Das aktuelle Wetter Duesseldorf 8°C
Kongress

Wann ist ein Mann ein Mann?

19.02.2010 | 07:58 Uhr
Wann ist ein Mann ein Mann?

Düsseldorf.Männer sind Bildungsverlierer, sterben eher, fallen ständig aus der Rolle. Ein „Männerkongress“ an der Uni Düsseldorf soll klären, wie dem neuen schwachen Geschlecht zu helfen ist: Wann ist ein Mann ein Mann?

Die Diagnose von Professor Matthias Franz ist so erschreckend wie eindeutig: Frauen sind das starke, die „Männer sind das kranke Geschlecht“. Als Arzt ist Franz es gewohnt, hinter die Symptome zu schauen, als da wären: schlechtere Bildungschancen, mehr Selbstmorde, mehr Unfälle, mehr Herzinfarkte, Identitätsprobleme . . . so sieht’s aus bei der schlechteren Hälfte. Der Patient führt ein kurzes, krankes Leben. Und die Ursache, glaubt Franz, liegt in seiner tiefgreifenden Verunsicherung: Der Mann ist aus der Rolle gefallen. Ständig muss er sich fragen: Wann ist ein Mann ein Mann?

Also hat Franz, der an der Düsseldorfer Uniklinik am Institut für Psychosomatik und Psychotherapie forscht, für diesen Freitag einen zweitägigen „Männerkongress“ einberufen. Die Titel der Vorträge: Der vaterlose Mann. Der kranke Mann. Der verlassene Mann. Der entwertete Mann. Schließlich: Hoffnungen für den neuen Mann? Mit Fragezeichen!

Anteil männlicher Erzieher liegt bei zehn Prozent

Vermeintlich starke Männer gehen kaum zum Arzt, auch wenn sich ihre Krankheiten dadurch verschlimmern können.

Es scheint wirklich schlimm zu stehen. Alte männliche Verhaltensmuster seien „schlicht überflüssig oder sogar schädlich“ geworden, sagt Franz: „Die neuen Männer sollten entspannter sein, einfühlsamer, nicht immer sofort rivalisieren.“ Dieses Leitbild wird spätestens im Kindergarten an den kleinen Mann herangetragen – in erster Linie von Frauen. „Kinder lernen nur über Beziehungen“, sagt Franz. Doch der Anteil männlicher Erzieher und Grundschullehrer liegt bei etwa zehn Prozent. Auch wenn die Männer beruflich die Spitze der Gesellschaft stellen, erzogen werden wir stärker als je zuvor von Frauen. Männliche „Funktionselite“ gegen „Erziehungsmatriarchat“! Beides ist ungesund für die Jungen.

Franz erinnert sich, wie er mal seine Söhne aus dem Kindergarten abgeholt hat. Sie stürmten auf ihn zu, wollten mit ihm Raufen und Fangen spielen. Immer sollten sie nur Igel basteln! Strohsterne!

Es beginnt ja schon vorher: „Für Jungen ist die Kindheit früher zu Ende. Sie werden früher zur Selbstständigkeit aufgefordert als Mädchen, die mit der Mutter eine engere Bindung eingehen“, sagt Franz. Man könnte sagen: Es sind die Mütter, die sich abnabeln. Und es ist immer häufiger kein Vater da, der die Jungen auffinge.

Was geschieht mit den verunsicherten Kindern? „Es gibt zwei Strategien“, sagt Franz: „Sie identifizieren sich mit den weiblichen Erziehungszielen und verinnerlichen dabei ihre Verunsicherung.“ Oder sie reagieren abwehrend mit machohaftem Verhalten, „fürchten dabei aber innerlich um ihre kleine Männlichkeit“. Der Psychoanalytiker spricht von: „Kastrationsängsten!“

Hinweise auf Hyperaktivität

Das wütende Herumwerfen mit Dingen – „Hilferufe!“ Das Ballern am Computermonitor – jagdliche Fähigkeiten, die nie auf ein sinnvolles Ziel gerichtet wurden.

Bestätigt wird das in seiner Praxis: Bei jedem fünften Jungen aus einer Einelternfamilie gibt es Hinweise auf Hyperaktivität. Bei Mädchen ist der Wert deutlich geringer. Weil meistens mit dem Vater eine besonders für Jungen wichtige Bezugsperson fehlt. Und die Forschung weiß: Hyperaktive Kinder sind oft konzentrationsgestört, haben schlechtere Bildungschancen.

Über eislaufende Männer rümpfen so manche Männer die Nase.

Natürlich hat sich auch für Mädchen „die Auswahl an Rollenmustern deutlich vermehrt“, sagt Franz. Aber sie kommen mit der neuen Wahlfreiheit besser klar als die Jungen. Und das liegt an dem Vorzeichen, unter dem die neuen Rollen angeboten werden: Wenn Mädchen sich behaupten, wird das als positiv bewertet. Jungen, die sich auf die Mädchenwelt einlassen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen: Du bist doch ein Mädchen! Die Gesellschaft fordert die Veränderung der Männer, und sie wirft sie ihnen vor.

Demographische Langzeitkonsequenz: weniger Kinder

Das ist schon etwas paradox. Aber es lässt sich steigern: Um die „weibliche Erziehungsübermacht“ auszugleichen, bräuchte es neue Väter und gut ausgebildete Männer in KiTas und Grundschulen. Aber die treten ja nicht von alleine auf den Plan, sondern nur wenn mehr Männer als bisher ihre neue Rolle akzeptieren – ein Teufelskreislauf.

Eine Generation verunsicherter, zurückbleibender Männer – das kann auch nicht im Interesse der Frauen sein. Denn moderne Frauen suchen moderne Männer, und die sind schon heute Mangelware. Die demographische Langzeitkonsequenz könnte lauten: Immer weniger Kinder!

Nun kann man das alles gründlich missverstehen. In der Tat hagelte es Kritik an dem Kongress. Aber das Klagen über brüchige Männerbilder ist nur die zugespitzte Seite. Tatsächlich fände Matthias Franz es ja sehr positiv, wenn in den Chefetagen ebenso viele Frauen wie Männer säßen. Und Franz sähe es gerne, wenn mehr als die aktuellen 18 Prozent der Männer Elternzeit nehmen würden.

Zusammen unschlagbar

Deswegen greift der Kongress das einsetzende Umdenken auf: Wie können Männer lernen, besser mit sich umzugehen? Wie können sie weibliche Muster besser akzeptieren lernen? Und weil er weiß, dass seine Thesen „trotz objektiver Grundlage“ polarisieren, sagt Franz zum Schluss sogar: „Nur zusammen sind Mann und Frau unschlagbar.“

Über 300 Anmeldungen hat der Kongress bislang – und ein bisschen aufgeatmet hat Franz, dass sich in der Mehrzahl Männer angekündigt haben. Das ist nicht selbstverständlich, denn in seinem Fach, der Psychotherapie und Psychosomatik, dominieren – natürlich – die Frauen. Immerhin aber hat die Brigitte sich angekündigt. Die Zeitschrift.

Thomas Mader

Facebook
 
Kommentare
19.02.2010
20:45
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Die Anwaeldin | #22

Zwischenmeldungen ... (Für 2009 Geburten -5%....):
War bisher schon der Markt mit vaterlosen Jungs nicht nur ein Milliardengeschäft (Matrix, Lion King, Star Wars, Nemo, Over the Top, ,,,) so bildet ausgerechnet die Wahl der Sprechstimme von Mufasa und Darth Vader vor wenigen zur vertrauenswürdigsten Berühmtheit das Sahnehäubschen der Diskussion.
Wie sehr der Rechtsstaat in der Geschlechterfrage inzwischen vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist, zeigt die mancherorts massive Polizeipräsenz beim Sektempfang zur Heiligung der Nonsens-Kino-Präsentation der ANGEBLICHEN Doku Shortcut to justice (über ein ach so couragiertes Frauengr+ppchen in Indien), die Öffentlichkeit gierend Familienstreitigkeiten vor ein Kamerateam zerrt, anderseits die Deppenrolle eines Douglas Weinsperger im Prozess um 4 sec. seines Films Der entsorgte Vater in Deutschland oder die mediale wie rechtliche (z.B. 10 Std. Verhör) Ungleichbehandlung eines Goran Munizaba in der Auseinandersetzung mit seiner zukünftigen Ex-Frau Sarah Kern....
Gelegentlich dürfte dabei bereits ein kurzer Blick ins GG die Rechtsfindung erleichtern. Es verwundert eher wieso hier eigentlich nicht noch mehr Männer den Weg des Suizides, allein oder erweitert, wegen der vollkommenen Entrechtung such(t)en. Siehe auch FOCUS Nr. 41 /2009 Der entrechtete Mann ....
Die Gewaltexzesse (inzwischen auch gegen die Vertreter von VATER Staat=Polizei) über die sich z.B. der rheinland-pfälzische Justizministers noch letzte Woche verwundert die Augen rieb, sind durch die vaterlose Gesellschaft ebenfalls mühelos zu erklären.
Es wird Zeit, sich die eigentlichen Ursachen für die weiterlaufende Fehlentwicklung endlich vor Augen zu führen.
http://rechtsanwaeldin.blogspot.com/2010/02/mufasa-darth-vader-marlin-der-vermisste.html

19.02.2010
13:56
Wann ist ein Mann ein Mann?
von peter111 | #21

Also, ich fühle mich nicht sonderlich benachteiligt, muß allerdings auch zugeben, daß mir bislang noch keine Frau über den Weg gelaufen ist, die mir ihre Fähigkeiten bewiesen hat. Zudem verlieren Frauen, dir mir ständig beweisen wollen, wie toll sie sind und eigentlich die besseren Männer sind, den Reiz. Ausserdem gibt es bei den vielen Vorteilen, die Frauen in unserer Gesellschaft geniessen, keine Gleichheit, da wird dann gerne das Weibliche betont. Dieser Kongress ist gut, damit unsere Jungen nicht ganz vor die Hunde gehen.

19.02.2010
12:14
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Widerrede | #20

@ 16

Meine beiden Söhne, meine Tochter und ich, genauso wie mein Freund setzen in unserer Welt selbstbewußt unsere Zeichen und bewegen sogar was und andere ohne andere zu überrollen. Es geht darum andere gleichwertig neben sich gelten zu lassen aber auch klare Kante zu setzen wenn es um die eigenen Belange geht.
Demokratie auch im normalen Leben.

19.02.2010
11:17
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Chur | #19

Ein interessanter, nett geschriebener Bericht der zwar mit diversen Klischees spielt, im Grunde aber recht viel Wahrheit enthält.
@1
So Punktegenau formuliert hab ich selten gelesen, was auch ich denke. Mir scheint es eher so, das Frauen sich gezielt die falschen Männer aussuchen. Wenn freundinnen und weibl. bekannte ihren neuen vorstellen, und sie nicht wissen ob sie lachen oder weinen sollen, und ein halbes jahr später hören müssen, was ihnen ohnehin klar war, dann muß Mann es ihnen beinahe gönnen.

19.02.2010
10:59
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Jean Berg | #18

#15
Der Naujocks war mir schon immer symphatisch..
Danke für den Hinweis

19.02.2010
10:54
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Max | #17

Wann ist ein Frau ein Frau?

...Männer sind Bildungsverlierer, deswegen gibt es mehr Männer in Führungspositionen? Sterben eher... tolles Argument, da bin ich sprachlos. Fallen ständig aus der Rolle, Aus der Rolle fallen kann was sehr positives sein;)

19.02.2010
10:53
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Jean Berg | #16

@14
Sie sollten sich den Kommentar #1 mal genau durchlesen, dort spiegelt sich punktgenau die Situation wider die Männer im Moment durch diese ganze angestossene Gleichberechtigungs-
Debatten befinden.

Zu ihrem Sohn, Er muss nicht pöbeln und saufen,
sondern einfach nur ein Mann sein und Signale setzen, doch das fällt heutzutage immer schwerer dank solcher Kommentare.

mit freundlichstem Grusss

19.02.2010
10:45
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Volker Putt | #15

http://info.**************/news/gender-im-ndr-tatort-erster-prominenter-schauspieler-schmeisst-weichei-rolle-hin.html

19.02.2010
10:34
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Widerrede | #14

Auch ein Kerl kann sich beim pinkeln hinsetzen und muß nicht alles nur um sich beweisen alles mit Urin vollspritzen, deswegen ist ernoch lange kein Weichei oder Warmduscher.
Mein Freund ist Sitzpinkler weil er es selber eklig findet, überzeugter Warmduscher und aber überhaupt kein Weichei. Wattn nu, is er jezz kein Mann mehr????
Ich finde für mich reicht es. Er muß ja nicht als Testosteronbombe mit Brusttoupet, mit dem Griff ins Gemächt, saufend und pöbelnd durch die Gegend laufen um als Mann zu gelten. Es kommt darauf an wie er sich selbst sieht, er sieht sich nicht als Verlierer weder im Zusammenleben mit mir noch im Berufsleben und das ohne immer ein Macho- bzw. Herrengehabe rauszuholen.
Ein gleichberechtigtes und partnerschaftliches Verhalten kann doch gar nicht unmännlich sein, oder sehe ich da etwas verkehrt?

Mein 20 jähriger Sohn der den Artikel und die Kommentare gelesen hat, meinte nur welch Zeitverschwendung und ob er jetzt rumpöbeln müsste um als männlich zu gelten, denn auch er war im Kindergarten.

19.02.2010
09:49
Wann ist ein Mann ein Mann?
von Jean Berg | #13

@12 nixxiss
Sie scheinen eine dieser Alice Schwarzer Verkörperungen zu sein. Diese ganze Gleichberechtigung´s-Hype hat den Männern nur geschadet. Schauen Sie sich doch um. Was wir haben sind Weicheier, Sitzpinkler, Warmduscher oder sie flüchten sich an´s andere Ufer.
Laufen sie mal durch Köln!!

By the way ... was mir allerdings positiv an Ihnen auffällt ... das Sie das Kamsutram kennen .. .-)

mit freundlichstem Grusse

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3422124/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Nichtschwimmer stirbt nach Badeunfall
Unglück
Tödlicher Leichtsinn: Das Abtauchen ins kühle Nass an einem sommerlich-warmen Abend kostete einem 36-Jährigen das Leben. Obwohl der Leiharbeiter aus Polen Nichtschwimmer war, sprang er am Sonntag gegen 19.20 Uhr in den Elbsee. Dabei hatte der Mann offensichtlich unterschätzt, dass es hier schon am...
Hohe Waldbrandgefahr in Düsseldorf
Feuerwehr
Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann ausreichen, um einen verheerenden Waldbrand auszulösen. Die Stadt Düsseldorf mahnt deshalb besonders jetzt zum vorsichtigen Umgang mit Feuer im Freien. Bei Verstößen gegen Verbote drohen hohe Strafen.
Text