Werkstatt Lebenshunger spürt Gründen für Magersucht nach

Vera Geisel, Schirmherrin des Projekts „Hungry Heart“, Sven Kukulies, Veranstalter des Commerz Real Cinema, engagieren sich im Kampf gegen Ess-Störungen.
Vera Geisel, Schirmherrin des Projekts „Hungry Heart“, Sven Kukulies, Veranstalter des Commerz Real Cinema, engagieren sich im Kampf gegen Ess-Störungen.
Foto: Christine Holthoff
Was wir bereits wissen
Mit einem neuen Ansatz will der Düsseldorfer Verein „Werkstatt Lebenshunger“ Ess-Störungen vorbeugen. Das Commerz Real Cinema unterstützt das Projekt.

Düsseldorf..  Es ist ein stilles Thema. Ein Thema, das sich oft im Verborgenen abspielt, über das nicht gerne geredet wird. Und wenn doch, dann mit dem falschen Fokus. Die Werkstatt Lebenshunger e.V. will dem Problem Ess-Störungen eine Stimme geben, frühzeitig Hilfe leisten und den Blick auf das lenken, was hinter der Erkrankung steckt: die emotionale Not.

Dafür hat der Verein jetzt das Projekt „Hungry Heart“ ins Leben gerufen, bei dem sich ältere Kinder und Jugendliche in kreativen Werkstätten „auf die Suche nach ihrer Herzensnahrung machen“, sagt Vereinsvorsitzende Stephanie Lahusen. Über Musik, Malerei, Filme, Theater oder Schreiben sollen sie ihre Gefühle und Sorgen ausdrücken und so einer Erkrankung vorbeugen.

Jeder zehnte Erkrankte ist männlich

Unterstützt wird der Verein dabei auch von Vera Geisel, Ehefrau des Oberbürgermeisters Thomas Geisel, die für ein Jahr die Schirmherrschaft für die Werkstatt Lebenshunger übernimmt. „Kinder und Jugendliche sehen sich heute immer stärkerem Druck und auch Angst ausgesetzt“, sagt Vera Geisel. Sie selbst wisse von ihren Töchtern, dass Kinder oft meinen, einem vermeintlichen Ideal entsprechen zu müssen: „Mir hat daher der Ansatz gut gefallen, auf die Kinder zuzugehen und ihnen zu zeigen, wie sie lernen, sich zu mögen, sich auch etwas Gutes zu tun.“

Ess-Störungen gehören inzwischen zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen unter Jugendlichen. Nach Angaben des Vereins seien zwar vor allem Mädchen und junge Frauen im Alter von elf bis 25 Jahren betroffen, doch auch für Männer würden Ess-Störungen immer mehr Thema: Jeder zehnte Erkrankte sei mittlerweile männlich. „Nach Schätzungen ist in Nordrhein-Westfalen von etwa 100 000 Anorexie- und etwa 300 000 Bulimie-Kranken auszugehen“, sagt Lahusen.

Commerz Real Cinema spendet Einnahmen

Das Projekt „Hungry Heart“, das ab Herbst an den Start gehen soll, richtet sich ausdrücklich an alle Kinder und Jugendlichen an weiterführender Schulen. Keiner wird herausgegriffen, niemand muss sich outen. „Trotzdem merken wir, dass sich die Schüler erstaunlich schnell öffnen, gerade auch in den Gruppen“, berichtet Ute Ladewig, Sozialpädagogin und Mitglied des Lebenshunger-Vorstands.

Um das Projekt an möglichst viele Schulen zu bringen, braucht es Spendengelder. Einen Teil steuert das Commerz Real Cinema bei, das seine Freiluftleinwand in diesem Jahr vom 16. Juli bis 16. August am Rhein aufbaut. „Wir werden die Regenponchos diesmal für einen Euro verkaufen und die Einnahmen ohne Abzug weitergeben“, sagt Veranstalter Sven Kukulies: „So sorgt das Geld, das wir in die Ponchos stecken, nicht nur dafür, dass die Zuschauer einen trockenen Sitz haben, sondern unterstützt auch ein Stück weit die Arbeit des Vereins.“ Je nach Witterung käme man pro Saison auf 2000 bis 5000 Ponchos. Auf Regen brauche aber niemand zu hoffen, ergänzt Kukulies: „An jedem trockenen Abend spenden wir einen Teil der Gastronomie-Einnahmen.“

Mehr Infos: www.werkstattlebenshunger.de