„Walraff-Caterer“ beliefert 70 Düsseldorfer Häuser

Man nehme die Vorwürfe sehr ernst, die diese Woche in einer Fernsehsendung gegen mehrere Kita- und Schul-Caterer erhoben wurde, sagt Diakonie-Pfarrer Thorsten Nolting. Seit einigen Jahren schon arbeite die Diakonie mit der Wuppertaler Firma Vitesca zusammen, Klagen habe es in keiner der durch die Diakonie versorgten Einrichtungen gegeben. „Trotzdem werden wir uns das sehr genau anschauen“, sagt Nolting. Der Betreiber der Großküche sei für nächste Woche einbestellt. „Wenn er uns nicht überzeugt, werden wir den Vertrag kündigen.“

Eltern der Düsseldorfer Kita-Kinder hatten in der RTL-Sendung „Undercover Reporter“, in der unter anderem die Verarbeitung von Lebensmitteln mit augenscheinlich überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum dokumentiert wurde, das Unternehmen erkannt und sich besorgt an die Diakonie gewandt. Nolting hat Verständnis für ihre Ängste. Allerdings kritisiert der Diakonie-Pfarrer auch die Enthüllungsreporter: „Wenn deren Vorwürfe stimmen, ist es unerhört. dass sie nicht sofort darauf aufmerksam gemacht, sondern den Sendetermin abgewartet haben.“ Laut Vitesca hatten die Reporter im Herbst in der Wuppertaler Küche verdeckt recherchiert.

Volker Syring, Schulleiter am Humboldt-Gymnasium, das als eine von drei Düsseldorfer Schulen von Vitesca beliefert wird, hat von sich aus die Eltern über die Vorwürfe informiert, die nun vom Kooperationspartner der Schule geprüft würden. Beschwerden über das Essen hat aber auch Syring bisher nicht gehört, und auch er selbst fand das Essen bisher in Ordnung. „Sollte an den Vorwürfen etwas dran sein, wäre es gegenüber den Kindern in der Tat verachtenswert“, so der Schulleiter.

Fast nichts, heißt es unterdessen in Wuppertal. Der Caterer hat große Teile seines Internetauftritts umgestaltet, um offensiv den Wallraff-Enthüllungen entgegenzutreten. „Saubere Fakten gegen schmutzige Vorwürfe“ heißt es da. Im Video, das Ausschnitte aus dem Wallraff-Beitrag zeigt, versichert Vitesca-Chef Jan Reimann, der selbst Familienvater ist: „Wir essen unser Essen auch selbst – täglich.“ Mindesthaltbarkeiten würden bei Vitesca durch sofortiges Einfrieren von Frischware deutlich über das aufgedruckte Hinaus verlängert. „Das weiß eigentlich jede Hausfrau.“ Und das beim Einkauf großer Mengen Gurken auch mal verdorbene darunter sein könnten, sei ebenfalls normal. Nur würden sie nicht verwendet. Nur in einem einzigen Fall räumt Vitesca einen Fehler ein: Eine „kleinere Menge bereits gefrorenes Fleisch“ sei „mit einem bereits angepassten MHD“ irrtümlich wie frische Ware behandelt worden. „Das war ein Fehler“, heißt es.

Stadtsprecher Michael Bergmann bestätigte gestern, dass unter den rund 70 von Vitesca belieferten Düsseldorfer Einrichtungen auch eine städtische sei, die als Träger der Mittagsbetreuung in einer Schule fungiere. Auch dort habe es bisher keinerlei Beanstandungen gegeben.