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Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag

20.02.2013 | 00:17 Uhr
Der Bau der Hochstraße Tausendfüßler in der Düsseldorfer Innenstadt. Das Foto stammt aus dem Jahr 1961. Im Hintergrund zu sehen das Dreischeibenhaus. Eröffnet wurde der Tausendfüßler am 5. Mai 1962.Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Düsseldorf.   51 Jahre nach ihrer Eröffnung wird die einst als städtebauliche Sensation bezeichnete und von den Düsseldorfern „Tausendfüßler“ genannte Hochstraße abgerissen. Am Sonntag steigt eine Abschiedsparty, am Montag beginnt der Abriss, später wird ein Tunnel als Ersatz gebaut.

Die Tage des Tausendfüßlers sind gezählt. Kommenden Montag beginnen die Abrissarbeiten an der Hochstraße. Die Diskussion um die Zukunft des Tausendfüßlers hat die Stadt gespalten.

Viele sind froh, dass das „hässliche Ding“ endlich verschwindet. Und viele sind traurig, dass ein Stück Düsseldorfer Denkmal- und Baugeschichte platt gemacht wird.

„Jan Wellem Hochstraße“ hieß schon bald Tausendfüßler

Denn vor 51 Jahren war es eine Sensation: Um den Verkehr in der Innenstadt flüssig zu halten und die gegenseitige Belästigung von Autos, Straßenbahnen, Fußgängern und Radfahrern zu minimieren, wurde am 5. Mai 1962 eine neue Hochstraße in der Düsseldorfer City in Betrieb genommen. Es war an einem Samstag, als erstmals der Verkehr über die 670 Meter lange „Jan Wellem Hochstraße“ rollte. Der Name hielt sich nicht lange, wie Manfred Droste von der Initiative „Lott stonn“ weiß: „Schon bald erhielt die Straße ihren Spitznamen Tausendfüßler.“ Bis heute hat sich die Bezeichnung gehalten. Dabei hat die Hochstraße keine tausend sondern 21 Füße (Stützen): Elf unter der Geraden in der Verlängerung der Kaiserstraße, je fünf unter den Abzweigungen zur Immermannstraße und zur Berliner Allee.

Tausendfüßler früher und heute

Der Stadtrat hatte 1960 den Bau der Hochstraße beschlossen, Fußgängerpassagen ergänzten das Konzept. Der damalige Baudezernent Friedrich Thamms, ein erfahrener und anerkannter Brückenbauer, bemühte sich um die besondere technische und gestalterische Qualität des Bauwerks. Auf die Frage nach der Lebensdauer hatte er im Stadtrat geantwortet: „200 Jahre!“ Gerade einmal ein Viertel davon hat der Tausendfüßler nun geschafft...

Stadtplaner lehnten Tunnellösung ab

Dem Bau vorausgegangen war ein Gutachten der damals berühmtesten Stadtplaner Professor Werner Hebebrand (Hamburg) und Professor Rudolf Hillebrecht (Hannover), die aus Gründen der Stadtgestaltung und nicht aus wirtschaftlichen Gründen den Bau der Hochstraße empfahlen. Eine Tunnellösung lehnten sie ab. Besonders wegen der störenden Rampen. Später wurde die Straße wegen der Gestaltung und als wichtiges Zeugnis der Architektur der 60er Jahre unter Denkmalschutz gestellt – auch als Bestandteil eines Ensembles mit Schauspielhaus und Dreischeibenhaus, die ebenfalls unter Denkmalschutz stehen, wie Droste betont.

Doch die einst abgelehnte Tunnellösung kommt jetzt – und damit das Ende des Tausendfüßlers. Auf Grund eines Beschlusses der Stadtrats-Mehrheit aus CDU und FDP wird der Tausendfüßler im Zusammenhang mit den Planungen für das Prestige-Projekt Kö-Bogen abgerissen und durch einen Tunnel für den Nord-Süd-Verkehr ersetzt. SPD und Grüne waren gegen diese Pläne, auch die Bürgerinitiative „Lott stonn“.

Weil der Antrag zur Aufhebung des Denkmalschutzes vom Landes-Denkmalpfleger abgelehnt wurde, musste vergangenes Jahr der NRW-Bauminister über Abriss oder Erhalt des Tausendfüßlers entscheiden. Er prüfte gründlich, ließ sich zur Verärgerung der Stadtverwaltung und der schwarz-gelben Stadtrats-Mehrheit viel Zeit und gab ein Gutachten über Zustand und Renovierungsbedarf der Hochstraße in Auftrag – bevor er grünes Licht für den Abriss gab .

Bevor unser Tausendfüßler fällt, gibt es am Sonntag ab 13 Uhr eine Abriss-Party. Und da werden viele Düsseldorfer Tränen in den Augen haben...

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Kommentare
Kommentare
24.02.2013
11:00
In Düsseldorf spielt Geld mal wieder keine Rolle und wir auch dort vergraben
von Relativitaet_ist_relativierbar | #5

Und noch ein teurer Straßen-Tunnel für D.-dorf im Auegebiet des Rheins.
Dieses zeugt nicht gerade von Stadtplanung des 21. Jahrhunderts, wenn wieder alles nur für das Autofahren konfektioniert wird. Das Automobil hat die größten Flächenansprüche in einer Stadt. Bus, Fahrrad, Schiene würde uns so manche Stadt gefälliger erscheine lassen, würde endlich mal die Auto-Stadtplanung der 60er Jahre "ENDLICH" mal als Planung von gestern abgehandelt werden. Wenn ich höre 200 Jahre sollte der Tausendfüssler halten und er dann gerade einmal ein Viertel seiner Lebenserwartung übersteht, so sehen wir doch deutlich, wie kurz hier gedacht wird. Folgekosten werden auf spätere Generationen ungefragt weitergegeben. Mit Planung für die Zukunft hat das nichts zu tun, sondern mit purem Egoismus der heute lebenden Generation. ICH, ICH, ICH und damit wollen wir dann erfolgreich sein?
Ich glaube nicht daran, da das Ende vorhersehbar ist.

1 Antwort
Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag
von Shy_Eye | #5-1

Schließe mich dem uneingeschränkt an!

24.02.2013
10:32
Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag
von Shy_Eye | #4

Übrigens kann ich verstehen, dass die Leute es als hässlich empfinden. Das liegt aber wohl eher an den Stahlträgern die nicht ummantelt worden sind.






24.02.2013
10:27
Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag
von Shy_Eye | #3

Finde ich schade. Dieser Tausendfüßler sieht doch interessant aus und den könnte man ganz sicher auch umfunktionieren.

Ich bin in der Regel kein Fan vom 60er oder 70er Stil, aber das was heute gebaut wird, ist ja teilweise auch nicht besser.

Ausnahmen sind für mich ganz klar: Nürnberg und München! Die einzigen Städte wo es noch etwas wie "Lebensqualität" gibt und wo die Architektur wirklich sehr schön ist. Dort wurde viel Geschichte mit Moderne kombiniert und es harmonisiert wunderbar miteinander.

Schade dass wir in NRW oder im POTT meist so einfältige Menschen am Werk haben...

24.02.2013
10:03
Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag
von kolben-fresser | #2

Die Architektur der 50er und 60er finde ich nicht immer auf den ersten Blick schön, aber oft interessant.

Hier in Dortmund war es die alte Stadt- und Landesbibliothek, die modernen, in meinen Augen gesichtslosen Gebäuden weichen musste, zusammen mit den Arkaden dem Hauptbahnhof gegenüber. Für mich gab diese Architektur der Stadt ein Gesicht, ich habe sie als Ausdruck des Wiederaufbaus nach dem Krieg erlebt.

Ich bin nicht direkt traurig, dass ich die Zeit nur aus Geschichtsbüchern kenne, aber mit dem Abriss solcher Bauten verschwindet für mich auch immer ein Stück Identität einer Stadt.

In Düsseldorf geht es um eine Hochstraße und da kann ich mir vorstellen, dass ihr Verschwinden nicht nur Nachteile hat, also bleibt mein Eindruck zwiespältig.

In jedem Fall: Vielen Dank für die Fotostrecke, die Bilder habe ich mir gern angesehen.

24.02.2013
09:57
Tschüss, Tausendfüßler – Abriss der Düsseldorfer Hochstraße ab Montag
von nina1963 | #1

ich kann nur sagen: Sch... Kö-Bogen. Was sollen wir denn damit? Wer soll denn in den Geschäften einkaufen gehen? Wird sicherlich alles ziemlich teuer sein. Den Jan-Wellem-Platz hätte man viel schöner gestalten können. Busse könnten wie früher wieder von dort fahren und den Tausendfüssler mit dem Geld des Kö-Bogens und des Tunnels restaurieren. Und schon wäre es fast wieder so wie früher. Aber nein, es muss ja alles zugebaut werden. Und da, wo noch der Tausendfüssler steht sieht später alles irgendwie so kahl aus

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