Vom Bekannten vergewaltigt?
07.02.2008 | 17:12 Uhr 2008-02-07T17:12:00+010032-Jährige schildert traumatisches Erlebnis vor dem Landgericht.
Eines ist der 32-Jährigen in Erinnerung geblieben: „Haben Sie keine Angst so allein?”, hatte eine Taxifahrerin sie gefragt. „Heute ist doch Vollmond!” Der Abend vor siebeneinhalb Jahren sollte für die junge Frau tatsächlich schlimm ausgehen: Ein flüchtiger Bekannter soll sie vergewaltigt und in ihrer Wohnung eingesperrt haben. Gestern schilderte sie vor dem Landgericht das traumatische Erlebnis.
„Ich wollte mich vor ein Auto werfen”, erinnerte sie sich an die Gefühle danach, sie habe sich so sehr geschämt. Bei ihrer Aussage weinte sie fast ununterbrochen. Sie lebt inzwischen im Ausland, will alles vergessen. DNA-Spuren brachten den Angeklagten (30) jetzt auf die Anklagebank, und für sie alle Erinnerungen zurück.
Die heute 32-Jährige berichtete, dass der Angeklagte im August 2000 nach kurzer Bekanntschaft in der Altstadt einen Vorwand nutzte, um mit in ihre Wohnung zu gehen. Dort habe er sie aufgefordert, sich zu ihm aufs Bett zu setzen. Als sie nicht wollte, habe er mit der Faust zugeschlagen, „dass mein Kopf nach hinten flog.” Dann habe er sie mehrfach vergewaltigt. „Ich war wie eine Sack, damit er schnell fertig wurde.”
Schließlich habe er erklärt, er werde nun seine Kollegen holen, ihr Handy und Schlüssel weggenommen und sie in der Wohnung ohne Telefon eingeschlossen. In Panik habe sie das Fenster geöffnet. Ein älterer Passant habe nicht auf ihre Rufe reagiert - sie als Polin mit schlechtem Deutsch wohl nicht verstanden. Erst eine Gruppe junger Leute habe ihr geholfen zu entkommen.
Der Angeklagte, der erklärt hatte, sie seien sich einvernehmlich näher gekommen, hörte ihre Aussage nicht. Er war von der Vernehmung ausgeschlossen worden. Zuvor hatte er sichtlich nervös anhören müssen, wie ein Sachverständiger bestätigte, sie sei durch das Erlebnis psychisch sehr belastet.
Sie hat Panikattacken, Schlafstörungen, Atemnot, muss den Fernseher anhaben, wenn sie allein ist. Bei der Arbeit in einer Bäckerei trägt sie eine Schirmmütze, die sie vor Männerblicken schützt, vor denen sie extreme Angst hat. „Das hat Krankheitswert”, bestätigte der Psychiater, hielt eine Simulation für ausgeschlossen. Der Prozess wird fortgesetzt.