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Umfangreiche Schau über Marianne Hoppe

19.02.2010 | 11:37 Uhr
Umfangreiche Schau über Marianne Hoppe

Düsseldorf. Die Schauspielerin Marianne Hoppe wäre im vergangenen Jahr hundert Jahre alt geworden. Bis zum 11. April zeigt nun das Theatermuseum eine Ausstellung über die "preußische Duse". Hunderte von Exponaten sind zu sehen. Unter anderem gibt es auch eine Hörstation mit Hoppe-Lesungen.

Normalerweise hatte die junge Marianne Hoppe gute Nerven. Doch diesmal war alles anders. Es war 1941, das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt gab Schillers „Turandot” mit der 32-Jährigen in der Titelrolle. Regie führte Karl Heinz Stroux.

Er hatte reichlich zugeschlagen und dem Rokoko-Stück jede Verspieltheit genommen; Stroux inszenierte monumental. Und Hoppe stand vor der Aufgabe, sämtliche emotionale Facetten auf die Bühne zu bringen, von der zarten Prinzessin zur reifen Frau. Vor der Premiere war sie unglaublich aufgeregt. Bis ihr Intendant und Ehemann Gustaf Gründgens telegrafierte. „Es ist wie beim Skat”, riet er. „Immer Trumpf spielen. Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz.” Marianne Hoppe ließ die Zeilen rahmen. Sie hingen ein Leben lang an ihrer Wand.

Berühmte Diva

Nun war es Birgit Pargner vom Theatermuseum München, die jene anrührende Geschichte erzählte. Sie gab ihrer Ausstellung den Namen. Bisher war der Rundgang über die „preußische Duse” in München zu sehen, nun macht sie bis 11. April im Theatermuseum Station. Mit hunderten Exponaten geht es um die berühmte Diva, die im vorigen Jahr hundert geworden wäre.

Kuratorin Pargner sagte es gleich. Man braucht viel Zeit, um sich alles anzusehen. Sie hat Benedikt Hoppe, den Sohn und Nachlassverwalter, um Hilfe gebeten, und er stellte sein Archiv zur Verfügung. Der üppige Bestand aus Fotos, Korrespondenzen und Tagebuchaufzeichnungen bis zu Hoppes Zeit als Handelsschülerin in Weimar wird nun ergänzt durch Exponate aus Berlin, Hamburg und Frankfurt.

So ist eine Mammutschau mit Filmen und Theaterausschnitten entstanden. Außerdem wurde eine Hörstation mit Hoppe-Lesungen bespielt. Ein Raum widmet sich der liebevollen Korrespondenz mit Gründgens: Da sich das Paar selten sah, schrieb man einander Zettel: „Liebe, liebe Marianne, dass Du da bist, dass es Dich gibt. Ich kann es nicht zeigen, aber ich lebe davon...”

Eine Anekdote erzählte Museumsleiter Winrich Meiszies. Er traf Hoppe 1979 bei einer Ausstellung über Gründgens. Damals hatte er die zweifelhafte Ehre, sie in seiner klapprigen grünen Ente vom Hauptbahnhof abzuholen. Die Diva - Autor-Närrin, BMW-Fahrerin - verzog keine Miene. Sie sei gleich fasziniert gewesen von Hoppes Grandezza, Chuzpe und Intelligenz, ergänzte Birgit Pargner.

Glückliche Kindheit - wild und frei

Los geht es mit der kleinen „Janni”: Sie wuchs auf einem Gut in Felsenhagen/Brandenburg auf - Fotos bebildern das Land. Sie habe eine herrliche Kindheit gehabt, wild und frei, erzählte Hoppe. Früh wollte sie Schauspielerin werden, 1928 wurde sie in Berlin engagiert. Bereits im Jahr darauf spielte die junge Frau unter der Regie von Gründgens. Dann Frankfurt, München, erste Erfolge. In den 30ern wandte sie sich dem Film zu, war etwa Effi Briest in „Der Schritt vom Wege”. Regie: wieder Gründgens. Aus Freundschaft wurde Liebe. 1936 heirateten die beiden.

Verbunden blieben sie ein Leben lang, obwohl die Beziehung bald bröckelte - Hoppe ihr Kind mit einem anderen Mann bekam. Gründgens war es, der ihr Kraft gab, als sie sich wegen der Karriere in der NS-Zeit schuldig fühlte, zusammenbrach und ein Jahr in Sanatorien verbrachte. Als Intendant des Schauspielhauses überredete er sie, wieder Theater zu spielen. Von 1947 bis 1954 blieb Hoppe in Düsseldorf.

Eigener Anspruch viel zu hoch

„Königinnen und Knacksdamen” waren ihr Fach, noch als über 80-Jährige brachte sie als „King Lear” Regisseur Robert Wilson zur Weißglut. Ihre Karriere beendete die Diva am Berliner Ensemble. 2002 verstarb Marianne Hoppe 93-jährig. Nur ihre Autobiografie, die sollte nie erscheinen. Ihr eigener Anspruch, berichtet Pargner, war viel zu hoch.

Petra Kuiper

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