Vom Klassenzimmer in die Manege

Pempelfort..  Es herrscht ein riesiges Gewusel auf dem Pausenhof der Rochus-Grundschule. 134 als Zirkusartisten verkleidete Kinder formieren sich, um in die zur Manege umfunktionierten Aula einzumarschieren. Es ist Zeit für die Generalprobe für die heutige Show, wenn Eltern und Sponsoren sehen wollen, was die Grundschüler aller Klassen innerhalb von nur drei Tagen einstudiert haben. Disziplin gehört offenbar auch dazu, denn plötzlich sind alle mucksmäuschenstill, jeder bereitet sich hinter den Kulissen konzentriert auf seinen Auftritt vor.

Und dann kommen sie raus, alleine oder in Gruppen, zeigen artistische Kunststücke auf dem Einrad oder mit dem Diabolo, sie balancieren, jonglieren, zaubern, präsentieren gelungene Sketche und sogar eine Nummer mit brennenden Fackeln. So gut wie alles funktioniert, und wenn dann doch mal was schiefgeht, drückt das Probe-Publikum ebenso ein Auge zu wie es das richtige mit Sicherheit auch heute tun wird.

Die Projektwoche mit dem Circus ZappZarap hat allen Kindern viel Spaß gemacht. „Ich habe mich sehr auf dieses Zirkusprojekt gefreut, da ich Cheerleader bewundere und ich finde, dass wir mit unseren Kostümen fast so ähnlich aussehen“, erzählt die neunjährige Larissa. Auch der zwei Jahre jüngeren Zofia haben die Kostüme gefallen: „Damit sehen wir aus wie kleine Engel oder echte Clowns, einfach wie professionelle Zirkusleute.“ Die siebenjährige Alexandra berichtet von den Proben: „Kompliziert waren die Menschenpyramiden. Das Gewicht der anderen zu stützen, wenn man unten steht, ist wirklich schwierig.“

Begeistert waren natürlich auch die Jungen. „Ich darf bei der Feuershow mitmachen, das ist so aufregend. Wir löschen das Feuer zum Beispiel mit der Hand oder berühren die Flamme mit unserer Zunge. Das traut sich nicht jeder“, sprudelt es aus dem achtjährigen Noah hervor. Der zwei Jahre jüngere Elian pflichtet ihm bei: „Zu lernen, wie ich mit dem Feuer umzugehen habe, und dann zu erleben, dass tatsächlich alles klappt, das war mit Abstand das Allerbeste an der Woche.“ Jongleur Maximilian (9) sagt trocken: „Das war alles gar nicht so kompliziert, wie ich dachte. Übung macht halt den Meister.“

Auch die acht beteiligten Lehrer mussten erst einmal eine kleine Fortbildung mit den Zirkusleuten absolvieren. „Was mich besonders gefreut hat, ist, dass die Schüler ihre Nummern selbst mitentwickeln durften und wir nur unterstützend eingegriffen haben“, erzählt Schulleiterin Miroslawa Berg, die neben dem Spaß an der Sache auch die soziale Komponente hervorhebt: „Die Schüler lernen, dass sie sich aufeinander verlassen können und müssen. Sie haben so nebenbei ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl entwickelt.“ 4500 Euro hat die Schule sich das Zirkus-Projekt kosten lassen, durch Sponsoren, Eltern, den Förderverein und einen Sponsorenlauf der Kinder konnte das Geld aufgebracht werden.

Im Hintergrund der Aufführung behält das Team des Circus ZappZarap alles im Blick und kann notfalls sofort eingreifen. Zirkuspädagogin Ruth Suermondt ist jedes Mal wieder verblüfft, wie schnell die Kinder lernen. „Wir machen derartige Projekte ja auch mit Erwachsenen, werden etwa von Firmen gebucht, um ein besseres Teambuilding zu erreichen. Mit Kindern arbeiten zu dürfen, ist aber immer sehr dankbar, sie sind leicht zu begeistern und stellen meistens mehr auf die Beine als die Großen.“