Verschollenes Liebermann-Bild hing bis 1958 in Düsseldorf

Dieses Bild von Max Liebermann, das in London für 2,6 Millionen Euro versteigert wurde, hing bis 1958 in Düsseldorf.
Dieses Bild von Max Liebermann, das in London für 2,6 Millionen Euro versteigert wurde, hing bis 1958 in Düsseldorf.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eines der Hauptwerke aus dem Schwabinger Kunstfund war früher im „Kunstmuseum“ in Düsseldorf zu sehen, dem heutigen „Museum Kunstpalast“.

Düsseldorf..  Noch immer finden sich neue Puzzle-Teile rund um den Schwabinger Kunstfund, der vor drei Jahren für Schlagzeilen sorgte. Ein Dokument aus dem Stadtarchiv belegt, dass eines der wichtigsten Werke aus der Sammlung Gurlitt in den 50er Jahren im Düsseldorfer Kunstmuseum (heute: Museum Kunstpalast) zu sehen war – das war bislang nicht bekannt. Es handelt sich um die „Zwei Reiter am Strand“ (1901) von Max Liebermann – das Bild, das in der vergangenen Woche in London für 2,6 Millionen Euro versteigert wurde.

Wie aus einem Schreiben des damaligen Museumsdirektors Gert Adriani an das Kulturamt hervorgeht, hatte Helene Gurlitt – die Witwe des Kunstsammlers Hildebrand Gurlitt – das Liebermann-Gemälde und außerdem eines von Otto Müller an das Museum verliehen. Der Direktor berichtet in der Notiz vom März 1958, dass man die beiden Bilder an die Besitzerin zurückgegeben habe. Grund war, dass das Museum damals für eine längere Zeit zur Sanierung geschlossen werden musste. Adriani zeigte sich hoffnungsvoll, dass Helene Gurlitt die Gemälde später noch einmal ausleihen werde. Dies bleibe aber „künftigen Gesprächen vorbehalten“, heißt es in dem Schreiben, auf das der Raubkunstforscher Willi Korte jetzt gestoßen ist.

Dazu kam es aber nicht mehr. Wie aus dem Katalog zur Versteigerung bei Sotheby’s hervorgeht, verlieh Helene Gurlitt das Gemälde noch im Jahr 1960 für Ausstellungen in Recklinghausen, Berlin und Wien.

Dann verlor sich für viele Jahre die Spur: Helene Gurlitt verzog im Frühjahr 1961 von Düsseldorf nach München, nach ihrem Tod sieben Jahre später blieb das Gemälde im Besitz ihres Sohns Cornelius – und war für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Es galt als verschollen, bis es 2012 nach Ermittlungen der Augsburger Staatsanwaltschaft in Gurlitts Wohnung überraschend gefunden wurde.

In der Folge geriet die Herkunft des Werkes wieder in den Fokus: Bis 1942 hatte das Bild dem jüdischen Kunstsammler David Friedmann aus Breslau gehört und war ihm in der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen worden. Im Mai des laufenden Jahres erfolgte die Restitution an einen Großneffen des Sammlers – der das Bild nun versteigern ließ.