Weniger dicke Kinder in Düsseldorf

Fitness und Körpergewicht der Düsseldorfer Kinder entwickeln sich positiv. „Unser Düsseldorfer Modell, mit dem wir Jungen und Mädchen sportlich fördern, zeigt Wirkung“, sagt Jugenddezernent Burkhard Hintzsche. Seine Einschätzung belegt er mit Untersuchungsergebnissen zur sportmotorischen Fitness von Zweit- und Fünftklässlern aus den vergangenen zehn Jahren.

Die Untersuchung: Seit 2003 werden beim „Check!“ alle Zweitklässler in ihren Schulen gewogen und gemessen. Seit 2005 wird das bei den Fünftklässlern beim „Recheck!“ wiederholt. Aus den Angaben zu Größe und Gewicht wird der Body-Mass-Index (BMI = Gewicht geteilt durch die Größe im Quadrat) ermittelt. Außerdem müssen die Jungen und Mädchen einen kindgerechten Fragebogen zu ihrem Sport- und Freizeitverhalten beantworten.

Die Tests werden in allen zweiten Klassen sowie in etwa 95 Prozent der fünften Klassen umgesetzt. Es werden nur die Daten der Kinder erfasst, deren Eltern zustimmen. Das ist in etwa 90 Prozent der Fälle so.

Der Test: Um die sportmotorische Fitness, also Schnelligkeit, Koordinationsgabe, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer, bewerten zu können, werden die Kinder in folgenden Disziplinen geprüft: Zehn-Meter-Sprint, Ball-Beine-Wand-Wurf, Hindernislauf, Medizinballstoßen, Standweitsprung, Sit-ups, Rumpftiefbeuge, Sechs-Minuten-Lauf.

Das Gewicht: Der durchschnittliche BMI der untersuchten Düsseldorfer Zweitklässler sinkt. Lag der Durchschnittswert 2003 noch bei 16,6, erreichte er 2013 die Marke von 15,8. Nicht ganz so deutlich, aber durchaus sichtbar ist die Entwicklung bei den Fünftklässlern. Hier lag der Wert 2005 bei 17,9, acht Jahre später bei 17,4. „Werte im Normalbereich mit günstiger Tendenz“, meint Hintzsche.

Die Motorik: Nicht so klar ist der Trend bei den motorischen Werten. Hier pendelt der Mittelwert – er bündelt das für jede Test-Disziplin ermittelte Ergebnis zu einem „motorischen Gesamtwert“ – um den Wert 50. Das gilt für Jungen und Mädchen gleichermaßen. Offensichtlich ist der Zusammenhang zwischen Gewicht und Beweglichkeit. Wie die Tests zeigen, erzielen Kinder, deren BMI im unteren Normalbereich liegt, die höchsten Gesamtwerte. Dagegen erreichen vor allem adipöse und übergewichtige Kinder deutlich schlechtere Werte.

Die Extreme: Die Zahl der extrem dicken Kinder geht zumindest bei den Zweitklässlern zurück. Während die Wissenschaftler 2003 noch 7,3 Prozent der Kinder so einstuften, waren es zehn Jahre später nur noch 5,2 Prozent. Bei den im Schnitt etwa elf Jahre alten Fünftklässlern ist die Entwicklung nicht so deutlich. Der Anteil adipöser Kinder pendelt um die sechs Prozent. Der Anteil der mageren und untergewichtigen Kinder liegt in beiden Altersklassen zwischen zehn und elf Prozent.

Die Sozialräume: Für das Untersuchungsjahr 2012 wurde die sportmotorische Leistung der Kinder zusätzlich auf die 166 Düsseldorfer Sozialräume heruntergebrochen. Bei diesen Wohnvierteln handelt es sich mit Blick auf die sozioökonomische und die Wohnsituation um annähernd gleich strukturierte Gebiet. Für diese 166 Bezirke bildeten die Statistiker fünf Kategorien. Typ 1 erfasst die „bestsituierten“ Sozialräume, Typ 5 die „am schlechtesten situierten“. Dabei zeigt sich, dass der Anteil besonders dicker Kinder im Typ 1 am geringsten (0,8 Prozent), im Typ 5 (10,6 Prozent) dagegen am höchsten ist. Interessant: Bei den zu dünnen Kindern („mager“) liegen Typ 1 (4,6 Prozent) und Typ 5 (4,0 Prozent) näher beieinander als der Rest der Sozialraum-Typen.

Sportarten: Kinder aus den besser situierten Sozialräumen treiben mehr Sport. Im Typ 1 gaben 91,3 Prozent der Kinder an, mindestens eine Sportart zu betreiben. Im Typ 5 sagt das nur gut die Hälfte der Kinder (54,1 Prozent). Tennis spielen im Typ 1 etwa 27 Prozent der Kinder, in den Typen 4 und 5 dagegen jeweils nur ein Prozent. Knapp 23 Prozent der Kinder aus Typ 5 können nicht schwimmen, im Typ 1 sagen das nur zwei Prozent.

Zum Düsseldorfer Modell gehören zahlreiche Förderprojekte. Dazu zählen: Bewegungsfördergruppen (im Offenen Ganztag oder über Partner wie „SMS-sei schlau, mach mit, sei fit“), Kids in action (6000 Teilnehmer in 2014) und Kita-Schwimmen (300 Kinder in 30 Gruppen).

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