TÜV sieht keinerlei Umweltgefahr
16.05.2011 | 20:13 Uhr 2011-05-16T20:13:00+0200
Monheim. Sie ist farblos bis leicht gelblich und riecht stechend: Die Flüssigkeit Toluol-Diisocyanat, abgekürzt: TDI. In der EU-Gefahrstoffverordnung trägt sie die Klassifizierung T+, „sehr giftig“. Denn sie reizt Augen, Haut und Atmungsorgane. Diese Chemikalie will Bayer MaterialScience in einer neuen Anlage herstellen. 300 000 Tonnen pro Jahr sollen im Werk Dormagen zusätzlich produziert werden. Das Unternehmen investiert 150 Millionen Euro.
Weil das Ganze in Sichtweite zu Monheim stattfindet und weil der Gefahrenbereich zumindest auch den rechtsrheinischen Rheinbogen erfasst, hat das Unternehmen gestern mit einer Informationswoche begonnen. Monheimer Politiker, Vereine und Initiativen sollen über das Vorhaben informiert werden.
Umwelt-Gutachten
Die Genehmigungsanträge für die neue TDI-Anlage sind bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Teil dieser Papiere sei ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit, so Dieter Kuhne, Leiter der TDI-Produktion in Dormagen. Mit dem TÜV-Süd holte man sich einen allseits anerkannten Gutachter.
Der hat die Umweltverträglichkeit untersucht und gibt dem Projekt den TÜV-Stempel. Keine Bedenken! Die Untersuchung habe keine nachteiligen Auswirkungen von Zusatzbelastungen aus der neuen Anlage für angrenzende Wohngebiete und Freiflächen oder für im weiteren Umfeld befindliche Naherholungs- und Naturschutzgebiete ergeben, fasste Dieter Kuhne die Ergebnisse zusammen. Alles im grünen Bereich, aus Sicht von Bayer.
Das neue TDI-Verfahren sei ein „Meilenstein hinsichtlich Energieeffizienz, Umweltverträglichkeit und Produktivität“ und erfülle höchste Sicherheitsstandards. „Wir sehen daher den Ergebnissen der behördlichen Prüfung zuversichtlich entgegen und hoffen natürlich auch auf weiterhin positive Reaktionen und politische Akzeptanz aus der Region für unser Projekt“, betonte Kuhne.
Im nächsten Schritt werden die Neubaupläne von Bayer im Monheimer Rathaus vier Wochen lang offen gelegt. Dort können sich interessierte Bürger über das Projekt auf der gegenüberliegenden Rheinseite informieren und – falls erwünscht – ihre Bedenken zu Protokoll geben.
Bei einem Anhörungstermin – voraussichtlich im Herbst – werden zwischen dem Regierungspräsidenten Köln, Bayer und interessierten Gruppen alle Bedenken erörtert. Dann hat das Unternehmen Gelegenheit, sich zu äußern. Wenn für das Unternehmen alles positiv läuft, könnte Anfang 2012 mit dem Neubau begonnen werden.
Zur Herstellung von TDI werden unter anderem anderem große Mengen von Kohlenmonoxid, CO, benötigt. „Die derzeit in Dormagen verfügbaren CO-Mengen reichen für die neuen Mengen an TDI nicht aus“, sagte Bayer-Sprecher Ralf Guether der NRZ. Auf die CO-Pipeline habe das aber keinen Einfluss. Neue Anlagen zur CO-Produktion seien Teil des Projekts.
21:41
Boah wie gefährlich.Das kann jeder Hempel nachgoogeln das man für TDI Phosgen benötigt. Wird seit Jahren in Lev. produziert. Man kann es auch als Giftgas einsetzen. Da habt ihr ja den meisten Spaß dran. Die größten und unmöglichsten Horrorszenarien an die Wand malen.
10:21
Das gefährlichste Vorprodukt von TDI wird leider nicht erwähnt: Phosgen, immerhin ein Kampfgas im 1. Weltkrieg. Hiervon sollen künftig weit über 100.000 to pro Jahr hergestellt werden. Bei einem Erdbeben, Flugzeug-Absturz oder einer produktionsbedingten Explosion (wie es sie bei Bayer oft gegeben hat!) ist dies eine unabsehbare Gefahr. Bayer sollte alles daran setzen, im neuen PUR-Forschungszentrum phosgenfreie Verfahren zu entwickeln.
Mehr Infos: cbgnetwork.org/2649.html