Wenders, wortkarg

Vielleicht war es in dem Moment, als die Schlange am Pressecounter am längsten war, als Wim Wenders gestern Vormittag das Museum Kunstpalast betrat. Bekleidet mit schwarzen Sneakern, wie sie gerade so modern sind, und einem Rucksack, wie sie Touristen so gerne tragen. Ein kurzer Blick der wartenden Journalisten auf ihre Smartphones: Noch 20 Minuten bis zur Pressekonferenz mit dem Mann, der „Paris, Texas“ geschaffen hat. Alles gut!

Die Idee eines der wartenden Fotografen, unten noch schnell ein Foto zu machen, winkt der 1945 in Düsseldorf geborene Regisseur lässig ab, begibt sich einen Stockwerk höher. Dorthin, wo ab morgen bis zum 16. August die Ausstellung „4 Real & True 2 - Landschaften. Photographien“ gezeigt wird.

Zahlreiche Medienvertreter

Dort schon zahlreich vertreten Medienmenschen aus Düsseldorf, Deutschland und dem Ausland. 80 großformatige Bilder aus 40 Jahren Schaffenszeit werden gezeigt. Ja, sie ziehen die Blicke auf sich. Ja, vor den meisten Werken bleibt man mehr als nur Sekunden stehen. Ja, sie zeigen Skurriles und Normales, Schönes und Katastrophales. Ja, sie sind in der ganzen Welt entstanden – ob in Armenien, Wuppertal oder wie durch radioaktive Strahlung zerstörten Bilder in Fukushima. Aber: Ja, die Oberlichter reflektieren auf dem Glas der Bilderrahmen.

Ob Wim Wenders das an diesem Vormittag sieht? Er hat sich unter die Pressemenge gemischt. Lässt die anwesenden Fotografen machen. Eher widerwillig, so scheint es. Wenders ist wortkarg. Auch später bei der Pressekonferenz, die vor der glühenden Landschaft der Rocky Mountains stattfindet, redet er nicht von sich aus. Er zieht es vor, Fragen zu beantworten. Wenders erzählt, dass er photographiert. Mit „ph“, weil bei ihm alles analog und unbearbeitet ist. Dass er mit einer Art 7. Sinn immer einen Ort findet, der etwas erzählen kann. Manch eine Bemerkung bringt die Anwesenden zum Schmunzeln. Mehr als die Worte Wim Wenders werden ab morgen seine Photographien wirken...