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VJ Bilderwilderer mixt "Musikfilme" live an die Wand

27.10.2009 | 14:30 Uhr
VJ Bilderwilderer mixt

Düsseldorf. Daniel Henrici ist ein "Bilderwilderer" und macht Musik durch Videos sichtbar. Der in Düsseldorf lebende Bielefelder projiziert an Veranstaltungsorten wie der Tonhalle live gemixte Filme an (Lein-)Wände. Damit ist Henrici sehr erfolgreich.

Daniel Henrici ist Veganer. Und Raucher. Letzteres gefährdet seine Gesundheit. Als der Video Jockey „Bilderwilderer” kurz vor dem Interview-Termin am Büdchen Tabak holen will, vergisst er seinen Hausschlüssel. So wartet er bei lausigem Herbstwetter vor der eigenen Tür: Ein junger Mann in schlichter Reißverschluss-Jacke, tiefer gelegten Jeans und Skaterschuhen.

Er wirkt abgespannt, aber seine Stimme klingt munter: „Wir können am Fürstenplatz in ein Cafe´ gehen oder ins Atelier”, schlägt er vor. Die Entscheidung fällt zu Gunsten des Arbeitsplatzes. Der liegt in einem Hinterhaus an der Scheurenstraße. Es ist eine ehemalige Metzgerei, deren Räume schon seit mehreren Jahren an Künstler vermietet werden.

Immer mehr Bielefelder zieht's nach Düsseldorf

Seit fünf Jahren lebt der Bielefelder hier. Es sei die hohe Ausbildungsqualität der Düsseldorfer Fachhochschule für Design, die ihn hergebracht habe, sagt er. Sonst wäre er gern dort geblieben. „Was spricht gegen meine Heimatstadt?” wundert er sich. Leider habe er als Kommunikationsdesigner dort zu wenig Arbeitsangebote. Also sei Düsseldorf der bessere Standort für ihn, zumal es hier auch die Filmwerkstatt in Kaiserswerth gäbe. „Aber,” freut er sich, „es kommen immer mehr Bielefelder hierher”. Bei Ostwestfalen dauere es länger, bis man befreundet sei, aber im Gegensatz zu den Rheinländern seien ihre Freundschaften beständiger, fügt er als Befindlichkeitsbarometer hinzu.

Henrici verdient sein Geld mit bewegter Bildgestaltung. „Schon während des Studiums habe ich nie gekellnert, sondern immer mit meinem Fachgebiet Geld verdient” sagt er und begründet damit seinen weichen Übergang vom Studium in die Selbstständigkeit. Zunächst war er mehrere Monate bei Vodafone und hat die Bewegungsabläufe auf dem Touchscreen für das neue Mobiltelefon konzipiert.

Tagsüber Firmenaufträge, am Wochenende in den Clubs

Video-Jockey Daniel Henrici (Label Bilderwilderer) in seinem Studio. Am 21. November 2009 findet seine Veranstaltung im Düsseldorfer Filmmuseum statt. Foto: Sergej Lepke

Jetzt bearbeitet er tags Firmenaufträge, an Wochenenden ist er unter dem Namen „Bilderwilderer” als Video Jockey in der Musikszene unterwegs. „Ein VJ macht mit seinen Bildern die Musik sichtbar”, beschreibt er seine Tätigkeit. Dazu sei ein enger Dialog mit den DJs nötig. In der Praxis heißt das, dass er an Veranstaltungsorten wie der Tonhalle, dem Kai 10 oder beim Open Source Festival zu den aufgelegten Sounds live Filme mixt und an die (Lein)-Wände.

Auf diese Weise begleitete er ein Konzert der Duisburger Philharmoniker. Doch sein Schwerpunkt liegt bei elektronischer Musik. Seine Projektionen gleichen Rauminstallationen. Henrici passt sie den lokalen Gegebenheiten des Veranstaltungsorts an. „Durch die Bildprojektionen trinkt keiner mehr, tanzt keiner mehr als ohne sie, aber die Atmosphäre ist eine bessere”, meint er überzeugt.

In der Electro-Party-Szene populär

„Ursprünglich habe ich Punk und Hardcore gehört”, erzählt der 33-Jährige, „aber ich war irgendwann von der 'political Correctness' angenervt”, erklärt er den Wandel der Musikrichtung. Um weiterhin „Krach” zu hören, wurde Techno zu seinen bevorzugten Klangerlebnissen.

Henrici ist in der Electro-Party-Szene populär. Wie sieht er da seine Zukunft? Die Antwort ist unerwartet: „In acht Jahren möchte ich sonntags morgens um acht Uhr mit meinen Kindern durch den Wald laufen und nicht mehr aus irgendeinem Club nach Hause kommen”. Er hält Ausschau nach Jüngeren, die Spaß an seinem Sujet hätten, aber da sei nichts in Sicht. „Inzwischen werde ich von den jungen Leuten gesiezt oder für den Türsteher gehalten”, stellt er trocken fest.

Seine Mischung aus Bodenständigkeit und künstlerischem Schaffensdrang hat seinen Ursprung ebenfalls in Bielefeld: 16 Jahre lang besuchte er dort die Kunstschule und seine Eltern forderten eine solide Tischlerlehre vor dem kreativen Studium.

Pamela Broszat

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