Vom Kempinski ins eigene Hostel am Fürstenwall

Patrick Lange-Böhmer in einem Zimmer seines „Backpackers“.
Patrick Lange-Böhmer in einem Zimmer seines „Backpackers“.
Foto: Christian Stahl
Was wir bereits wissen
Patrick Lange-Böhmer hat in seiner Karriere in vielen großen Hotels gearbeitet. Richtig glücklich macht ihn aber erst sein eigenes „Backpackers“.

Düsseldorf..  Im „Backpackers Düsseldorf“ geht es ruhig zu. Es ist Mittag, ziemlich genau 13.30 Uhr. Im Hof wird telefoniert, vor dem Fernseher sitzt ein Gast und isst, es gibt Tortellini. Hinter der Rezeption, die man durch einen Gemeinschaftsraum erreicht, steht Patrick Lange-Böhmer. Gerade sind zwei Koreaner eingetroffen. Patrick macht den Check-In, es geht unkompliziert zu. W-Lan-Passwort liegt auf der Theke und schon kann’s für die beiden losgehen.

Im September 2003 eröffnete der gebürtige Essener sein Hostel am Fürstenwall, damals mit 30 Betten. „Die hab’ ich damals bei Ebay geschossen. Zusammen mit einem Kumpel hab’ ich die Teile bei der US-Armee abgeholt“, bemerkt der 48-jährige nicht ohne beim Gedanken an seine erste Inneneinrichtung zu grinsen.

Businessplan entstand im Bus in Südamerika

Lange-Böhmer ist ein Profi. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung als Hotelkaufmann, machte dann auf einer Hotelfachschule seinen Betriebswirt. Die Jobs in der großen Welt der Hotels lesen sich beeindruckend: Kempinski, Atlantik, Stellen im Ausland. Doch all’ das stellte ihn nicht langfristig zufrieden: „Ich hatte irgendwann keine Lust mehr ein Rädchen zu sein, unsichtbar meinen Job zu erledigen.“

Stattdessen ging’s auf Weltreise, wo die Idee wuchs ein eigenes Hostel aufzumachen. Den Businessplan fertigte der 48-Jährige in einem Bus in Südamerika an. In Bangkok brach er seine Weltreise ab, um sich von nun an voll und ganz seinem Projekt zu widmen. Dann ging alles sehr schnell. Lange-Böhmer fand die Immobile am Fürstenwall 180, mitten in der Innenstadt. Am 27. September 2003 eröffnete sein „Backpackers Düsseldorf“. Mittlerweile hat das Hostel zwölf Zimmer, sechs Mitarbeiter, eine Selbstversorgerküche und Platz für 60 Gäste, die vor allem in den Sommerferien kommen. Abseits von der Hauptsaison kommen vor allem Kurzurlauber in das Hostel. Oder Langzeitgäste wie der 53-jährige Italiener Lerry, der seit mittlerweile einem Monat dort ist.

Manche Gäste bleiben auf Dauer

Zimmer Nummer 4 ist Larrys Reich, das er mit immer wechselnden Mitbewohnern teilt. Er kam aufgrund des prekären Arbeitsmarktes in seiner Heimat nach Düsseldorf, um hier Arbeit zu suchen. Nun arbeitet der Italiener an sechs Tagen in der Woche im „Bocconcino“, einem italienischen Restaurant im Hafen und lebt in Lange-Böhmers Backpacker Hostel. Bereut hat er diesen Schritt nie. Lerry mag die Atmosphäre, die vielen unterschiedlichen Geschichten und Charaktere, denen er hier jeden Tag begegnet. „Ich habe hier Freunde gefunden, Hilfe beim Arbeitsamt und bei den Behördengängen gekriegt. Das ist wirklich einzigartig“, freut sich der 53-Jährige.

Auch Patrick Lange-Böhmer hat die Entscheidung, ein eigenes Hostel in Düsseldorf aufzubauen, nie bereut. „Was ich hier aufgebaut habe, ist einfach, aber charmant und sehr individuell. Nach der langen Zeit in riesigen Hotels habe ich es jetzt mit normalen Menschen mit ganz normalen Problemen zu tun. Jeden Tag kommen mit den Menschen neue Geschichten und Schicksale“, berichtet der gebürtige Essener, der nun seit 20 Jahren mit Frau und Kind in Düsseldorf wohnt. Diese Freude am Job merkt man dem Backpacker Hostel und seinen Gästen an.

Graffitikunst gegen Kost und Logis getauscht

Hier kann man der Kommunikation kaum aus dem Weg gehen. In der Gemeinschaftsküche wird zusammen gekocht, draußen im Hof gegrillt oder Tischtennis gespielt. So bereichert jeder Gast das Düsseldorfer Hostel auf seine ganz individuelle Weise. Wie vier Engländer die vor einem halben Jahr das Hostel besuchten. „Die Jungs waren Graffiti-Künstler und haben mir angeboten, eine Wand im Hostel zu gestalten, wenn sie dafür umsonst übernachten können. Patrick Lange-Böhmer gab ihnen drei Tage und ließ die vier Jungs machen.

Für die Zukunft wünscht sich der 48-Jährige nur eins: „Ich habe in den letzten Jahren so viel gemacht, neue Betten eingebaut, Böden verlegt, das Hostel immer mehr optimiert. Jetzt bin ich zum ersten Mal in meinem Leben an dem Punkt zu sagen: Ich hab’ gerade gar nichts vor. Ich freu mich einfach nur auf neue Gäste und neue Geschichten.“
www.backpackers-duesseldorf.de