„Wenn ich hier irgendwann aufhöre, schreib’ ich ein Buch!“

Christian von Thuijl in einem der Zimmer der Düsseldorfer Jugendherberge.
Christian von Thuijl in einem der Zimmer der Düsseldorfer Jugendherberge.
Foto: Christian Stahl
Was wir bereits wissen
Christian von Thuijl leitet die Gebäudereinigung in der Jugendherberge in Oberkassel.

Düsseldorf..  Betten machen, Toiletten und Waschbecken reinigen, kurz – den Dreck anderer Leute wegmachen gehört sicherlich nicht zu den Lieblingsaufgaben der Menschen. Wer es sich leisten kann, der beauftragt eine Reinigungskraft. Alle anderen greifen leicht mürrisch zu Eimer und Lappen um die Hausarbeit selbst in Angriff zu nehmen.

Christian von Thuijl reinigt von Berufswegen. Der 29-Jährige ist Gebäudereiniger und sorgt mit zehn weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Sauberkeit in der DJH Jugendherberge in Oberkassel. 96 Zimmer, 338 Betten, Schulklassen, Junggesellenabschiede. Klingt nach keinem einfachen Job und das ist es auch nicht. Nach seinem Schulabschluss machte der gebürtige Düsseldorfer eine Ausbildung als Gebäudereiniger, arbeitet dabei vornehmlich in Bürokomplexen. Dann kam die Jugendherberge. „Als ich hier anfing, dachte ich, dass ich den Job in der Jugendherberge eh nur ein paar Monate machen würde. Mittlerweile sind aus den paar Monaten sieben Jahre geworden“, schmunzelt der 29-Jährige. Christian mag seinen Job, die Abwechslung, sein Team und die Menschen, die jeden Tag die Jugendherberge besuchen. Aus seinem Team hat jeder eine Etage für sich, der „Chef“ fungiert als Springer, hilft überall dort aus, wo es gerade brennt. „Unser Team ist völlig bunt gemischt. Frauen, Männer, jüngere, ältere, einen Afrikaner und auch eine junge Dame mit Behinderung. Ohne dieses Team wär ich niemals so lange hier geblieben“, erklärt der Gebäudereiniger.

Klientel hat sich verändert

Das Leben in einer Jugendherberge hat sich über die Jahre grundlegend verändert. Die Zeiten alter PVC-Böden, Etagenduschen und siffiger Sanitäranlagen gehören längst der Vergangenheit. Heute gibt’s Tagungsräume, vielseitige Buffets und moderne Zimmer samt Flachbild-Fernseher. Auch die Klientel hat sich verändert. Wo früher nur Schulklassen und Jugendausflüge anzutreffen waren, läuft man nun im Flur Geschäftsleuten über den Weg. Wo früher höchstens mal die örtliche Jugendgruppe zusammenkam finden nun Hochzeiten und Geschäftstermine statt. „Sogar eine Beschneidung hatten wir hier schon“, berichtet von Thuijl und fügt an: „Manche Menschen sind völlig überrascht wie sauber und modern die Zimmer sind. Die suchen dann ganz verzweifelt das Klo auf dem Gang. Dieses Lob ist für uns natürlich die größte Auszeichnung.“

Negative Erfahrungen gibt es allerdings zuhauf. Fäkalien an den unmöglichsten Orten, Wurst an der Decke, heruntergerissene Gardinenstangen – der 29-Jährige hat in seinen mittlerweile sieben Jahren Jugendherberge nahezu alles gesehen. Und vermisst manchmal den Respekt der Gäste. „Niemand beschwert sich wenn mal was daneben geht. Dann kommt der Gast kurz zur Rezeption und wir regeln das, gar kein Problem. Den Dreck einfach so liegen zu lassen ist allerdings völlig respektlos. Da fragt man sich schon manchmal, was in den Köpfen der Menschen vorgeht“, berichtet der Düsseldorfer.

Zwischendurch gibt’s aber auch Erfolgserlebnisse. Eine Gruppe Männer mittleren Alters versuchte sich unbemerkt in die Tiefgarage zu stehlen, nachdem sie ihr Zimmer völlig verwüstet hatten. Ärgerlich allerdings, dass sie vergaßen die Münze für den Parkautomaten freizuschalten zu lassen. Beim Gang zur Rezeption folgte ein extrem peinlich Moment und eine saftige Strafe für die Herren, die in Zukunft hoffentlich genauer darauf achten, wie sie sich benehmen.

Dieses Verhalten aufwiegen, tun all jene Menschen, die den Reinigungskräften den Respekt zollen, den sie verdient haben. „Ein nettes Wort, kurze Wertschätzung – das freut uns schon sehr“, erklärt Christian von Thuijl.

Christian macht den Meister

Auf der Stelle bleibt der ehrgeizige 29-Jährige nicht. Von Thuijl macht neben der 6-Tage Woche in der Jugendherberge seinen Meister – auf eigene Kosten! Und ein eigenes Buch, dass wär’s. „Irgendwann werde ich mal alles aufschreiben was ich hier erlebt habe, vorausgesetzt irgendein Verlag ist bereit sowas zu drucken“, schmunzelt der Düsseldorfer. Ein Kassenschlager wär’s bestimmt. Ein Augenöffner für die vielen Menschen, die noch immer nicht die Arbeit der Reinigungskräfte wertschätzen ebenfalls. Zu wünschen wäre es dem fleißigen Team rund um Christian von Thijl allemal.