"Tut mir ja echt leid" - Lindenberg entschuldigt sich bei seinen Fans für Verspätung

Stundenlanges Warten in der Hitze: Viele Fans waren über den verspäteten Konzertbeginn mehr als verärgert.
Stundenlanges Warten in der Hitze: Viele Fans waren über den verspäteten Konzertbeginn mehr als verärgert.
Foto: Stephan Eickershoff
Verärgerung vor dem Konzert von Udo Lindenberg in Düsseldorf: Laut Ankündigung sollte es am Samstag um 18 Uhr losgehen — aber der Kult-Musiker ließ seine Fans warten. Stundenlang. Und das war in der Bullenhitze nicht das einzige Problem.

Düsseldorf.. Für viele Fans von Udo Lindenberg war der Abend gelaufen, bevor er überhaupt angefangen hatte: Der Sänger ließ Tausende Anhänger mehr als drei Stunden lang warten.

Unter dem Hashtag #panikparty machten die verstimmten Fans ihrem Ärger auf Twitter Luft. Angeheizt wurde die Stimmung nämlich durch einen munteren Facebook-Post des Lindenberg-Accounts: "Liebe Leude, gleich heben wir gemeinsam ab, see you in the sky, eure Nachtigall". Das sahen viele als Verhöhnung an.

"Wir fahren nach Hause! Schade", kommentiert ein enttäuschter Fan. "Die Stimmung ist doch dahin", stellt eine junge Frau enttäuscht fest. Manche Fans waren so sauer, dass sie ihre Tickets noch vor der Halle zerrissen und nach Hause gingen.

Die massive Verspätung wäre für einige Fans noch zu verschmerzen gewesen. Aber andere Probleme brachten sie dann doch auf die Palme, wie die Meldungen bei Twitter zeigen. Denn zum einen war das Dach der Esprit-Arena trotz der brütenden Hitze geschlossen — zum anderen ging offenbar schnell das Wasser an den Getränke-Ständen zur Neige. Auch über die Getränkepreise regten einige Twitterer sich auf.

Aber die, die durchhielten, wurde am Ende wohl doch entlohnt: Das Konzert war grandios. "Letztlich war die Panikparty eine ganz große Show", sagen die Fans einhellig. Das wischte den Ärger aber nur halb beiseite.

Nach dem Konzert entschuldigte sich Udo Lindenberg per Facebook bei seinen Fans: "liebe leude, ich hab ja hinter der bühne von diesem ganzen debakel gar nix mitgekriegt, erfahre erst jetzt, was da los war.. tut mir ja echt leid, ich würde meine fans nie warten lassen- hatte die ansage, um 21 uhr startet die panik-show..."

Am Sonntag meldete sich schließlich auch noch Veranstalter Roland Temme via Facebook an die Lindenberg-Fans. "Wir haben die Erwartungshaltung der Udo Fans falsch eingeschätzt und nicht gesehen, dass viele Fans erwarten, dass Udo auch im Stadion um 18:00 Uhr auf die Bühne geht, wenn auf den Tickets 18:00 Uhr als Beginn genannt wird", schrieb er und nahm Lindenberg in Schutz: "Udo hat nichts verkehrt gemacht, das geplante Timing ist von uns nicht optimal kommuniziert worden."

Für das zweite Stadionkonzert in Düsseldorf am Sonntagabend gingen die Organisatoren in Sachen Kommunikation denn auch auf Nummer sicher. Am Nachmittag kündigten sie auf der offiziellen Lindenberg-Facebook-Seite an, wie der Abend ablaufen sollte: "Showstart um 18.15 Uhr mit Max Buskohl".

Und so war das Lindenberg-Konzert am Samstag

Es war eine spektakuläre und symbolgeladene Szenerie, die sich Panikrocker Udo Lindenberg am Samstagabend für den Start der ersten Stadion-Tournee seiner jahrzehntelangen Musikkarriere gewählt hatte. Während sich ein riesiger Schiffsdampfer aus einem tosenden Meer heraus auf die Bühne schob, schwebte der 68-jährige Deutschrockstar zum Song «Odyssee» in einer Stahlgondel über die Fans hinweg auf die Bühne der mit rund 45 000 Zuschauern ausverkauften Düsseldorfer Esprit Arena. Der «Rockliner» hatte angelegt - und mit ihm das legendäre Panikorchester sowie eine riesige Crew aus Tänzern und Musikern, um bei hochsommerlichen Temperaturen ein rund dreistündiges Rockspektakel zu feiern.


«Es ist ein panikhistorisches Wochenende», sagte Lindenberg zum Start seines ersten von zwei Shows am Samstag und Sonntagabend in Düsseldorf. Mit der Stadiontour ist für den 1946 in Gronau geborenen Musiker ein «westfälisch-amerikanischer Traum» in Erfüllung gegangen, der die seit seinem Comeback mit dem Album «Start wie Zwei» anhaltende Erfolgswelle krönt.


Das Konzert gestaltete sich als eine Reise durch die lange Musikkarriere Lindenbergs, der mit dem Konzert an die Wurzeln seines beruflichen Weges zurückkehrte. Als Page, Tellerwäscher und Liftboy hatte er 1962 im Hotel Breidenbacher Hof seine berufliche Laufbahn gestartet, um von dort aus - zunächst als Schlagzeuger und später als Sänger - die deutschsprachige Rockszene zu erobern. Seine ersten großen Erfolge aus den 1970er sind auch heute noch präsent - begeistert sangen die Fans unter anderem bei «Alles klar auf der Andrea Doria» oder «Cello» mit, das Udo Lindenberg gemeinsam mit Popsänger Clueso vortrug.

Lindenberg hatte zahlreiche Gäste mitgebracht

Wie schon bei seinem MTV-Unplugged-Auftritt 2011 im Hamburger Hotel Atlantic, deren Aufzeichnung sich zu einem großen Verkaufserfolg entwickelte, hatte Lindenberg auch am Samstagabend wieder zahlreiche Gäste mitgebracht. Neben Clueso waren unter anderem Peter Maffay, Max Herre, Helge Schneider und Otto Waalkes mit von der Partie.


Im Gegensatz zum eher ruhigen Unplugged-Auftritt ließ es Lindenberg bei seiner ersten Stadion-Tour richtig krachen. Musikalisch bestimmt war der Auftritt vom vollen Rocksound seines Panikorchesters - und natürlich dem gewohnt schnoddrigen Gesang Lindenbergs. Der Panikrocker zeigte, dass trotz gehobenem Rockeralters noch jede Menge Energie in ihm steckt. Nahezu unermüdlich tanzte und rannte er schwitzend mit schwarzer Sonnenbrille und Hut über die Bühne. Zwischenzeitlich ölte er sich dann mit Eierlikör seine Stimmbänder, gönnte sich eine Zigarre oder holte sich von seinen knapp bekleideten Tänzerinnen Küsse ein.

«Der Greis ist heiß» mit Otto Waalkes

Wiederholt nahm er aber auch sein Alter auf die Schippe, unter anderem als er sich zu seinem Song «Der Greis ist heiß» mit Otto Waalkes und einer Truppe Senioren im Rollstuhl über die Bühne schieben ließ.


«Betreutes Rocken» betitelte Lindenberg in einer Ansprache sein Konzertkonzept, das mit vielen spektakulären Einlagen aufwartete. Zum Song «Gerhard Gösebrecht» ließ er etwa ein Ufo mit Aliens von Stadiondecke auf die Bühne herunterschweben, zur «Klavierlehrerin» spielte ein Matrose an einem aufblasbaren Riesenklavier - und am Ende der Show durften natürlich auch Feuerfontänen nicht fehlen.

Lindenberg zeigt sich auch als politischer Künstler

Zudem zeigte sich Lindenberg jedoch auch als politischer Künstler. Gemeinsam mit Max Herre propagierte er eine «Bunte Republik Deutschland», mit Gast Peter Maffay rockte er gegen Rechtsextremismus und mit einem Kinderchor stimmte der das Friedenslied «Wozu sind Kriege da?» an. Für Pfingstmontag kündigte er zudem einen Auftritt bei einem Gedenkkonzert zum 10. Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Köln-Mülheimer Keupstraße an.


Mit seiner Stadion-Tournee gastiert er nach dem Ausflug in den «wilden Westen» auch im «wilden Osten»: Am 13. und 14. Juni stehen zwei Stadion-Auftritte in der Leipziger Red-Bull Arena an - die Fans dürfen sich auf einen langen Abend mit Lindenberg freuen, der auch dort sicher erst kurz vor Mitternacht enden wird. (dpa)