, genauer die Mitglieder der Hells Angels, die dem Vernehmen nach ihr Revier in der Altstadt neu markieren und auf Vergeltung gegen die verfeindeten Bandidos aus sind.

„Wir wollen nicht vom Rockerkrieg in Düsseldorf sprechen“, betonte Polizeipräsident Norbert Wesseler am Dienstag. Aber die Szene sei immer in Bewegung. „Und wir wollen jegliche Entwicklung in unserer Stadt im Keim ersticken.“

„Weil mittlerweile ausreichend Fakten vorliegen“, so Sprecher Markus Niesczery, wurden erst Dienstag alle Hintergründe bekannt gegeben, die zum Großeinsatz vom vergangenen Wochenende in der Altstadt führten, bei dem rund 150 Polizisten und SEK-Leute Dutzende Personen aus dem Rockermilieu kontrollierten.

Rockerbanden Die Ursache für den Aufmarsch der Hells Angels in Düsseldorf lag nämlich nicht – wie zunächst kolportiert – in einer Messerstecherei in Oberhausen, sondern in einem blutigen Vorfall am Neujahrsmorgen vor dem Lion Club an der Bolkerstraße in der Altstadt, bei dem ein völlig Unbeteiligter fast gestorben wäre.

Bambule vor Lion Club

Am 1. Januar wurde gegen 6.20 Uhr drei Leuten, die „der Hells Angels-Gruppierung zuzurechnen sind“, der Eintritt in den Lion Club verwehrt. Wiederum von einem Türsteher (40), der den Bandidos zuzuordnen ist. Das Trio holte Verstärkung, acht Minuten später machten 15 bis 20 Mann vor der Disco Bambule, schmissen Stühle, Verkehrsschilder und gar komplette Heizpilze gegen die geschlossene Clubtür. Kurze Zeit später kam die Polizei zum Ort des Geschehens.

Und erst in den weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass Schüsse gefallen waren. „Es war zunächst – wenige Stunden nach dem Jahreswechsel schwer zu unterscheiden, ob es sich um verspätete Silvesterknaller handelte oder um Schüsse aus einer Pistole“, sagt Kriminaldirektor Roland Wolf, der in Düsseldorfer seit vielen Jahren gegen das organisierte Verbrechen im Rockermilieu kämpft.

Zudem hatte ein 24-jähriger, völlig unbeteiligter Altstadtbesucher kurioserweise erst anderthalb Stunden später bemerkt, dass ihm eine – wohl quergeschlagene – Kugel getroffenen hatte. Wolf: „Das war ein Durchschuss, der Mann hatte aber großes Glück, dass die Kugel vom Reißverschluss seiner Jacke in den unteren Rippenbogen gegangen war. Das Geschoss blieb im hinteren Teil der Jacke stecken, der Mann kam ins Krankenhaus, ihm geht es wieder besser.

Angeschossener Hells Angel wurde in Düsseldorf gefunden

Die zweite Kugel wird, so glauben die Ermittler, ein Mann aus der Hells Angels-Gruppe abbekommen haben, die den Club stürmen wollte. Der Mann ging der Polizei am vergangenen Sonntag im Rahmen des Großeinsatzes ins Netz. Die Beamten staunten nicht schlecht, als sie bei ihm eine noch frische Schussverletzung im Oberschenkel feststellten. Die beiden Schüsse, davon gehen die Ermittler stark aus, soll der 40-jährige Türsteher abgegeben haben. Eine Mordkommission ist eingerichtet.

Kneipenschlägerei in Velbert

Die Eskalation zum Jahreswechsel in Düsseldorf hat laut Polizei ihren Ursprung in einer Kneipenschlägerei in Velbert, die ziemlich genau ein Jahr zurück liegt. Am 4. Januar 2014 wurden dort zwei Hells Angels-Mitglieder durch einen 38-jährigen Bandidos-Türsteher schwer verletzt. Dieser 38-Jährige soll sich in der Silvesternacht in der Disco an der Bolkerstraße aufgehalten haben und ein Freund des 40-jährigen Lion Club-Türstehers sein. Beide Männer sind zurzeit nicht aufzufinden. Die Wohnung des 40-jährigen Beschuldigten in Haan wurde am 3. Januar durchsucht, mittlerweile meldete sich dessen Anwalt bei der Staatsanwaltschaft und forderte Akteneinsicht.

Der vorerst letzte Akt für die Polizei in Sachen Rockerfehde am vergangenen Sonntagnachmittag in Wersten: Bei einer Routine-Fahrzeugkontrolle stießen Beamte auf drei Hells Angels-Mitglieder, die in ihrem Pkw einen Revolver liegen hatten. „In dieser Szene von Zufällen zu sprechen, wäre blauäugig“, so Ermittler Wolf.

Es gibt keine Aussagen, „wie üblich in der Szene“, so der Kriminaldirektor weiter. Dennoch glaubt die Polizei, „vorerst Druck aus dem Kessel genommen zu haben“. Wolf: „Es besteht aber weiterhin Konfliktpotenzial.“