U-Bahn-Bau: Keine weiteren Auffälligkeiten
11.03.2010 | 19:30 Uhr 2010-03-11T19:30:00+0100
Düsseldorf. Trotz des mutmaßlichen Pfuschs beim U-Bahn-Bau kann der Zeitplan für das Projekt Wehrhahnlinie eingehalten werden.
Trotz des mutmaßlichen Pfuschs beim U-Bahn-Bau kann der Zeitplan für das Projekt Wehrhahnlinie eingehalten werden. „Wir sind nicht im Verzug; und es gibt auch keine weiteren Auffälligkeiten“, erklärte gestern Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement.
Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft gegen zwei Poliere und gegen Unbekannt ein Ermittlungsverfahren wegen des Fälschens technischer Aufzeichnungen eingeleitet. Die Beschuldigten stehen unter Verdacht, beim Erstellen der Schlitzwände bis zu 27 Mess-Protokolle manipuliert zu haben.
Zahlen nachträglich eingetragen
Möglicherweise geschah dies aus Bequemlichkeit. Die Staatsanwaltschaft geht Hinweisen nach, wonach bei einem Ausfall der Sensoren an der Baggerschaufel nachträglich Zahlen in ein Protokoll eingetragen worden sein sollen, obwohl gar keine Messdaten vorgelegen hätten. Aber nur mit denen kann einwandfrei belegt werden, ob die Schlitzwände, die die Baugruben für die U-Bahnhöfe sichern, wie vorgeschrieben senkrecht in die Erde gelassen wurden. Dabei sind nur Abweichungen von bis zu 30 Zentimetern erlaubt.
Die Justizbehörde wird in Kürze den Software-Chef von Bilfinger Berger als Zeugen vorladen, um mehr Klarheit über das technische Verfahren zu bekommen. Zwar erkundigten sich vor wenigen Tagen zwei Staatsanwälte vor Ort über das Prozedere. Aber 26 der 27 Protokolle waren erstellt worden, bevor im Mai 2009 eine neue Software installiert wurde. „Wir wollen wissen warum, und ob es vorher bei der Protokollerstellung große Unterschiede gab“, erklärte Johannes Mocken, Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Stadt geht inzwischen auf Nummer sicher
Die Stadt geht inzwischen auf Nummer sicher. Die jetzigen Schlitzwand-Arbeiten auf dem Kirchplatz werden fotografisch dokumentiert. Außerdem müssen die Original-Mess-Daten den städtischen Kontrolleuren ausgehändigt werden. Bilfinger Berger hat nicht nur arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen, einen hier beschuldigten Polier entlassen, einen weiteren Polier, einen Bauleiter sowie einen Oberbauleiter, die die Aufsicht hatten, suspendiert. Der Konzern beauftragte außerdem den Bauwissenschaftler Claus Jürgen Diederichs, Professor an der Uni Wuppertal, damit, die Schwachstellen bei der Überwachung der U-Bahn-Baustellen ausfindig zu machen und zu beseitigen. „Uns interessiert: Wie konnte das passieren? Und: Was müssen wir ändern?“, so ein Sprecher von Bilfinger Berger.
0mitdiskutieren