Weiblich, jung, vertrieben

Ayla, 22, aus Syrien
Ayla, 22, aus Syrien
Foto: dfsaf
Was wir bereits wissen
Das Buch „no border“ schildert das Schicksal junger Flüchtlinge. Organisiert wurde das Projekt von der Flüchtlingshilfe „stay“, dem zakk, sowie dem SJD – die Falken in Düsseldorf.

Düsseldorf..  „Ausschlafen konnte ich nie“, berichtet die 22-jährige Ayla. „Früh am Morgen fielen immer die ersten Bomben.“

Ayla ist die jüngste Tochter einer gebildeten und wohlhabenden Familie aus Syrien. Vor den Schrecken des Bürgerkriegs ist die Familie geflohen und wurde dabei auseinander gerissen. Allein und ohne Geld kam Ayla nach Deutschland - und hier folgte für sie eine Irrfahrt, die für sie genau so anstrengend war wie die 4000 Kilometer, die sie zwischen ihrer Heimat in Syrien und Düsseldorf zurückgelegt hatte: Der Kampf mit den deutschen Behörden.

Ihre Erfahrungen hat Ayla festgehalten. Ihr Geschichte steht jetzt, zusammen mit den Berichten anderer jugendlicher Flüchtlinge, in dem Buch „no border“ - keine Grenzen.

Organisiert wurde das Projekt von der Flüchtlingshilfe „stay“, dem zakk, sowie dem SJD – die Falken. Mehr als ein Jahr haben insgesamt zwanzig junge Flüchtlinge ihre Geschichten erzählt und mit der Unterstützung der Schriftstellerin Pamela Granderath druckfähig gemacht.

Außerdem entstand das Musikprojekt „no border band“, hier haben die Flüchtlinge drei Lieder geschrieben und produziert. Das Ergebnis ist am Donnerstag, 8. Januar, um 18 Uhr in einem Konzert im zakk, unter anderem mit den Bands Betrayers of Babylon und Mighty Mammut Movement zu hören.

Aylas Asylantrag ist inzwischen angenommen. Aber im Vorfeld haben die deutschen Behörden sie so manchen Nerv gekostet: „Sie behandeln dich so, als ob du der erste Flüchtling wärst, den sie sehen“, heißt es in ihrem Bericht. Als sie einen von der Ausländerbehörde bezahlten Sprachkurs besuchen wollte, musste sie beim Amt eine Bescheinigung vorlegen, damit die Kosten übernommen werden. Um die Bescheinigung zu erhalten, musste jedoch zuerst der Kurs bezahlt sein. Solche und ähnliche Geschichten sind Ayla regelmäßig passiert, seit sie hier angekommen ist.

Jurastudium im Visier

Dennoch ist sie „dankbar, hier in Sicherheit leben zu dürfen“. Sie hofft, bald ein Jura-Studium aufnehmen zu können.

Das Buch „no border“ soll indes den jungen Flüchtlingen, die oft ohne Familie nach Deutschland kommen, eine Stimme geben. Allein 150 so genannter „unbegleiteter Minderjähriger“ leben in Düsseldorf. Aber Mitgefühl für deren Schicksale zu erregen ist nicht das einzige Ziel: Das Buch will auch informieren. Deswegen sind zwischen die Erfahrungsberichte der Flüchtlinge immer wieder Sachtexte eingestreut. Die Leser sollen sich ein eigenes Bild machen können über den latenten Rassismus in der Gesellschaft, der sich nicht zu letzt durch die Aktionen von Pegida ausdrückt. Auch über Frontex, die Agentur, die die Grenzen Europas organisiert und Flüchtlinge oft ohne Verfahren abschiebt, wird berichtet.

Das Buch ist kostenlos im zakk, im „stay“ und bei den Falken erhältlich. Außerdem wird es am 8. Januar beim Konzert verteilt, auf dem auch die „no border band“ auftritt.

Weitere Informationen hierzu gibt es im Internet auf www..zakk.de.