Und sie leuchten immer noch
07.09.2007 | 04:27 Uhr 2007-09-07T04:27:26+0200STADTWERKE. Vor 159 Jahren wurde die erste Gaslaterne angezündet. Heute gibt es noch 17 000 Stück. Nur Berlin hat mehr.
Er wienert und wienert, bis alle Scheiben glänzen. Thomas Scholten steht auf seiner Aluminiumleiter und bringt mit Lappen und Putzmittel eine "Alte Düsseldorfer Leuchte" auf Hochglanz. Scholten ist Lampenputzer, er schafft "so 40 bis 60 Leuchten am Tag". Ein Job, der kein Ende hat: Zweimal im Jahr werden die 17 000 Gaslaternen in der Stadt auf Hochglanz gebracht, von Firmen, die die Stadtwerke engagieren. "Düsseldorf", sagt stolz Scholtens Auftraggeber, Andreas Baum vom Energieunternehmen, "ist nach Berlin die Stadt mit den meisten alten Gaslaternen." Die haben hier eine lange Tradition: Im September 1848, vor 159 Jahren, brannte die erste Gaslaterne an der Klosterstraße.
Sieben Millionen Energiekosten
Heute stehen dort keine Gasleuchten mehr, die Lichter werden mit Strom gezündet. 60 000 Lampen erhellen die Stadt, davon hängen 43 000 am Stromnetz. Für helle Straßen - und angestrahlte Fassaden - zahlt die Stadtkasse an die Stadtwerke jährlich sieben Millionen Euro.
Die alten Gaslaternen mit dem tannenzapfen-artigen Knopf auf der Haube sind beliebt, manche möchten sie gern im Garten aufstellen. Lampenputzer Scholten weiß von seinem täglichen Rundgang: "Bei einigen werden sogar die Gläser gestohlen."
In den Prüfraum
Auch Meister Hans-Peter Klapdor in der Werkstatt der Stadtwerke passt auf wie ein Luchs auf die Schätzchen. Ist eine kaputt, etwa weil ein Auto dagegen fuhr, landet sie bei ihm. Das Werkstatt-Team muss dann viel improvisieren - "Ersatzteile gibt es nicht mehr zu kaufen", macht Meister Klapdor klar. Etliche Teile der runden Apparaturen, die drei oder sogar fünf "Glühstrümpfe" in der Laterne mit Gas versorgen, produzieren Klapdor oder Kollegen an der eigenen Drehbank.
Die grünen Hauben werden gesandstrahlt, grundiert und lackiert. Rund 850 Euro kostet das jedes Mal. Vor dem Einbau an der Straße werden sie im "Lampenprüfraum" getestet. Nebenan ist die Tür zu einem kleinen Lager mit 15 alten Gehäusen verschlossen - das ist der "Lampentresor".
Suche nach defekten Lampen
Während die elektrischen Lichter automatisch angehen, wenn zwei von drei "Dämmerungssensoren" melden, dass es dunkel genug ist, müssen die Gaslaternen fast von Hand gestartet werden: Dafür wird der Gasdruck im Netz rund zehn Minuten erhöht, damit auch alle "Glühstrümpfe" brennen. "Als voriges Jahr der Sturm Kyrill blies, haben wir die Lichter schon um 16 Uhr angemacht, weil sie nicht so leicht ausgeweht werden können, wenn sie schon mal leuchten", erinnert sich Baum.
Angeknipst wird die Straßenbeleuchtung in der "Schaltzentrale" der Stadtwerke. Dort ist das Telefon geradezu ein altmodisches Gerät. Denn wenn etwa eine schöne alte Leuchte dunkel bleibt, kommt ausgefeilte Technik zum Einsatz.
Ein Telefon läutet. Eine Frau meldet eine kaputte Straßenlaterne in der Leostraße bei der Zentrale der Stadtwerke. Rund 11 000 Mal im Jahr klingelt dort das Telefon, und ein Anwohner meldet eine dunkle Laterne - rund 40 bis 50 Mal am Tag. Stefan Klar sitzt vor seinen vier Bildschirmen und zoomt eine Art Stadtplan auf den gut zwei mal drei Meter großen Bildschirm an der Wand.
Eine spezielle Nummer
Dort sind in einem Netzplan alle Leitungen abgebildet, ob Gasrohre, die 110 000 Volt-Stromleitungen und eben die Laternen. 30 Menschen arbeiten in drei Schichten in der mit Computerbildschirmen vollgestopften Schaltzentrale, tagsüber fünf, nachts vier Mitarbeiter pro Schicht. Das Leitungsgewirr der Stadt sieht aus wie ein unregelmäßiges Spinnennetz. Aber Klar kann die Karte so groß zoomen, dass jedes einzelne Haus und jede Laterne deutlich zu sehen ist - Gaslaternen gelb, Stromleuchten rot, und alle haben Nummern.
Mit dem Lappen in der Hand
Doch meist muss er erst mal feststellen, wo die kaputte Laterne steht. "Manche Kunden sind ja nach Hause gegangen, um uns anzurufen. Sie wissen also nicht genau, vor welchem Haus die Laterne steht. Die Masten tragen zwar weiße Zahlen, aber das wissen die Kunden ja nicht", erläutert Andreas Baum. Ganz schwierig sind Nachrichten über defekte Leuchten im Hofgarten oder im Volkspark: "Da müssen unsere Trupps alles abklappern."
In der Leostraße war die "Leuchte 11" kaputt, ein gelber Punkt auf dem überdimensionalen Bildschirm. Die Meldung geht per Software an die Reparaturtrupps, die nach einem schnell zusammengestellten Plan nacheinander defekte Lichter reparieren. An einer steht vielleicht gerade Thomas Scholten mit dem Lappen in der Hand.
0mitdiskutieren