Das aktuelle Wetter Düsseldorf 11°C
Jahresrückblick

Von Orkanen und kleineren Wirbelstürmen

30.12.2007 | 18:03 Uhr
Funktionen
Von Orkanen und kleineren Wirbelstürmen

Erst blies Kyrill durch Düsseldorf - dann brannte das Dach von St. Peter. Das war 2007...

In Sachen Wirbel lassen Orkane sich ungern in ihrem Handwerk übertreffen. Und dass der wütende "Kyrill" auch in Düsseldorf am 17. Januar 2007 mit der Axt im Walde über 800 Bäume abräumte, soll nicht vergessen sein.

Doch noch mehr Wirbel entfacht im abgelaufenen Jahr ein junger Schweißer, der am 20. Juni um kurz nach zwei bei Arbeiten mit einem Brenner im Dachstuhl der St. Peter Kirche am Kirchplatz aus Versehen den gewaltigsten Brand des Jahres ausgelöst haben soll: Drei Stunden kämpft die Feuerwehr gegen die Flammen. Als sich der Rauch verzieht, zieht sie Bilanz: mindestens fünf Millionen Euro Schaden, die Kirche muss ausgeräumt werden, zwei Jahre sind für ihre Sanierung angesetzt.

Neubauten und Abrisse wirbeln diese Stadt ohnehin durcheinander wie selten zuvor. Ob Breidenbacher Hof oder Heinemannhaus, ob Büro-Projekte hinter dem Schauspielhaus oder an der Kasernenstraße: Düsseldorfs City bekommt einen Vorgeschmack auf das Buddel-Inferno für die 550 Millionen Euro teure Wehrhahnlinie, deren erster Spatenstich am 28. November letzte Zweifel an ihrer Realisierung beseitigt hat.

Die gibt's nach der Grundsteinlegung am 13. April auch nicht mehr an der Entstehung des überdimensionierten Einkaufzentrums "Arcaden" am Bilker Bahnhof, dessen Kampfansage an den Einzelhandel mit Wohnungsbau und einem Grundstücksrest für ein Schwimmbad verbrämt wird, das die Stadt selbst bezahlen muss. Mit dem Grundstein, der am 22. Oktober in Oberbilk gelegt wird, verbindet sich indes Hoffnung: Vom Umzug der Gerichte aus der Altstadt 2009 will der Stadtteil profitieren.

Ganz so lange soll Schloss Eller nicht mehr warten müssen. Zwar steigt die Provinzial nach jahrelangem Hickhack als Investor Ende Januar aus. Aber die Stadt verspricht im November: Findet sich kein seriöses Konzept für die Nutzung, dann will sie nächstes Jahr selbst sanieren. Brav.

Selbst auf Monkey's Island droht der Doppelklotz an der Spitze der Speditionstraße nun Wirklichkeit zu werden. Am 4. Mai präsentiert der Investor die Hyatt-Gruppe als Hotelnutzer. Im Januar soll's den ersten Spatenstich an der Spitze der Speditionstraße geben. Klappe zu - Affe tot. Apropos Hotel: Das größte in Nordrhein-Westfalen öffnet am 1. Dezember seine Türen - das Maritim in der Airport City am Flughafen protzt mit 533 Zimmern und Kongresszentrum. 

Düsseldorfer gucken der Bauwut keineswegs immer begeistert zu: Als die Victoria einen Erweiterungsbau vorstellt, den sie vor dem Golzheimer Friedhof platzieren will, ballt sich der Protest zum Bürgerbegehren. Und obwohl OB Joachim Erwin mit Hilfe der FDP herumtrickst, pfeifen ihn die Richter zurück: Nun gibt's einen Bürgerentscheid.

Darauf steuert die Stadt auch bei Erwins Lieblingsprojekt "Kö-Bogen" zu. Zwar drücken CDU und FDP das 221 Millionen Euro teure Tunnel-Bauvorhaben unter dem Jan-Wellem-Platz entlang des Hofgartens am 13. Dezember inklusive Abriss des Tausendfüßlers durch. Doch der Verkauf des Grundstücks ist blockiert. Der OB stellt im Mai die Trinkaus-Bank als Nutzer für zwei geplante Bauten vor und ein Fassadenwettbewerb, an dem sich Kö-Bogen-Erfinder Christoph Ingenhoven schon nicht mehr beteiligt, täuscht so etwas wie Auswahl vor. Aber dann zwingen die Richter die Stadt zur europaweiten Ausschreibung. Und eine Bürgerinitiative kämpft für mehr Auswahl in der Gestaltung der Oberfläche. Entscheidung: im Mai.

Nicht immer kommt's so dick: Der Widerstand gegen ein nach Meinung von Anwohnern zu wuchtiges Mövenpick-Hotel an der Inselstraße reicht erstmal nur bis zu einem Baustopp, der im Dezember wieder aufgehoben wird.

Unter dem leidet auch lange Zeit der Wunsch nach einem Bürgersaal in der Altstadt. Denn am 11. März stoßen die Bauarbeiter hinter der Kunstsammlung auf Stadtmauerreste aus dem 14. Jahrhundert. Ein peinliches Hin und Her zwischen der städtischen Tochter IDR als Bauherrin und der Bezirksregierung füttert einmal mehr all jene mit Argumenten, die Düsseldorf ein lasches Verhältnis zu seiner Historie nachsagen. Dass die Mauer beim Bergen Ende Oktober in Teile zerfällt, passt ins Bild.

Welch Trost, dass die Brauerei Schlösser sich kurz darauf als Pächter für den Saal andient. Den Hauptnutzer, die Jonges, wird's freuen. Der Männerbund feiert 2007 seinen 75. Geburtstag. Und Baas Gerd Welchering verrät im Interview mit einer NRZ-Redakteurin, warum Frauen dort weiterhin unerwünscht sind: "Dann entstünde Balzgehabe." Ach so.

Wer der Stadt bei ihren Bauvorhaben 2007 eine schwarze Serie attestiert, übertreibt keineswegs. Dabei ist die Hiobsbotschaft am 6. März, dass die Oper nach ihrer mittlerweile 30 Millionen Euro teuren Sanierung erst im August und nicht schon im April eröffnet werden kann, weil's Krach mit einer Baufirma gibt, noch vergleichsweise harmlos.

Schwerer wiegt das Vertrags- und Finanzchaos rund um die Bau- und Sanierungsprojekte Alte Paketpost und die Reisholzer Sporthalle mit dem unwiderstehlichen Namen Burg-Wächter-Castello. Die Rechnungsprüfer fällen ein vernichtendes Gesamturteil, ein Amtsleiter übersteht den Mix aus Schlamperei und Fahrlässigkeit nicht, der die Stadt Abermillionen kostet, der Kämmerer duckt sich so tief er kann und bleibt im Amt. Die Politik fühlt sich von der Verwaltungsspitze einmal mehr hintergangen. Aber die kann ganz gut damit leben.

Ohnehin ist deren exponiertester Vertreter trotz seiner schweren Krebserkrankung, die ihn zeichnet, bester Dinge. Und keineswegs nur, weil die städtischen Kliniken am 18. April relativ geräuschlos privatisiert werden oder Filmdiva Sophia Loren ihm beim Besuch im Rathaus vor der Bambi-Verleihung am 29. November ein Küsschen gewährt. Dass der Rhein anschließend nicht erröten will, obwohl die Stadt sich den Beleuchtungsblödsinn 150 000 Euro kosten lässt - nun ja. Joachim Erwin aber, der im Juli ankündigt, 2009 nochmal ums Rathaus zu kämpfen, lässt sich am 12. September dafür feiern, dass ein Vermögens-tausch Düsseldorf rechnerisch schuldenfrei gemacht hat. Zwei Wochen zuvor hat er im Verbund mit CDU/FDP den neunten ausgeglichenen Haushalt in Serie vorgestellt, und der sieht die Rekordsumme von einer Viertelmilliarde für die Jugend vor. Respekt.

Dass Düsseldorf das Grünste vom Grünen ist, gibt's als Sahnehäubchen obendrauf: Die Stadt gewinnt mit viel Einsatz am 21. August den Bundes-Wettbewerb "Entente Florale" und will 2008 auch in Europa punkten. Mit Tita Gieses Yuccapalmen-Park, der seit 12. Mai den Stresemannplatz adelt, müsste das klappen.

Wenn's so gut läuft, ist Opposition anstrengend. Die SPD macht sich das Leben aber auch so gern schwer und sägt Erwins letzte Herausforderin, Gudrun Hock, am 26. Februar beim Kampf um die Fraktionsspitze ab. Kurz darauf zieht Parteichef Peter Knäpper aus dem Chaos die nötige Konsequenz und tritt zurück. Karin Kortmann nutzt den Wirbel und wird seine Nachfolgerin. Sie hat's clever eingefädelt.

Noch cleverer ist vielleicht Joachim Hunold. Der Mann hat einst im "Knoten" in der Altstadt gekellnert. Am 27. März 2007 schluckt seine Air Berlin LTU. Und mit dem Einstieg des Mischkonzerns Arcandor, zu dem Thomas Cook gehört, gesellt sich wohl noch Condor hinzu. Da ist für Wirbel am Himmel gesorgt. Und der Flughafen ist vorbereitet. Am 17. Mai bestätigen die Richter die lang beklagte Genehmigung, 20 Prozent mehr Flüge abwickeln zu dürfen. Und erstmals in seiner Geschichte starten und landen innerhalb eines Jahres rund 17,8 Millionen Passagiere in Lohausen.

Die Taxifahrer wünschten, es ginge ihnen ähnlich gut. Aber trotz saftig steigender Kosten dringen sie mit ihrer Forderung nach einem neuen Tarif bei der Politik nicht durch. Im Gegenteil: In der Neujahrsnacht, Karneval und beim Japanfest kommt es an den Halteplätzen vor der Altstadt zu Handgreiflichkeiten und die Stadt beschließt neue Spielregeln. Die Fahrer finden's nur furchtbar. Fortsetzung folgt.

Apropos Verkehr: Die Rheinbahn glänzt nicht nur mit einem guten Ergebnis, sie ringt sich zu einer überfälligen Entscheidung durch. Pommes, Pizza und Döner dürfen seit 1. Juni nicht mehr mitfahren. Mehrere Tests zeigen, dass die Diät nicht allzu streng kontrolliert wird. Und das Wassertaxi, das nach allerlei Genehmigungskapriolen im April endlich über den Rhein brausen darf, macht ruckzuck blubb-blubb: Das Geschäft lohnt sich nicht.

Erfolgreicher ist da schon ein Pärchen aus Venezuela, das der Kö am 11. Oktober einen folgenschweren Besuch abstattet. Es lässt beim Juwelier Schmuck im Wert von einer halben Million mitgehen. Noch schlimmer als den verblüfften Kaufmann trifft es allerdings Karin und Martin van der Veen in Angermund. Ihr "Rosenhof" brennt am 4. August aus. Ihr Glück: Die Versicherung zahlt, Nachbarn helfen, das kleine Hotel wird wieder aufgebaut.

Mit dem Schrecken kommt im Übrigen auch eine Frau davon, die einen U-Bahn-Eingang mit einer Tiefgarageneinfahrt verwechselt. Und was ist wohl aus dem Mann geworden, der am 14. April beim Schmuggeln von 500 Viagra-Pillen erwischt wird? Er wird sich, wie auch immer, jedenfalls besser fühlen, als der 28-jährige Feuerwehrmann der Freiwilligen Löschtruppe Unterbach, der im Juli zum Brandstifter wird. Oder die Flughafen-Bombendroherin, die am 8. Juni zu einem Schadensersatz von 207 000 Euro verdonnert wird.

Gar nicht gelacht haben auch die Narren. 35 Stunden quälen sie sich am 8. und 9. Januar durch die längste Karnevalssitzung aller Zeiten, und bei Center TV preisen sie das Glück, mal so viel Programm am Stück übertragen zu können. Doch die Spielregeln, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen, haben die Jecken nicht gelesen. Die Marathon-Alberei wird nicht anerkannt. Zum Trost servieren ihnen die Chef-Pappnasen am 6. Juli ein traumhaftes Prinzenpaar: Barbara Oxenfort und Josef Hinkel.

Nein, nein, den Stromausfall vom 10. Juli, der ab 16.12 Uhr den halben Osten der Stadt lahmlegt, wollen wir hier nicht unterschlagen. Auch wenn wir uns beim Stichwort "Stadtwerke" eher an die bedrohliche Aussicht auf ein Kohlekraftwerk erinnern. Dafür wirbt das Unternehmen monatelang mit so süßen Worten, dass man glauben möchte, da wird nicht Kohlendioxid freigesetzt, sondern Eau de Toilette.

Wir haben mit dem Wetter begonnen und wollen damit schließen. Denn so wie dieses Jahr sind wir lange nicht mehr veräppelt worden. 29 Grad im April - Hitzrekord! Da lästerten die Ersten schon, na wenn das der Klimawandel ist, dann ist's doch dufte. Wäre da nicht der Rest des Jahres gewesen. Nicht mal 200 000 plantschten in den Freibädern - Minusrekord.

P.S. Aus Schaf-Sicht verursachte im Übrigen ein freilaufender Hund im abgelaufenen Jahr den größten Wirbel. Der Randalierer biss im August drei Tiere am Rhein ins Bein.

Frank Preuss

Kommentare
Aus dem Ressort
Marie und Maximilian sind in Düsseldorf beliebt
Namen
Der Trend geht zu „alten“ Namen: In diesem Jahr sind bei den Eltern in Düsseldorf die beliebtesten Namen für ihre Babys Marie und Maximilian.
28 Menschen in fünf Zimmern
Großaktion der Polizei
Im Visier: Einbrecherbanden. Seit Mittwochabend lief ein Großeinsatz der Polizei. Dabei gab es einige Festnahmen, Beute wurde sichergestellt und ein...
Geisels musikalischer Weihnachtsgruß
Gesang
Düsseldorfs OB Thomas Geisel hat mit rund 35 Mitstreitern einen muskalischen Weihnachtsgruß für die Landeshauptstädter aufgenommen.
Die wunderbare Welt der Krippen
Weihnachten
Auch in den Kirchengemeinden in Düsseldorf werden Krippen an Weihnachten aufgestellt, und das in großer Vielfalt.
Millionen-Klage in Düsseldorf abgewiesen
Prozess
Erfolglos hat die Düsseldorfer Firma Caviar Creator versucht, das Land NRW auf 50 Millionen Euro Schadenersatz zu verklagen.
Fotos und Videos
Neue Züge für die S6
Bildgalerie
S-Bahn Rhein-Ruhr
Yusuf Islam in Düsseldorf
Bildgalerie
Konzert