Was das Herz begehrt
03.10.2008 | 14:43 Uhr 2008-10-03T14:43:00+0200Chemie in Genussmitteln, Fleischskandal, wässeriger Geschmack von überzüchteten Tomaten aus Treibhäusern der Lebensmittelindustrie - all das sind Gründe, die Menschen immer häufiger, immer zahlreicher auf Bauernmärkte treiben.
Gerade jene, die bewusst inmitten der Großstadt urbanes Leben auskosten wollen, suchen gesunde, geschmackvolle und wenig belastete Produkte beim Bauern oder auf Regionalmärkten wie am Friedensplätzchen. Aber, so die Frage vor dem morgigen Erntedankfest: Kann sich der Großstädter von Produkten aus gerade dieser Stadt ernähren? Die machte den Test. Und gleich vorne weg: Man kann - und zwar gut.Eier zum Frühstück beispielsweise. Aber Einzelarrest fürs Federvieh? Fehlanzeige: „Unsere Eier sind tagesfrisch, direkt aus dem Stall von glücklichen Hühnern mit Familienanschluss”, sagt Seniorchef Albert Huber vom Hubbelrather Gut Aue (Illbeckweg 3). Der Betrieb war 2001 einer der ersten in Deutschland, die statt der konventionellen Käfig- die von der EU geforderte Kleingruppenhaltung einführte. Außerdem verkaufen die Hubers auch Kartoffeln von ihren Feldern. Zurzeit gibts „Annabel” im Hofladen, fünf Kilo 4,50 Euro, in drei Wochen wird die klangvolle Knolle abgelöst von Schwester „Linda”. Die gedeiht mit wenig Dünger ganz prächtig auf den schweren Lehmböden Hubbelraths.Milch direkt von der Kuh gibt es auf dem Hof von Heike und Karl-Peter Bergmeister in Himmelgeist (Nikolausstraße 32): „Zu uns kommen viele Kinder und ihre Eltern aus der Gegend, denn manche vertragen keine industrielle Milch, manche machen daraus selbst Quark”, resümiert Heike Bergmeister. Der Liter Rohmilch - Kanne mitbringen! - kostet 60 Cent. Wer wissen will, in welchem Stall die Kuh lebt, wann das Huhn sein Ei gelegt hat, der kann auch einen Spaziergang im Rötthäuser Bachtal mit dem Einkauf im „Trotzhof” der Familie Roßkothen (Rotthäuser Weg 104) verbinden: Auch hier leben die Hühner in Bodenhaltung, in einem vor sechs Monaten gebauten modernen Stall, erzählt Juniorchef Matthias Roßkothen, 29-jähriger Diplom Agrar-Ingenieur.Die Eier kosten zwischen 11 Cent (Größe S) bis 19 Cent (Größe XL). Aber Margarethe Roßkothen (60), die seit 21 Jahren mit ihrer Familie den Bauernladen im Hof betreibt, verkauft auch Kartoffeln (festkochend oder mehlig, 2,5 Kilo zu 2,60 Euro). Dazu gehört Gemüse: der Jahreszeit entsprechend etwa Blumenkohl (1,70 Euro), Wirsing, Rotkohl (Kilo: 1 Euro), oder Porree (80 Cent). „Unsere Kunden kommen aus Gerresheim und den umliegenden Stadtteilen”, sagt Juiorchef Roßkothen, „aber wir haben auch Stammkunden aus Oberkassel.” Die Roßkothens bauen zwar auch Weizen an, aber ihr Brot kommt von einem Bäcker aus der Region. Nun Fleisch als Hauptgericht - ist Geflügel recht? „Vor Weihnachten gibt es bei uns natürlich Gänse und auch Hühner aus dem eigenen Stall” betont Roßkothen.Oder doch lieber ein Kalbsfilet für 23 Euro das Kilo? Das ist bei Johannes Keens (23) auf dem Hof Dammer Mühle, (Düsseldorfer Straße 47) in Gerresheim im Angebot. Die kleinen männlichen Kälber, die hier im Stall stehen und die Besucher gerne streicheln, werden im Alter von etwa einem halben Jahr geschlachtet. „Unsere Kunden wissen, woher ihr Fleisch kommt, sehen, wie die Tiere aufwachsen”, meint Keens. Fleisch und Wurst gehen im Hofladen über die Theke. Ebenso wie Eier (Größe S: 11 Cent). Und frische Milch. Die stammt von 50 Kühen. Sie leben auf 30 Hektar Grün inklusive Düsseldorfs einzigem Kuhtunnel unter den Gleisen der S-Bahn. Zwischen halb sieben morgens und abends können Kunden Milch für 60 Cent pro Liter kaufen. „Zum Melken kommen die Kühe übrigens wie automatisch alleine in den Stall”, erklärt Keens. Zum Nachtisch Obst, wie Äpfel und Trauben? Trauben? Aus Düsseldorf? Aber ja! Im „Apfelparadies” in Wittlaer (Duisburger Landstraße 333) bietet Jung-Chef Bernd Schumacher (27) neben Berlepsch und Santana 34 Sorten Äpfel an - und: „Seit 2003 ernten wir auch vier Traubensorten, die hier sehr gut wachsen.” Die grünen und roten Trauben kosten 2,90 Euro pro Kilo. Dazu liegen auch hier, für die Kunden aus dem Stadtnorden, Gemüse und Käse von Bauern aus der Umgebung im Regal.Und nun zum Abschluss einen Digestif? Auch der wird innerhalb der Stadtgrenzen gewonnen: „Unser Birnenbrand ist zwar zurzeit ausverkauft, aber es gibt noch den Apfelbrand, die Halbliter-Flasche für 14,50 Euro”, lockt Elke Löpke, Chefin in der Biologischen Station Haus Bürgel, in die Urdenbacher Kämpe. Na dann: zum Wohle!
0mitdiskutieren