Das aktuelle Wetter Duesseldorf 8°C
Verkehr

U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden

26.10.2009 | 06:00 Uhr
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden

Düsseldorf. In rekordverdächtigen 55 Stunden haben die U-Bahn-Bauer in Düsseldorf die zweitgrößte Einkaufsstraße der Landeshauptstadt komplett umgebaut: Damit es unterirdisch weitergehen kann, verlegten sie am Wochenende neue Straßenbahn-Schienen - für ein einjähriges Provisorium.

100 Bauarbeiter waren seit Freitagabend 55 Stunden auf der Schadowstraße im Einsatz. Foto: Kai Kitschenberg

Der Zeitplan war sehr eng. Gerade mal 55 Stunden blieben den 100 Bauarbeitern, um Düsseldorfs größte Einkaufsmeile wieder voll funktionsfähig zu machen. Seit Freitagabend war die Schadowstraße eine Fußgängerzone, aber keine, die zum Verweilen einlud: überall Dreck, Hektik, Staub, Lärm. Autos und Straßenbahnen durften nicht durch. Die großen Baufahrzeuge benötigten jeden freien Quadratmeter für sich. Komplettsperrung - und das von Freitag bis heute früh.

Schienen versetzt, Laternen aufgestellt

Die südliche Straßenhälfte muss für den U-Bahn-Bau frei gemacht werden, Gleise und Fahrspuren wurden deshalb auf die andere Seite verlegt. In einer rekordverdächtig kurzen Zeit wurde eine der wichtigsten Straßen Düsseldorfs komplett umgebaut. Jetzt liegen dort die Schienen um einige Meter versetzt, wurden die Anschlüsse zu den alten Strängen gerade fertiggestellt, neue Laternen installiert, der Fahrdraht gespannt. Das alles für ein einjähriges Provisorium.

Die Einzelhändler warten neugierig ab, ob der Umbau rechtzeitig fertig wird. Hauptsache, heute, am Montag, ist der „Schlamassel vorbei”. Geschuftet wurde rund um die Uhr. Gerd Wittkötter, Projektleiter für die Wehrhahnlinie, hatte in der ersten Nacht beobachtet, wie die einzelnen Bautrupps unter dem gleißenden Flutlicht wie in einem Zahnradgetriebe Hand in Hand arbeiteten. „In diesem Moment hatte ich das sichere Gefühl, wir schaffen es.” Heute um vier Uhr früh wird die Schadowstraße wieder für den Verkehr freigegeben. Zwischendurch musste sogar die Berliner Allee für die letzten kreuzenden Gleisanschlüsse auf eine Fahrspur verengt werden.

Schwierigste Bauphase vor dem Weihnachtsgeschäft

Was für ein Aufwand. Und der eigentliche Tunnelbau startet erst im März 2010. Gegen die Tunnelfräßmaschine sind diese Bagger beinahe Leichtgewichte. Foto: Kai Kitschenberg

Schon bei den monatelangen Vorbereitungen war klar, dass in diesen zwei Tagen und drei Nächten die bisher schwierigste oberirdische Bauphase zu bewältigen war: mitten im Herzen der City, am großen Verkehrsknoten Berliner Allee. Wittkötter: „Wir wussten von Anfang an, dass wir das rechtzeitig vor dem großen Weihnachtsgeschäft schaffen müssen.”

Schon seit über einem Jahr ist die Schadowstraße eine Baustelle, ein Engpass. Der Deckel für den U-Bahnhof auf der nördlichen Straßenseite ist fertig. Jetzt muss dort der Verkehr drüber rollen, damit auf der anderen Seite die Schlitzwände für die Baugrube des Bahnhofs gesetzt und anschließend dort ebenfalls gedeckelt wird. Erst dann, in genau einem Jahr, werden die meisten Hindernisse für die Autofahrer und Fußgänger weggeräumt, während der U-Dax weiter im Untergrund wühlt.

Einige Geschäfte nur noch über Stege erreichbar

Jetzt bleibt die Schadowstraße noch ein Nadelöhr: ein neuer 4,50 Meter breiter Streifen je Richtung für Bahnen und Autos. Für die Fußgänger auf Südseite wird ein vier Meter breiter Streifen freigehalten. Hier und da im Zick-Zack-Kurs. Manche Geschäfte werden zeitweise nur über Stege zu ereichen sein.

Viele Pendler und Kunden umfahren den Stau, erklärt Verkehrsdzernentin Andrea Blome.

Gerd Wittkötter und Andrea Blome, Chefin des Verkehrsmanagements, wissen, welche Belastungen vor allem Anwohnern sowie Kunden, Verkäufern und Autofahrern zugemutet werden. Aber die beiden sehen bereits das Licht am anderen Ende des Tunnels. „Jetzt ist Halbzeit bei den oberirdischen Arbeiten ”, muntern sie zum Durchhalten auf. Bis Ende nächsten Jahres ist das Schlimmste überstanden, sind die Straßen (hoffentlich) wieder in einem einigermaßen respektablen Zustand, fließt der Verkehr wie gewohnt mitten durch - und nicht mehr durch enge Spuren am Rand.

Tunnelfräßmaschine kommt per Schiff nach Düsseldorf

Die Befürchtung, dass die Bauarbeiten den Autoverkehr in der City zum Erliegen bringen, haben sich bisher nicht bestätigt, so Andrea Blome. Viele Pendler und Einkaufskunden suchen sich andere Wege, umfahren möglichst den Stau. Ungehindert freie Fahrt gibt es wieder ab Juli 2010 auf dem Graf-Adolf-Platz, ab Oktober 2010 auf der Schadowstraße und auf dem Kirchplatz und ab Anfang 2011 auf der Jacobi-und Pempelforter Straße. Nur auf der Kasernenstraße wird es weiter eng bleiben.

Und unten? Der unterirdische Bau der Tunnelröhre startet am 1. März 2010 vom Startschacht Bilk Richtung City. Die riesige Tunnelbohrmaschine, die sich durch die Erde fräst, kommt bereits am 6. November per Schiff nach Düsseldorf. Bis November 2011 ist der U-Bahn-Tunnel im Rohbau fertig. Die Jungfernfahrt auf der neuen Wehrhahnlinie ist 2014.

Mehr zum Thema:

U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55...

Michael Mücke

Facebook
 
Kommentare
26.10.2009
21:08
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden
von TauschtdieLeuchten | #5

Die Schadowstraße wird Ende 2010 nicht zur Ruhe kommen, wenn der Köbogen gebaut und der Tausendfüßler abgerissen werden.

Das die Schadowstraße danach eine autofreie Straße wird, könnte frühestens ab 2013 der Fall sein - denn dann haben wir die Möglichkeit einen neuen Rat zu wählen.

26.10.2009
20:05
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden
von hubert.braun | #4

Da ich, @KRichard, damals in München den U-Bahn-Bau in offener Grube erleben und erdulden musste, kommt mir das Gejammere hier in Düsseldorf unwirklich vor.

26.10.2009
16:41
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden
von Banger | #3

Tunnelfräßmaschine? Klar, wird ja auch von Fräße abgeleitet, woll?
Meine Freße. (!)

26.10.2009
12:26
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden
von KRichard | #2

@AntonR: Nachplappern muss sicherlich niemand, aber die Schadowstr. wird -laut Plan- ab Ende 2010 keine Baustelle mehr sein. Es bleiben lediglich die oberirdischen Arbeiten an den Treppen der jeweiligen U-Bahnhöfe übrig. Bis Ende 2010 ist in der Schadowstr. der letzte Düsseldorfer Deckel montiert. Die weitere Bautätigkeit für Tunnel und Bahnhöfe wird unterirdisch verlaufen. Nun ist es an der Politik, ab diesem Zeitpunkt evtl bereits den Individualverkehr aus dem Abschnitt bis Kaufhof Wehrhahn heruaszunehmen und somit ab Anfrang 2011 diesen Abschnitt der Schadwowstr. attraktiver zu machen.

26.10.2009
07:51
U-Bahn-Bauer sperrten Einkaufsstraße 55 Stunden
von AntonR. | #1

Muss man eingentlich alles was Blome und Wittkötter verlautbaren kritiklos nachplappern?
Auf der Schadowstraße folgt jetzt die Zeit der schwersten Beeinträchtigung durch die Arbeiten auf der Südseite und durch den Kö-Bogen werden sich die Beeinträchtigungen bis 2014/15 hinziehen.
Auch am oberen Wehrhahn werden die Arbeiten bis mindestens 2014 dauern (Endschacht TBM und Rampe).
Und die Händler sind bestimmt glücklich, dass auf der Schadowstraße rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft Gräben aufgerissen werden und Lärm und Dreck vorherrschen werden.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/36087/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Nichtschwimmer stirbt nach Badeunfall
Unglück
Tödlicher Leichtsinn: Das Abtauchen ins kühle Nass an einem sommerlich-warmen Abend kostete einem 36-Jährigen das Leben. Obwohl der Leiharbeiter aus Polen Nichtschwimmer war, sprang er am Sonntag gegen 19.20 Uhr in den Elbsee. Dabei hatte der Mann offensichtlich unterschätzt, dass es hier schon am...
Hohe Waldbrandgefahr in Düsseldorf
Feuerwehr
Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann ausreichen, um einen verheerenden Waldbrand auszulösen. Die Stadt Düsseldorf mahnt deshalb besonders jetzt zum vorsichtigen Umgang mit Feuer im Freien. Bei Verstößen gegen Verbote drohen hohe Strafen.
Text