Uni und Filmmuseum in Düsseldorf erforschen Michael Endes Fantasie-Welten
14.01.2011 | 17:05 Uhr 2011-01-14T17:05:00+0100
Düsseldorf.Wieso amüsiert der „Wunschpunsch“, seit 20 Jahren erfolgreichstes Stück im Düssseldorfer Marionettentheater, sein Publikum noch immer? Die Heinrich-Heine-Uni und das Düsseldorfer Filmmuseum organisieren eine Tagung über die Welt des Michael Ende.
Das nennt man ja wohl eine Karriere: Ein kleines, struppiges Mädchen knackt die Macht einer grauen Herrenriege, die den Menschen die Zeit stehlen will. Erst wurde „Momo“ dank ihrer Heldentat eine der populärsten Figuren zwischen zwei Buchdeckeln, nun ist sie auch ein Fall für die Forschung.
Zum dritten Mal kooperieren Heine-Uni und Filmmuseum, diesmal um mit den Mitteln der Wissenschaft die Literatur Michael Endes zu entschlüsseln. An der geplanten Tagung kann in der nächsten Woche jeder Düsseldorfer teilnehmen, der Momo, Lukas und all die anderen ins Herz geschlossen hat.
Wieso haben Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, in den 50 Jahren ihrer Existenz überhaupt keine Patina angesetzt? Wieso amüsiert der „Wunschpunsch“, seit 20 Jahren erfolgreichstes Stück im Düssseldorfer Marionettentheater, sein Publikum mit unveränderter Frische?
Aktuelle Themen
Anton Bachleitner, Herr der Puppen, muss es wissen, hat doch sein Marionettentheater die Stücke Michael Endes immer wieder im Repertoire und wurden einige noch gemeinsam mit dem Autor arrangiert: „Weil Ende uns eine Fundgrube aktuell gebliebener Themen bietet.“ Da stößt Tante Tyrannja im „Wunschpunsch“ vorausschauend aus: „Ach du liebes Dioxinchen“, und die Geldhexe murmelt Zinsformeln (in einem gestreiften Gewand, das an das Logo einer großen Bank erinnert). Vielleicht auch deshalb, weil für die Generation der Computer-Kinder die Insel Lummerland mit Lokomotive Emma eine Gegenwelt skizziert.
Die Lehr- und Forschungsgruppe „Kinder- und Jugendliteratur Intermedial“ der Uni hat in vergangenen Jahr bereits zwei wissenschaftliche Tagungen (zu Astrid Lindgren und Harry Potter) im Filmmuseum organisiert. Philipp Schmerheim vom Institut für Germanistik: „Uns interessiert dabei vor allem, wie diese Literatur für Bühne, Film, Puppentheater übersetzt wird.“ Und für die virtuelle Welt: So wird sich einer der Vorträge auch mit Michael Endes unsterblichen Figuren im Computerspiel beschäftigen.
Wie quicklebendig Momo immer noch ist, zeigt die aktuelle Werbung eines Versicherungskonzerns, in der die „Grauen Herren“ eine Rolle spielen. Der passende Vortrag der Tagung dazu: „Michael Ende und der Kapitalismus.“ Zumindest die Stimme (vom Band) des 1995 verstorbenen Autos wird zu hören sein, wenn das Marionettentheater am Freitag, 21. Januar noch mal „Die zerstreute Brillenschlange“ spielt, die sich selbst auffrisst. Außerdem werden die Filmversionen von „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ gezeigt.
Das komplette Programm der Tagung vom 21. bis 23. Januar steht im Internet: www.ende.phil-fak.uni-duesseldorf.de. Die Teilnahme ist kostenlos, es wird um Anmeldung gebeten: ende@phil.uni-duesseldorf.de
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