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Viel zu tun für die Suchtberatung

16.05.2009 | 11:55 Uhr

Sprechstunden der Awo-Mitarbeiter fast immer ausgebucht. Probleme bereiten vor allem Komasaufen und illegale Drogen.

Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden hatten Probleme mit Alkohol. Komasaufen, wie hier auf einem nachgestellten Foto, ist dabei ein riesiges Problem. Foto: Judith Michaelis

„Wir bewegen uns nah an unserer Leistungsgrenze.” Diese Worte von Dieter Requadt, dem Leiter der Suchtberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt an der Friedenauerstraße, sollten aufhorchen lassen. Knapp 300 Menschen fanden vergangenes Jahr den Weg zu Dieter Requadt und seinen Mitarbeitern – die Sprechstunden waren fast ausgebucht.

Es wird exzessiver getrunken

Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden wandten sich dabei mit einem Alkoholproblem an die Awo. Besorgniserregend ist für Requadt dabei vor allem der Trend des Komasaufens. „Im Vergleich zu früher wird zwar weniger getrunken, aber dafür umso exzessiver.” Hochprozentiges steht im Vergleich zu Bier und Wein fatalerweise hoch im Kurs der Jugend. Ebenso wie Cannabis, das trotz Verbotes zunehmend konsumiert wird. Insgesamt machten illegale Drogen 2008 42 Prozent aller Beratungen aus - besondere Aufmerksamkeit widmeten die Awo-Berater dabei dem Heroin.

Knapp 50 Patienten werden in ihrem Methadon-Programm unterstützt, zudem wird einigen Abhängigen in ihrer Wohnung im Alltag geholfen. Die Drogenberatung wird zur Lebenshilfe: „Es geht vor allem darum, die Betroffenen in ein zufriedenstellendes Leben zurückzuführen”, erläutert Sozialpädagogin Christiane Kerber die Ziele des betreuten Wohnens.

Abseits des Heroins hat das Klischee des verarmten Abhängigen jedoch nur wenig mit der Realität zu tun, stellt Dieter Requadt fest: „Suchtprobleme ziehen sich durch sämtliche soziale Schichten.” Die Problematik ist im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtig und nicht immer substanzabhängig: So suchen auch zwanghafte Käufer und Spieler die Berater auf. Ein Phänomen der letzten Zeit ist zudem das exzessive Computerspielen – ständig werden die Berater mit neuen Suchtformen konfrontiert.

Umso wichtiger in der täglichen Arbeit ist daher die Prävention. Ob an Schulen, auf der Straße oder mittels Prospekten: Die Mitarbeiter der Beratungsstelle tun einiges, um eine mögliche Abhängigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Auch kulturelle und sprachliche Barrieren werden dabei überwunden. So wurden mehrere Dolmetscher engagiert, um fremdsprachigen Menschen helfen zu können.

Bald „Haus der Chancen”

Neben dem Rückblick gab die Awo gestern auch einen Ausblick: Im Herbst entsteht an Stelle der Beratungscontainer das „Haus der Chancen”. Dort wird neben dem Jugendamt unter anderem auch die Awo-Suchtberatung einziehen. Den Mitarbeitern war vor allem wichtig, dass sich die Klienten wohlfühlen, wie Dieter Requadt erklärt: „Wir haben die Räume im Erdgeschoss zugesagt bekommen. So müssen die Hilfesuchenden nicht erst durch das ganze Gebäude laufen.” Fern von Stigmatisierung und Vorurteilen bietet die Beratungsstelle also auch in Zuklunft eine vertrauliche Anlaufstelle für Abhängige und deren Angehörige.

Bastian WADENPOHL

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