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Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen

18.12.2012 | 14:58 Uhr
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Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
Das "Schämt euch"-Transparent über dem Block 42 galt den Fortuna-Funktionären. Die aktive Fanszene von Fortuna Düsseldorf will ihre Mannschaft auch im DFB-Pokal am Dienstagabend nicht anfeuern. Foto: Stefan Arend Foto: WAZ

Düsseldorf/Offenbach.  Als etwa 1500 Anhänger der Fortuna-Fanszene am Samstag nach 12 Spielminuten die Arena verließen, warfen einige Zuschauer sogar Becher auf sie. Am Montag beschlossen 25 Gruppen, den Stimmungsboykott auch heute Abend beim Pokalspiel in Offenbach fortzusetzen. Ihre Beweggründe und ihre Reaktion auf die Pfiffe vom Samstag.

Die aktive Fanszene von Fortuna Düsseldorf will ihren Stimmungsboykott fortsetzen und die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf auch im Pokalspiel am Dienstagabend in Offenbach nicht wie gewohnt unterstützen: Die sonst so Fanatischen werden 90 Minuten lang keine Fangesänge anstimmen, Fahnen, Banner und Doppelhalter zu Hause lassen. Das haben Vertreter zahlreicher Fangruppen am Montagabend im Haus der Jugend beschlossen.

4500 Fortuna-Fans werden heute Abend am Bieberer Berg erwartet . Ein Großteil von ihnen wird das Spiel schweigend verfolgen. Damit will das bunte Bündnis, dem neben den Ultras Düsseldorf zum Beispiel die Rapper von Der Neue Westen und auch der Dachverband Supporters Club Düsseldorf (SCD) angehören (alle Gruppen: siehe unten), den Protest gegen das verabschiedete DFL-Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" und gegen den Fortuna-Vorstand fortsetzen.

Warum die Szene von den Fortuna-Funktionären enttäuscht ist 

Was diese Fans so enttäuscht: Viele von ihnen haben sich vor dem DFL-Gipfel in Frankfurt an Arbeitsgruppen ihres Vereins beteiligt, sahen sich im Konsens mit der Vereinsspitze. Denn gegen viele der vorige Woche verabschiedeten Punkte haben sie ebenfalls nichts einzuwenden. Vor allem durch zwei der von den Bundesligavereinen beschlossenen Maßnahmen sehen sie jedoch ihre Fankultur gefährdet: In Zukunft können gastgebende Bundesligavereine selbst entscheiden, ob sie eine Partie als "Risikospiel" einstufen und so das Kartenkontingent für Gästefans reduzieren (Antrag 14). Das würde die "Auswärtsfahrer" – vor allem viele Mitglieder der aktiven Fanszene – treffen. Zudem fühlen sie sich durch die verschärften Eingangskontrollen schikaniert (Antrag 8), fürchten etwa, sich bei "Vollkontrollen" bis auf die Unterwäsche ausziehen zu müssen und der Willkür von Sicherheitsdiensten ausgeliefert zu sein .

Besonders enttäuscht ist die Szene von den Entscheidungsträgern ihres Vereins, die trotz aller Diskussionen allen 16 Anträgen des Konzeptes zustimmten. "Sie hätten ja auch einzelne Punkte ablehnen können", erklärt einer der Boykott-Beteiligten, "oder sich einfach enthalten können. Das wäre uns gegenüber ehrlicher gewesen." In der Stellungnahme der Stimmungsverweigerer liest sich das so: "Für uns ist dieser weitere Boykott die einzig logische und vor allem ehrliche Konsequenz aus den Protesten rund um die 12:12-Kampagne und dem auch von unserem Verein – teilweise entgegen den Ergebnissen der Arbeitsgruppe - beschlossenen DFL-Papier. Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Umgang mit Fans, denen weiterhin ein ehrlicher Dialog auf allen Ebenen verwehrt wird."

Zuschauer warfen Bierbecher auf die "Fans, die ihr ihr nicht wollt"

Fortuna-Funktionären wie Finanzchef Paul Jäger und Präsident Peter Frymuths galt entsprechend auch das Transparent, das während des Heimspiels gegen Hannover vorigen Samstag über dem Block 42 wehte: "Schämt euch". Nach 12 Spielminuten und 12 Sekunden hatten etwa 1500 Fans ihre Stehplätze darunter verlassen, einige wenige auch die Südtribüne und ihre Sitzplätze im Oberrang. Die Reaktionen der großen Mehrheit im Stadion, so berichten Beteiligte, hätten viele Fans der aktive Szene bitter enttäuscht: Als Ultras und Gleichgesinnte zum Abschied "Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt" skandierten, flogen in einem gellenden Pfeifkonzert sogar Bierbecher auf die Demonstranten. Zehntausende sangen später demonstrativ laut all jene Gesänge, die einst Düsseldorfer Ultras erfunden beziehungsweise eingeführt hatten: "Wir wollten nur friedlich demonstrieren, aber im Stadion waren alle gegen uns." Ein Grund dafür: Viele der neutralen Zuschauer im Stadion kannten die Hintergründe der Aktion gar nicht – auch weil die Szene diese nicht offensiv kommuniziert hatte. Es bleibt der bittere Eindruck einer gespalteten Anhängerschaft.

Bundesliga
Fußball-Fans fürchten Willkür bei Stadion-Kontrollen

Die DFL verabschiedete wie erwartet mit großer Mehrheit ihr Konzept gegen Gewalt in den Stadien. Die Anhängerschaft fürchtet bei Stadion-Kontrollen...

Dass die Protestgruppen um die Ultras der großen Mehrheit den Spaß am Spiel nicht nehmen will, geht aus ihrer Stellungnahme hervor: "Wir überlassen auch weiterhin jedem die Entscheidung, wie er mit der aktuellen Situation umgeht. Ebenso fordern wir aber auch nachdrücklich Respekt für unseren Standpunkt ein." Auch die Mannschaft von Trainer Norbert Meier, berichten Szenekenner, sei über die Hintergründe informiert.

Diese Gruppen beteiligen sich an der Fortsetzung des Stimmungsboykotts

Am Stimmungsboykott in Offenbach beteiligen sich: Ultras Düsseldorf 2000, Ultras Block 42, Supporters Club Düsseldorf 2003 e.V., Block 160, Meerbusch-Bonzen, Angry Youth, Alarmstufe Rot, Squadra Unterrath, Red Fire, Division West, Fortuna Metalheads, fortuna-videos.de, Alte Garde, UmbrellaService Crew, Ongerod, Chaoten, TunÄ, Bushwhackers Düsseldorf, 40 Räuber, Der Neue Westen, Bukkake Crew Düsseldorf, StuhGä, Düsseldorf United, Gerresheimer Löwen, Soul City. (pw)

Kommentare
20.12.2012
01:23
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von wolla | #13

Diese selbstherrlichen und kindischen sogenannten "aktiven Fans" braucht kein Mensch. Die sollen die Mannschaft anfeuern und das Pyro Abbrennen, Böller anzünden, Bierbecher werfen, andere Fans beleidigen etc. erstmal unterlassen, dann werden sie respektiert. Diese eine Prozent der gesamten Anhängerschaft tyrannisiert 99 % der Fans.
Wer sich anständig verhält, braucht auch keine Vollkontrollen zu fürchten. Diese Typen sind für hunderttausende von Euros verantwortlich, die die Fortuna wegen deren Missetaten an Strafen bezahlen musste. Wichtigtuer und Selbstdarsteller, nichts weiter sind das.

19.12.2012
11:59
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von hannaharendt | #12

Ich bin kein Vereinsmitglied bei Fortuna und trotzdem haben wir 2 Dauerkarten für den Stehblockbereich. "Respekt" ist vielleicht das Zauberwort. Ich finde es respektlos vom Verein, seinen Fangruppierungen gegenüber, erst zu kommunizieren und dann anders abzustimmen. Da scheint mit das Transparent "Verräter" schon angebracht. Was mich in meiner 39jährigen Stadionerfahrung aber schon immer nervt, ist und bleibt der Alkohol. Jedes negative Erlebnis hatte bei uns mit stark alkoholisierten Männern und Frauen zu tun. Ich kann weder die Vereine, noch die DFL ernst nehmen, da in der Realität nicht umgesetzt wird, was auf der Eintrittskarte hinten drauf steht. Das nächste Problem sind die unterbezahlten, schlecht qualifizierten Ordner, die oft völlig überfordert sind. Dort täte sowohl eine finanzielles wie ideeles Engagement not. Ich zolle den Fangruppierungen, die sich einmischen und ihre Meinung mit ihrem Protest vertreten meinen Respekt. Weiter so!

18.12.2012
20:14
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von EduardM | #11

Hoffentlich lernen auch die normalen Düsseldorfer Fans schnell sich nicht weiter von den Ultras vor die Karre spannen zu lassen. Die Schalker, Bochumer und Duisburger haben das schnell geschafft.

18.12.2012
18:22
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von DerKewle | #10

#8

An welchem Flughafen hat man dir denn schonmal in den ***** geguckt?
Ich wette die Flugpassagiere würden sich auch beschweren wenn sie sich ausziehen müssten. Sowas passiert an keinem Flughafen der Welt.
Und wenn dir das ewig passiert würde ich tippen du bist weiblich und lässt dich hart verarschen.

1 Antwort
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von ilvericher | #10-1

Gut wäre es, Du würdest Ursache und Wirkung nicht verwechseln - hätten wir keine Pyrokünstler, gäbe es weder Strafen für die Vereine noch Kontrollen jeder Art für Zuschauer. Das Sicherheitspapier sieht übrigens nur dann intensive Kontrollen vor, wenn dafür vorher konkrete Anhaltspunkte gegeben sind. Im Übrigen: Was soll Deine Botschaft sein? Jeder soll soviele Böller mitbringen wie er will - oder - Kontrollen bringen es jedenfalls auch nicht? Bisher ist es doch so, dass bestimmte Kreise sich schlicht über Verbote hinwegsetzen und der Rest wird verarscht und schaut zu. Das dürfte bald vorbei sein.

18.12.2012
18:07
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von exilfortune | #9

#perfe
Da stimme ich Ihnen zu. Ich hoffe, dass bald wieder Ruhe einkehren wird und alle Beteilligten sich auf das Wesentliche (Fussball und Unterstützung ihres Vereins) konzentrieren.

18.12.2012
18:03
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von ilvericher | #8

Man fasst es nicht! Die Ultras (u.a.) fahren nach Offenbach um zu schweigen und lassen ihre Banner zu Hause. Ist ja der Knaller! Haben die gar nichts verstanden? Wer hat denn durch eine Vielzahl von Regelverstößen der Fortuna sechstellige Strafzahlungen durch Abbrennen von Pyros etc. verursacht? Wo ist das Problem mit etwaigen Personenkontrollen? Das passiert an jedem x-beliebigen Flughafen - und keiner sagt was! Wieso ist man "der Willkür von Sicherheitsdiensten" ausgesetzt? Wer keine Pyros und Böller schnuggelt hat doch kein Problem! Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an gewisse Regeln hält, die übrigens auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens selbstverständlich sind. Ich selbst gehe seit 43 Jahren zur Fortuna - auch auswärts einschließlich der Dörfer-Tour und ich lasse mich nicht von diesen selbsternannten Kulturwächtern einlullen. Ich kann aber gar nicht nachvollziehen, dass diese "Fans" ausgerechnet der Mannschaft ihre Unterstützung verweigern - geht´s noch?

18.12.2012
16:47
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von joma1 | #7

Durch Ihren Ideenreichtum, die Gesänge und ihre Aktionen sind unsere Ultras unbestritten und maßgeblich für den Erfolg, die Atmosphäre und somit auch dem Ansehen von Fortuna Düsseldorf mit verantwortlich.
Mittlerweile muss man sich aber fragen, was bei diesen Leuten im Kopf vorgeht.
Man führt sich auf und hält sich für das Maß aller Dinge. Man gibt sich
elitärer als viele der Damen und Herren aus dem Platinum Club.
Diese Kleinkindverhalten schadet nicht nur der Mannschaft und dem Verein, sondern auch dem eigenen guten Ruf, der in den letzten Jahren aufgebaut wurde,
Die Herren Jäger und Frymuth jetzt aufzufordern sich zu schämen zeigt, daß es vielen nicht um den Verein geht. Diese Hirnlosen betreiben Verrat an der eigenen Sache, der Mannschaft und dem Verein. Fans wurden zu Ultras und sind jetzt reine Sebstdarsteller.
Vorwürfe an den Vorstand ?? Wahrscheinlich von den gleichen Amöben, für die der Verein immer zahlen durfte. Schaut Euch an und Schähmt Euch. Back to the Roots

18.12.2012
16:36
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von perfe | #6

Das muss man sich eingestehen.. ich bin bei jedem Heimspiel dabei, ab und zu auch auswärts.. und dennoch würde ich kaum die Motivation aufbringen, nebenher noch mehr für den Verein zu machen.. ich liebe den Verein, leide und freue mich mit ihm, bin stets über fast alles informiert und dennoch bin ich ehrlich, wenn ich sage, dass ich kaum die Zeit aufbringen möchte, mich um Choreos etc. zu kümmern. Ich will & mag nicht auf die Ultras verzichten.. denn bei allem größten Respekt, die meisten Zuschauer oder Fans sind nicht in der Lage, die Stimmung zu kompensieren.. das sollen sie ja auch gar nicht.. doch dieses Getue, dass man nicht stolz auf eine laute Fananhängerschaft wäre, ist doch geheuchelt.. und das verdanken wir wohl der Fortuna.. besonders auswärts! Dass dort auch Idioten vorhanden sein mögen, das ist doch klar.. die findet man aber einfach überall.. dass diese sich aggressiv zu Wort melden und jeden anderen "Eventie" zu eben jenem herabstufen wollen.. das ist was anderes..

18.12.2012
16:30
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von perfe | #5

Ich persönlich bin kein Ultra und auch kein Mitglied in irgendeinem Fanclub.. jedoch kann ich die Aufregung mancher Fans hier gegenüber den Ultras nur bedingt nachvollziehen..Diese Sprüche wie : "Stimung war schon vor den Ultras etc..." klingen für mich genau so trotzig wie das Verhalten der Ultras es sein mag..

Abgesehen davon war es ein stiller, wohl auch scheinbar harter Protest gegenüber 2 Vorstands/Verantwortungsträgern der Fortuna.. die Mannschaft war informiert, Schade ist natürlich, dass die Mannschaft darunter leiden muss...

Klar, die "Arroganz" der Ultras gegenüber normalen Fans in Form von der "Eventie"-Pauschalisierung mag abgehoben sein, jedoch muss man sehen, dass diese Ultras sehr viel mehr Mühen/Kosten/Energie und Leidenschaft in die Mannschaft investieren als es fast jeder andere,und dass man sich daher kommt wohl diese Klassifierzung ihrerseits von "wahren Fans" und "Eventies".. vermutlich würde man mich als DK-Inhaber der Stehtribüne auch als Eventie bezeichnen

18.12.2012
15:54
Warum genau Fortuna-Fans und -Ultras heute auch in Offenbach schweigen
von ralfcausm | #4

nur warum fahren diese Voll.... überhaupt mit? Wie geistig arm diese Menschen sind zeigen sie mehr als deutlich. Warum sollte der DFB/DFL auch nur eine Minute Zeit vergeuden, um mit diesen .. zu reden. Die Ultra(s) (übrigens für die lt. Bezeichnung für JENSEITS) sind wikrlich JENSEITS von Gut und Böse. Gebt eure Dauerkarten ab und lasst die echten Fans, wie Klein-Ida, ins Stadion. Einzig ein Pubertäres Verhalten dieser verwöhnten ....

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