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Was ist dran am Mythos Marilyn?

13.11.2007 | 20:39 Uhr

FORSCHUNG. An der Uni erscheint das erste Online-Magazin mit verständlichen, spannenden, wissenschaftlichen Artikeln.

Was haben Marilyn Monroe und Che Guevara gemeinsam? Oder Albert Einstein und Elvis Presley? Alle sind lange tot, alle sind sie unvergessen. Legenden, Ikonen, Kultfiguren. Jeder ein Mythos. Aber was ist das eigentlich? Peter Tepe, Professor für Neuere Germanistik, Philosophie und Medienwissenschaften an der Heine-Universität, hat 69 Bedeutungen für dieses Wort gefunden, dass uns allen so leicht über die Lippen kommt. Ein Wort, das die Werbung liebt ("der Mythos Coca Cola") und die Hochglanzmagazine sowieso ("der Mythos Diana"). Solche Vielfalt ist eine Herausforderung an die Wissenschaft. Und deshalb wurde soeben ein neuer Mythos ganz anderer Art geboren: das Online-Magazin "Mythos", das den Helden unseres Alltags auf die Spur kommt - dabei wissenschaftlich exakt ist und gleichzeitig spannendes Lesevergnügen bietet. Harry Potter kommt demnächst auch darin vor. . .

"Meist ist das überflüssig"

Zu Zeiten Aristoteles war ein Mythos schlicht die Nachahmung einer Handlung. "Heute versteht unter einem Mythos jeder was anderes", meint Peter Tepe. Für denen einen mag das die "Route 66", Amerikas berühmteste Straße sein, verbunden mit dem Traum, einmal mit einer Harley Davidson dort unterwegs zu sein. Der andere verehrt James Dean, der in jungen Jahren starb, aber mit seinem Rebellen-Image mehrere Generationen prägte. "Sehr häufig wird das Wort gebraucht, um einen Irrtum zu entlarven, eine falsche Behauptung, wenn zum Beispiel vom 'Fitness-Mythos' die Rede ist."

Mehrere Bücher hat der Professor zum Thema geschrieben, und die Erkenntnisse daraus vermittelt er auch seinen Studenten immer wieder. Vor allem diese: "Das Wort wird fahrlässig und inflationär gebraucht. Meist ist es überflüssig." Aber er weiß auch: "Wenn eine Zeitschrift vom "Mythos Callas" schreibt, dann lässt sich das eben gut verkaufen."

Von Studenten für Studenten

Das neue Online-Magazin "Mythos" geht mit der Legenden-Flut kritisch um. Fast alle 40 Artikel, die zurzeit abrufbar sind, wurden von Studenten als Examens- und Seminararbeiten verfasst, "alle in hervorragender Qualität," wie Peter Tepe versichert. Darin wird (demnächst) die Rolle der Hauselfen in Harry Potter ("magische Helfer oder hilfebedürftige Opfer?") ebenso beleuchtet wie die Figur von James Bond ("Ein Schema und seine Variationen"), da wird das Leben der brasilianischen Fußballer-Legende Pele? ebenso analysiert, wie das des umstrittenen Politikers Berlusconi (schon ein Mythos?). Und wie ist das bitteschön mit dem Jugendwahn unserer Tage? Auch ein Fall für die Forschung am Beispiel der Jägermeister-Werbung.

Für die Studierenden sieht Tepe mehrere Vorteile: "Sie haben die Möglichkeit einer frühen Veröffentlichung, sonst erfährt doch meist kein Mensch von ihren Arbeiten." Außerdem werden alle Texte in der Gruppe besprochen, da lernt man, Kritik zu üben und einzustecken. Nur eins fehlt dem Projekt noch: eine finanzielle Basis. Bisher wird das Magazin von drei Promotionsstudenten betreut. Ehrenamtlich. Tepe: "Ich kenne an deutschen Unis bisher kein vergleichbares Projekt."

"Mythos" ist im Internet zu erreichen unter: www.mythos-magazin.de. Alle Artikel (die nächsten 40 sollen bald folgen) können als kostenlose pdf-Datei heruntergeladen werden.

UTE RASCH

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