Wie der ADFC mehr Düsseldorfer aufs Fahrrad bringen will

Die ADFC-Vorsitzende Iris Kösters (r., mit Faltrad Birdy, Riese und Müller) und ihre Vize Lerke Tyra (mit einem Modell der Fahrrad-Manufaktur).
Die ADFC-Vorsitzende Iris Kösters (r., mit Faltrad Birdy, Riese und Müller) und ihre Vize Lerke Tyra (mit einem Modell der Fahrrad-Manufaktur).
Foto: Andreas Bretz
Was wir bereits wissen
Der ADFC Düsseldorf hat mit Iris Kösters und Lerke Tyra erstmals eine weibliche Spitze. Die fordert nun unter anderem mehr Temporeduzierungen für Autos.

An der Spitze des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs stehen seit März zwei Frauen. Sie fordern für Radfahrer mehr Ampeln, Parkhäuser und Flächen. Und sie plädieren für ein deutlich geringeres Tempolimit für Autos.

Worüber haben Sie sich als Radfahrerinnen in Düsseldorf zuletzt gefreut?

Kösters: Über die roten Aufstellflächen, die es an manchen Kreuzungen für Radfahrer gibt. Damit stehen sie an roten Ampeln vor den Autos und nicht daneben, werden wahrnehmbarer, was die Sicherheit erhöht. Das ist eine einfache und gute Lösung. Mehr davon!

Tyra: Ich freue mich über den neuen Radstreifen auf der Kölner Straße, den ich fast jeden Tag nutze. Was noch fehlt, ist der Anschluss an den Worringer Platz.


Haben Sie sich darüber zuletzt am meisten geärgert?

Tyra: Ja, aber ebenso über die vielen Radwegeparker, die es leider auch auf der Kölner Straße oft gibt. Die Ausrede ist immer gleich: Sie wollen nur ganz kurz etwas kaufen.

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Kösters: Mich ärgert am meisten, wenn rote Ampeln ignoriert werden – egal, ob von Autofahrern, Radlern oder Fußgängern. Besonders ärgerlich ist es natürlich bei Autofahrern, auch wenn sie noch bei Dunkelgelb durchfahren. Kreuzende Radfahrer oder Fußgänger haben dann oft schon Grün. Extrem gefährlich.


Haben Sie sich schon mal über Radfahrer geärgert?

Kösters: Klar, manchmal als Fußgängerin, manchmal als Autofahrerin.

Tyra: Auch als Radfahrerin ärgere ich mich über rücksichtslose Kollegen. Sie bringen andere in Gefahr und schädigen leider den Ruf aller.


Düsseldorf ist seit 2007 in der Arbeitsgemeinschaft der Fahrradfreundlichen Städte. Zu Recht?

Tyra: Na ja, es heißt Arbeitsgemeinschaft. Man ist mittendrin.

Kösters: Düsseldorf ist auf einem guten Weg. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan.


Was muss sich denn noch ändern?

Kösters: Es sind oft die kleinen Maßnahmen. Zum Beispiel brauchen wir mehr Fahrradampeln, die Radlern beim Anfahren ein paar Sekunden Vorsprung vor den Autos geben. Die Leitrouten müssen noch deutlicher ausgeschildert sein. Und ich bin auch für mehr Temporeduzierung für Autos, das sorgt automatisch für mehr Sicherheit.

Tyra: Wichtig ist doch, dass wir mehr Leute aufs Fahrrad bringen. Dafür muss das Sicherheitsgefühl erhöht werden. Radstreifen auf Hauptstraßen sind toll, viele trauen sich leider trotzdem nicht, dort zu fahren. Auch ich komme täglich an Stellen vorbei, an denen ich Herzklopfen habe. Reduziertes Tempo kann da helfen.


Wollen Sie den Autoverkehr verbannen?

Kösters: Ganz raus geht natürlich nicht, alleine deshalb, weil sehr viele Menschen von außerhalb nach Düsseldorf kommen. Aber einschränken sollte man ihn schon. Viele Autofahrten sind nicht nötig. Wenn es Autofahrern leicht gemacht wird, gibt es auch keinen Grund, auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen. Allerdings müssten dafür nicht nur die Radwege ausgebaut, sondern auch der ÖPNV verbessert werden. Die Bahnen müssen abends zum Beispiel unbedingt länger fahren.

Tyra: Autos müssen Raum abgeben. In Düsseldorf können zum Beispiel Fahrräder mit Kinderanhängern kaum fahren. Dabei wäre das im Sinne vieler junger Familien. Denn dem nicht-lauten Verkehr gehört die Zukunft, dazu gehören auch Pedelecs und Skater. Ein gutes Beispiel ist wieder die Kölner Straße, wo Fahrbahnen verengt und das Tempolimit gesenkt wurden. Da geht’s auch ohne Radstreifen.


Es gibt unterschiedliche Bedürfnisse von Radfahrern. Manche wollen schnell von A nach B kommen und auf der Fahrbahn fahren, andere fühlen sich auf abgetrennten Spuren auf Bürgersteigen am sichersten. Kann die Stadt jedem etwas bieten?

Kösters: In Holland gibt es unterschiedliche Spuren für Schnell- und Langsamfahrer. Vielleicht müssen wir aber einfach alle etwas defensiver im Straßenverkehr sein.

Tyra: Das stimmt. In Fahrradstädten wie Münster oder Kopenhagen muss man auch sehr diszipliniert fahren, sonst klappt es mit dem dichten Radverkehr nicht. Ich fände gut, wenn die Stadt Kampagnen starten würde, die positiv über Sympathie funktionieren und nicht mit Verboten und Abschreckung.

Kösters: Wichtig wäre auch, Menschen mit wenig Erfahrung zu animieren, einen Auffrischungskurs zu machen, damit sie sich beim Radfahren sicherer fühlen.


Die Spitze des Düsseldorfer ADFC ist seit März das erste Mal weiblich. Sind Frauen die besseren Radfahrer?

Tyra: Das darf man nicht verallgemeinern. Aber ich glaube schon, dass Frauen tendenziell risikoärmer fahren.

Kösters: Ich muss im Auto jedenfalls nicht meinen Motor aufheulen lassen. Wobei es auch andere Frauen gibt. Ich kann mich für Schnelligkeit begeistern und bin technisch versiert, kenne aber auch Männer, die noch nie einen Reifen gewechselt haben.

Tyra: Schnell finde ich auch gut.


Wie oft nutzen Sie Fahrrad und Auto?

Kösters: Etwa 70 Prozent aller Strecken fahre ich mit dem Rad, bin auch im Urlaub viel damit unterwegs. Das Auto benutze ich nur bei schlechtem Wetter oder wenn ich etwas transportieren muss. In der Stadt ist es mir mit Auto zu stressig.

Tyra: Ich habe gar kein Auto, fahre nur mit dem Rad. Das geht. Mein Partner hat einen Hänger am Fahrrad, so können wir fast alles transportieren. Im Urlaub haben wir schon Touren von mehr als 3000 Kilometern gemacht.


Die Stadt ist dabei, aktuelle Zahlen zum Radfahreranteil zu erheben. Der alte Wert liegt bei zwölf Prozent aller Strecken, die mit dem Rad zurückgelegt werden und dürfte inzwischen weit höher sein. Was schätzen Sie?

Kösters: In unserer Firma, die nicht allzu zentral gelegen ist, habe ich fast 400 Räder bei 5000 Mitarbeitern gezählt. Das wären 20 Prozent, die man durchaus auf die Bevölkerung übertragen könnte.

Tyra: Der Anteil an Fahrrädern in Haushalten ist tatsächlich sehr hoch. Man darf aber nicht vergessen, dass viele in erster Linie Ausflugs- und Wochenendfahrer sind. Uns geht es vor allem auch darum, den Anteil bei Fahrten im Alltag zu erhöhen.

Kösters: Auf jeden Fall merken wir an der Zahl unserer Mitglieder, dass das Interesse am Radfahren stark gestiegen ist. Sie hat sich innerhalb von eineinhalb Jahren um mehr als zehn Prozent auf rund 2500 erhöht.


Frau Tyra, Sie organisieren die diesjährige Sternfahrt am 13. Juni, bei der wieder tausende Radfahrer über Düsseldorfs Straßen rollen werden. Ist das nicht nur schöne Symbolik für einige Stunden wie am Muttertag?

Tyra: Vor allem macht es einen Heidenspaß. Es ist das Gefühl, dass Radfahrer viel Raum einnehmen können, verbunden mit unseren radpolitischen Forderungen und Gesprächen mit Podiumsgästen. Uns freut besonders, dass mit Thomas Geisel zum ersten Mal ein Oberbürgermeister die Schirmherrschaft übernommen hat. Das ist ein starkes und wichtiges Zeichen.


Wenn Sie einen Radlerwunsch frei hätten. Welcher wäre das?

Kösters: Der seit langem geforderte Fahrradtunnel durch den Hauptbahnhof.

Tyra: Eine sichere Route über den Worringer Platz und ein gutes Fahrradparkhaus am Bilker Bahnhof.