Vom Ballett zur Buchautorin

Jeannine Halene
Jeannine Halene
Foto: Bremer

Jeannine Halene sitzt in einem großen, hellen Besprechungsraum ihrer Agentur. Alles ist sehr modern und freundlich eingerichtet. Sogar ein Balkon, mit Blick auf den Fernsehturm gehört dazu. „Mein Lebenslauf unterscheidet sich schon von denen anderer Menschen. Ich habe einfach viel ausprobiert“, meint die 35-Jährige.

Man sieht ihr an, dass sie früher getanzt hat. Eine elegante blonde Frau, die lebensfroh und voller Energie von ihrer Zeit am Ballett und der Gründung ihrer Oberkasseler Marketing-Agentur „Fan-Factory“erzählt, mit der sie Kunden zu einem besseren Auftreten verhilft und ihre Produkte besser auf dem Markt platziert.

Harte Ballettakademie der Staatsoper Leipzig

„In der zehnten Klasse schmiss ich – sehr zum Leidwesen meiner Eltern – die Schule, um zu tanzen.“ Ihr großer Traum ging in Erfüllung: Sie wurde auf der Ballettakademie der Staatsoper Leipzig angenommen. Sie tanzt, seit sie vier Jahre alt ist. „Als Kind habe ich die Füße beim Gehen immer eingedreht, meine Eltern dachten, wenn ich Ballett mache, bessert sich das. Schnell habe ich entdeckt, wie viel Spaß mir das Tanzen macht, und dann kam alles von mir aus. Meine Eltern haben mich nie in irgendeine Richtung gedrängt“.

Sie habe ein ganz anderes Leben als ihre Mitschüler gehabt, sagt sie. Das machte sie ein bisschen zur Außenseiterin. „Ich musste immer zum Training gehen und auf meiner Ernährung achten, die meisten konnten das nicht nachvollziehen“. Bei den Vortanzen in Leipzig war sie zuerst überfordert. „Das ist eine ganz andere Welt, als in der Tanzschule, wo man immer behütet war. Klar fiel dort auch mal ein lautes Wort, aber das ist normal.“ Die Tänzerinnen mussten sich teilweise auf den Boden legen, und dann wurde ein Bein so weit es geht Richtung Kopf gedrückt, um festzustellen wie gelenkig sie sind. „Dabei sind einige Sehnen gerissen. Viele Mädchen waren schon nicht mehr fokussiert, sondern einfach nur verbissen. Sie haben nichts gesagt, als es wehtat. So extrem war ich zum Glück nie“, sagt Halene. Das ging soweit, dass sie sich untereinander manipulierten. So kam es auch vor, dass sie vor einem wichtigen Aufritt eine Reiszwecke im Schuh stecken hatte.

„Ich hatte immer Spaß am Tanzen. Doch als Balletttänzerin wird man zur Einzelkämpferin erzogen. Nach etwa einem Jahr auf der Ballettakademie wurde ich auch etwas zu verbissen, und das Tanzen machte mir nicht mehr so viel Spaß wie früher. So kam ich nach Düsseldorf zurück.“

Halene machte ihr Abi nach und weil sie nicht so richtig wusste, was sie machen will, studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Durch eine Freundin von der Uni kam sie zum Jazz-Tanzen und wurde mit ihrer Mannschaft Deutscher Meister. Um sich das Studium zu finanzieren, modelte sie. „Ich bin zum Beispiel für Tommy Hilfiger gelaufen und habe einen Werbespot mit Honda gedreht“. Nach dem Studium und einem Jahr Auslandsaufenthalt in Südafrika leitete sie drei Jahre eine Marketingabteilung. Als die Firma verkauft wurde, ging sie für ein Jahr mit dem Betreiber nach Amerika.

Die Gründung ihrer Agentur sei „einfach passiert“. Als Halene wieder in Deutschland war, sprachen sie viele Bekannte aus ihrem früheren Umfeld an, ob sie Konzepte für die neuen Produkte hätte und eine Agentur, die das umsetzten kann. „So fing alles an“, berichtet sie.

Halene hat fünf Angestellte, ihr großes Büro und nationale wie internationale Kunden. Sie arbeitet unter anderem für die Sparkasse und Hema. Das war aber nicht immer so: „Anfangs hatte ich nicht einmal ein Büro“, berichtet sie. „Ich stellte eine Grafikerin ein, mit der ich mich in einem Café traf, um unsere Aufträge zu bearbeiteten.“

Ein Buch hat Halene auch geschrieben: Sie will Menschen auffordern, mutiger zu sein und neue Wege zu gehen. „Marketing jenseits vom Mittelmaß“. zeigt Beispiele von außergewöhnlichen Kampagnen und Halenes eigenen Erfahrungen.

„Ich bin froh, um den Beruf als Tänzerin herumgekommen zu sein. Heute habe ich das Gefühl alles richtig gemacht zu haben“.