Überwältigendes Engagement für Flüchtlinge in Düsseldorf

Die Organisatoren von Bürgerstiftung und Gemeinde St. Margareta freuten sich über die riesige Resonanz von Bürgern, die sich engagieren wollen.
Die Organisatoren von Bürgerstiftung und Gemeinde St. Margareta freuten sich über die riesige Resonanz von Bürgern, die sich engagieren wollen.
Foto: Fröhling
Was wir bereits wissen
180 Menschen wollen ehrenamtlich im Düsseldorfer Osten helfen. „Das macht Mut“, freut sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Stadtrat.

Düsseldorf..  125 Stühle stehen im Saal des alt-ehrwürdigen Stiftsgebäudes in Gerresheim. Die sollten reichen, dachten sich die Verantwortlichen von Bürgerstiftung Gerricus und katholischer Gemeinde St. Margareta. Sie hatten sich getäuscht: Es kamen 180 Bürger zur Veranstaltung mit dem Titel „Wie kann ich mich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren?“

Und sie setzten damit im Düsseldorfer Osten, wo in den vergangenen Wochen ablehnende Stimmen und Bürgerproteste gegen die von der Stadt geplanten Flüchtlingsunterkünfte an der Blanckertzstraße und am Bongard laut wurden. „Es sind weitaus mehr Leute gekommen, als wir erwartet hatten“, freute sich Martin Seiffert, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates.

Ziel dieser ersten Veranstaltung war es, Informationen zu geben und Menschen zusammen zu bringen, die Flüchtlingen in Gerresheim und Ludenberg helfen möchten und so bürgerschaftliches Engagement zu bündeln. Dazu wurden Arbeitsgruppen gebildet, in denen jeder seine Fähigkeiten, Vorschläge und Ideen einbringen konnte. Vor allem auf den folgenden Gebieten:

Sachspenden: Die Flüchtlinge haben nichts, wenn sie hier ankommen. Sie bekommen zwar Leistungen, die in etwa dem Hartz 4-Regelsatz entsprechen, aber Grundausstattung wie Pfannen, Töpfe, Besteck aber auch Lebensmittel und Hygieneartikel werden benötigt.

Sprachförderung: Gesucht werden Menschen, die den Flüchtlingen Deutschkenntnisse vermitteln. Caritas-Sozialarbeiter Murat Bouad weiß: „Die Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf Sprachunterricht. Die Leute, darunter viele gut gebildete Studenten, Ingenieure oder Ärzte sitzen in den Heimen herum, dabei sind sie hoch motiviert und wollen Deutsch lernen.“

Lotsen: Das sind ehrenamtliche Betreuer, die den Flüchtlingen helfen bei Arzt-Besuchen, aber vor allem im Kampf mit deutschen Behörden, sie unterstützen bei Bescheiden, beim Briefe schreiben und sie dolmetschen. Gut ist, wenn die Lotsen Sprachkenntnisse haben, um mit den Flüchtlingen kommunizieren zu können – notfalls mit „Händen und Füßen“. Und: Stehvermögen und Beharrlichkeit gegenüber Behörden wird erwünscht...

Beschäftigung: Hier werden Ehrenamtler gesucht, die Freizeitaktivitäten mit den Flüchtlingen unternehmen, beispielsweise Kaffeetrinken, gemeinsame Abendessen organisieren oder kleine Fahrten. Mit den örtlichen Sportvereinen wird bei einem Treffen am 4. März ausgelotet, wie sie die Flüchtlinge in ihre Arbeit einbinden können.

Zu Beginn der Veranstaltung machte Diakon Oliver Steinbrecher deutlich, dass die „Willkommenskultur“ der Gemeinde ausdrücklich auch für Flüchtlinge gilt: „Und zwar nicht nur für christliche Flüchtlinge, sondern für alle“, fügte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Seiffert hinzu. Auch frage man nicht, warum diese Menschen hier sind: „Wir wollen für alle da sein!“ Und dabei gebe es auch keine Konkurrenz zur evangelischen Gemeinde, die in Geresheim bei der Flüchtlingshilfe und auch mit ihren jeweiligen Sozialdiensten Caritas und Diakonie zusammenarbeiten.

Völlig begeistert von dem riesigen Interesse zeigte sich Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt. „Wow“, so ihre erste Reaktion. „Es ist toll, wie das hier läuft.“ Völlig beeindruckt auch Marie Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende der FDP-Fraktion im Stadtrat, früher selbst Gerresheimerin und in den 90er Jahren Vorsitzende des Pfarrgemeinderates: „Das ist sehr, sehr schön. Aber das ist Geresheim. Hier gibt es ein großes, soziales Umfeld, das wird an einem solchen Abend deutlich.“ Und bewegt fügte sie hinzu: „Das macht mir Mut, bei alldem, was man in den vergangenen Woche alles aus Ludenberg gehört hat...“