Wie die Bahnen in Düsseldorf immer mehr in Fahrt kommen

Schritt für Schritt sollen Straßenbahnen an vielen Ampeln Vorrang vor dem Autoverkehr bekommen. Vor allem auf den Zulauf-Strecken für die neue Wehrhahnlinie soll es flüssig laufen.
Schritt für Schritt sollen Straßenbahnen an vielen Ampeln Vorrang vor dem Autoverkehr bekommen. Vor allem auf den Zulauf-Strecken für die neue Wehrhahnlinie soll es flüssig laufen.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Umrüstung der Ampeln auf Vorrang für den ÖPNV ist in vollem Gange. Autofahrer merken das an einigen Stellen bereits durch längere Wartezeiten.

Düsseldorf.. Für Düsseldorfs Autofahrer wird es langsam ernst. In wenigen Wochen startet die Wehrhahnlinie – und damit die reibungslos läuft, tut die Stadt auch etwas für deren Zulauf-Strecken. Konkret: Sie gewährt den Straßenbahnen öfter Vorfahrt vor dem Individualverkehr. Aktuell werden die Ampeln dafür an der Lenau- und Simrockstraße in Grafenberg umgestellt, außerdem am Lichtplatz an der Grafenberger Allee. In den kommenden zwei Wochen soll laut Amt für Verkehrsmanagement zudem die Anlage am Karolingerplatz in Bilk folgen. Schon vollzogen sind Änderungen an Ampeln auf der Berliner Allee und der Kreuzung Graf-Adolf-Straße/Königsallee. Letzteres dürfte auch den Autofahrern schon aufgefallen sein.

„Bei den Linksabbiegern zur Kö-Ost kommt es im Moment tatsächlich zu Beeinträchtigungen“, sagt Patric Stieler, Abteilungsleiter Verkehrstechnik im Amt für Verkehrsmanagement. Ihre Wartezeiten an der Ampel variierten zwischen zehn und 40 Sekunden – je nachdem, wie viele Bahnen dort hintereinander verkehrten. „Für den Regelbetrieb ist das zu wenig, deshalb überstaut es häufig. Das ist nicht schön, aber auch noch kein Verkehrschaos.“ Muss man trotzdem noch mal nachjustieren? „Das ist eine Frage der Prioritätensetzung“, sagt Stieler, „die Bahnen fahren sehr gut da.“

Nadelöhr Kaiserswerther Straße

Jahrzehntelang waren die Prioritäten andere. Auto vor Bahn – davon rückt man in Düsseldorf zusehends ab. „Wir hoffen auf eine Zeitenwende und begrüßen natürlich, dass es jetzt eine andere politische Bereitschaft gibt“, sagt Rheinbahnsprecher Georg Schumacher, der noch viel Verbesserungsbedarf in der Stadt sieht. Ein wichtiges Nadelöhr, das aus seiner Sicht beseitigt werden müsste, ist der Bereich auf der Kaiserswerther Straße zwischen den Haltestellen Kennedydamm und Reeser Platz. „Dort bräuchten wir mehr Platz für die Bahnen, damit auch Hochbahnsteige möglich sind.“

Zufrieden ist Schumacher mit der Vorrangschaltung für die Linie U75. Seit November könnten die Bahnen auf der gesamten Strecke von Neuss bis hinter Eller etwa zehn Minuten Zeit sparen. „Das müssen Sie mit dem Auto erst mal schaffen“, so der Rheinbahn-Sprecher. Er gibt aber auch zu bedenken, dass Vorfahrt für Bahnen nicht zwingend bedeuten muss, dass Autos benachteiligt werden. Denn wenn mit den Verbesserungen mehr Menschen auf den ÖPNV umstiegen, würde das auch mehr Luft für Autofahrer bedeuten. Und: „Wenn die Bahn mit 40 Stundenkilometer über die Kreuzung fahren kann, ist die da in drei Sekunden drüber. Wenn sie erst abbremsen muss, braucht sie locker dreimal so viel Zeit.“