Warum ein Banker sein Geld in den Musiknachwuchs investiert

Hat großen Anteil am Erfolg des Wettbewerbs: Sieghardt Rometsch.
Hat großen Anteil am Erfolg des Wettbewerbs: Sieghardt Rometsch.
Foto: Rometsch
Was wir bereits wissen
Der Düsseldorfer Aeolus-Wettbewerb hat sein Renommé vor allem Sieghardt Rometsch zu verdanken. Der Banker baute den Concours mit eigenen Mitteln auf.

Düsseldorf.. 109 Saxophonisten, 95 Oboisten und 71 Fagottisten haben sich angemeldet. Insgesamt 275 Musiker aus 42 Ländern und vier Kontinenten. Damit verzeichnet der Düsseldorfer Aeolus-Wettbewerb auch in seinem zehnten Jahr erneut einen Rekord. Der Wettstreit unter jungen Blasmusikern, benannt nach dem Gott des Windes, mauserte sich seit 2005 weltweit in Musikzentren und –Hochschulen zur Institution und ist längst Mitglied im erlauchten Weltverband der Musikwettbewerbe. Dass so auch der Name unserer Stadt in die Welt getragen wird, ist vornehmlich einem zu verdanken: Sieghardt Rometsch.

Ein Bankier der alten Schule, der in seiner Jugend als Hornist die Liebe zur klassischen Musik entwickelte und 2004, nach seinem Ausscheiden als persönlich haftender Gesellschafter und Vorstandssprecher bei Trinkaus und Burkhardt, eine Stiftung gründete. Mit dem Ziel, musikalischen Nachwuchs mittels eines Wettbewerbs zu fördern; denn Volkswirt und Marktwirtschaftler Rometsch glaubt an die leistungssteigernde Wirkung von Konkurrenz. Nicht mit Gewinnen des Privat-Bankhauses, dessen Aufsichtsrat er bis Anfang Juni führte, finanziert er „Aeolus“. Sondern mit eigenem Geld. Sicherlich die Ausnahme in Vorstandsetagen, in denen sich namhafte Chefs gerne als Kultur-Gönner feiern lassen, ohne einen Cent aus ihrem Privatvermögen beizusteuern. Rometsch: „Andere kaufen eine Yacht, ich habe meine Stiftung und unterstütze den Nachwuchs der Blech- und Holzbläser.“

Rometsch rührt weltweit die Werbetrommel

Wie es sich für den erfolgreichen und weitgereisten Bankier gehört (er lebt seit 1983 in Düsseldorf), strebte er von Anfang an internationale Wirkung an und gewann den Deutschlandfunk als Partner. Sein Orientierungspunkt: der ARD-Wettbewerb, der in der Branche als Nummer Eins gilt. Neben seinem Aufsichtsrat-Vorsitz der Bank und der Uniklinik reiste er in den vergangenen zehn Jahren rund um den Globus, um erstklassige Juroren zu gewinnen. Er weiß: Nur dann lockt er hochkarätige Teilnehmer nach Düsseldorf, die ein Wettbewerb-Finale in ein Meisterkonzert verwandeln können. Stetiges Klappern gehört zum Handwerk. So zählt bei Klassikfans mittlerweile das Finale in der Tonhalle Mitte September zur festen Größe. Außergewöhnlich ebenfalls: Er pflegt den Kontakt zu den Preisträgern, kümmert sich großzügig um sie. Kein Wunder, dass viele von ihnen kurze Zeit später an ersten Pulten in bedeutenden Orchestern Europas musizieren.

„Aeolus“ ist für den 1938 in Lemberg geborenen Rometsch und seine Frau Gisela zum Fulltime-Job geworden. „Er leitet den Wettbewerb so leidenschaftlich wie früher seine Bank“, lobte mal die NRZ. Wer schafft es schon, wie jetzt wieder für den 10. Aeolus-Concours – im September stehen Fagott, Saxophon und Oboe auf dem Programm – Professoren und Solisten aus München, Wien, Berlin und Paris zu verpflichten? Fünf Tage lang werden die Koryphäen nach Talenten suchen, die am 20. September in der Tonhalle um Preisgelder von insgesamt 30 000 Euro kämpfen.

Rometsch denkt auch an die Zukunft

Dass Rometsch, der im August 77 Jahre alt wird, auch die Zukunft im Blick hat, beweisen drei Dinge: Seine Nachfolge in der Stiftung ist längst geregelt, genauso wie sämtliche Details und Ablauf des Aeolus-Wettbewerbs 2016. 2017 ist in Vorbereitung. Und zum Jubiläum finanzierte er Komposition und Uraufführung eines Trippel-Konzerts (für Trompete, Posauen und Tuba) aus der Feder des Schweiz-Amerikaners Mike Svoboda, das bereits im April in Cottbus uraufgeführt wurde. Wäre schön, wenn dieses Opus mal bei den „Sternzeichen“ der Düsseldorfer Symphoniker erklingen würde. Allein der Auftraggeber hätte es verdient!