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Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll

06.09.2012 | 06:00 Uhr
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Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
Ein 80-jähriger Mann aus Düsseldorf musste nun erleben, dass eine vermeintlich kleine Ordnungswidrigkeit richtig teuer werden kann. Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf.   Weil ein 80-jähriger Sozialhilfeempfänger aus Düsseldorf ein 15-Euro-Knöllchen nicht bezahlte, flattert ihm jetzt eine richtig dicke Rechnung ins Haus. Denn der uneinsichtige Verkehrssünder prügelte sich mit einem Polizisten - oder mit einem Bären. Der Mann weiß es offenbar selbst nicht so genau.

Ein Knöllchen von 15 Euro konnte oder wollte er nicht zahlen. Das kommt einen 80-jährigen Sozialhilfeempfänger jetzt teuer zu stehen. Nach erfolgloser Mahnung gab es einen Haftbefehl auf Erzwingungshaft. Und weil er bei der Verhaftung einen Polizisten leicht verletzte, wurde der alte Herr nun auch noch zu 500 Euro Geldstrafe und 100 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

„Ich hab’ ihn nicht verletzt!“, widersprach der Senior, der in Russland geboren ist, den Vorwürfen: „Ich hab’ nichts gemacht. Ich weiß nur, das war kein Mensch, sondern ein Bär.“ Der Polizist habe ihn am 29. Februar vor seiner Wohnung in Lierenfeld einfach auf den Boden geworfen, nichts erklärt: „Ich hab’ nichts gehört und nichts verstanden.“ Auch vor Gericht musste dem alten Herrn, der keinen Anwalt hatte, mancher Satz laut und deutlich wiederholt werden.

Zwei Tage hinter Gittern

Der Beamte (56) widersprach: „Er hat den Haftbefehl durchgelesen. Und dann zerrissen.“ Dabei habe er etwas gesagt wie: Das Gericht könne ihn mal. Und er habe den Polizisten geschubst: „Hinter mir waren fünf Stufen, das hätte auch schlimmere Verletzungen geben können.“ So hatte er eine kleine blutende Schürfwunde an der linken Hand, wegen der er sich impfen und die er verbinden ließ. Und für die er einen Antrag auf Schmerzensgeld stellte. Er hatte dann Kollegen zur Hilfe gerufen, die den 80-Jährigen für zwei Tage hinter Gitter brachten.

Als die Staatsanwältin die Geldstrafe forderte, murmelte der Angeklagte resigniert: „Machen Sie so, wie Sie richtig meinen, und gut.“ Auch die Richterin glaubte dem Polizisten: Sie verurteilte den 80-Jährigen wegen Körperverletzung. „Er hatte keine Verletzung. Alles Lüge!“, schimpfte der erneut, wiederholte: „Das war kein Mensch, das war ein Bär!“ Und erklärte: „Wegen 15 Euro sowas machen, das geht nicht.“

Katharina Rüth

Kommentare
07.09.2012
13:32
Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
von joergel | #5

Wegen einer 15 Euro Knolle kommt normalerweise niemand in den Knast. Wenn aber sämtliche Widerspruchsfristen und Mahnungen ignoriert werden, hat die Angelegenheit eine andere Qualität.

Hier hat der Betroffene anschließend noch den Haftbefehl zerrissen und den Polizisten angegriffen, der deshalb Verstärkung anfordern mußte.

Da ist er mit 600 Euro noch gut bedient. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kann mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft werden.

Da ist die Geldstrafe offenbar nur deshalb so niedrig ausgefallen, weill die Tagessätze nach dem Sozialhilfesatz berechnet wurden. Normalverdiener hätten deutlich mehr bezahlt...

06.09.2012
17:35
Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
von Partik | #4

Erstens kann man eine Ordnungswidrigkeit auch ohne Auto begehen, zweitens schließen sich Auto und Sozialhilfe nicht grundsätzlich gegenseitig aus ...

06.09.2012
15:23
Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
von Kommentierer | #3

Immer wieder faszinierend wie sich uneinsichtige Leute bei geringfügigen Beträgen verhalten.

Anstatt sich einsichtig zu zeigen, wird die Kelle rausgeholt unter dem motto: denen zeig ich´s.

Nebenbei: Sozialhilfeempfänger und Auto ?!?! Geht das ???

06.09.2012
15:15
Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
von nerdbeere | #2

Wenn ein Polizist einem 80-Jährigen(!!!) nicht Stand halten kann und so schwer verletzt wird, dass er Schmerzensgeld einklagen muss, dann sollte er seine Berufswahl vielleicht doch nochmal überdenken.

06.09.2012
14:23
Warum ein 15-Euro-Knöllchen plötzlich 600 Euro kosten soll
von speedy123 | #1

ab nach russland mit dem opa

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