Tote-Hosen-Musiker Breiti kämpft für "FiftyFifty"-Verkäufer

Kämpfen gegen das Verbot: Die "FiftyFifty"-Verkäufer Uwe Tappen (l.) und Ulrike Chirak mit Michael "Breiti" Breitkopf von den Toten Hosen.
Kämpfen gegen das Verbot: Die "FiftyFifty"-Verkäufer Uwe Tappen (l.) und Ulrike Chirak mit Michael "Breiti" Breitkopf von den Toten Hosen.
Foto: Kathrin Migenda / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Um das Verkaufverbot von "FiftyFifty" vor Düsseldorfer Aldi-Filialen zu kippen, engagiert sich "Breiti" von den Toten Hosen für die Straßenzeitung.

Düsseldorf.. Ulrike Chirak ist ratlos. Seitdem Aldi den Verkauf des Straßenmagazins "FiftyFifty" vor Düsseldorfer Filialen verboten hat, fehlt der 64-Jährigen die Struktur im Alltag. "Und mit den Leuten zu reden, das fehlt mir auch." Wie jeden Tag geht sie raus, auf die Straße, auf der Suche nach Routine. Bis vor wenigen Tagen war der Markt an der Erkrather Straße ihr Revier, drei Jahre lang. Wie es jetzt weitergeht, das weiß sie nicht. Das weiß keiner so genau bei Asphalt e.V., dem Trägerverein von "FiftyFifty".

Denn die Verhandlungen mit dem Lebensmittel-Großkonzern liegen momentan auf Eis, die Entscheidung bezeichnete eine Unternehmenssprecherin kürzlich als endgültig. Seit dem 1. Juni gilt das Verbot für sämtliche Aldi-Standorte der Region Langenfeld, zu der neben Düsseldorf auch der Kreis Mettmann und das Bergische Land gehören.

Das betrifft 70 Filialen, das betrifft 150 Straßenzeitungsverkäufer. Ein Drittel der "FiftyFifty"-Mannschaft hat ihren Stammplatz verloren, "ihre Arbeit", wie Blattgründer Hubert Ostendorf betont. An den Auflagenrückgang mag er lieber nicht denken: "Das ist eine Katastrophe für uns alle."

Breiti schätzt die soziale Funktion von "FiftyFifty"

Um seinem Anliegen noch größeres öffentliches Gehör zu verschaffen und Aldi zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen, hat sich Ostendorf wie angekündigt prominente Unterstützung ins Boot geholt: Michael Breitkopf von den Toten Hosen, besser bekannt als "Breiti", setzt sich für die Aufhebung des Verbots ein.

Der 51-jährige Hosen-Gitarrist schätzt die "soziale Funktion" der Zeitungsverkäufer, "da ist eine ganz eigene Kommunikationskultur entstanden." Ostendorf pflichtet bei: "Wir haben millionenfach Kontakte zwischen Arm und Reich hergestellt." Breiti und er würden regelmäßig von Leuten angesprochen, die die Entscheidung Aldis nicht nachvollziehen können.

Obdachlose Der Vorwurf, der im Raum steht: Aldi-Kunden hätten sich von "FiftyFifty"-Mitarbeitern wiederholt durch aggressives Betteln belästigt gefühlt. Dass daraus ein Generalverbot entstand, kann Uwe Tappen nicht verstehen. Der 55-Jährige hat das Blatt acht Jahre lang vor der Filiale an der Münsterstraße in Düsseldorf verkauft. Seine Meinung: "Ich halte diesen Grund für vorgeschoben."

Vor "seinem" Supermarkt habe er immer mal wieder auf ein Fahrrad oder einen Hund aufgepasst, "und ein 'Guten Morgen' ist doch kein Betteln". Ulrike Chirak versichert: "Für unsere kleinen Dienstleistungen waren die Kunden immer dankbar." Was Tappen die Entscheidungsträger gern mal fragen würde: "Ist Aldi jetzt nur noch für reiche Leute?"

Blattgründer: "Den Weg zu Gesprächen nicht verbauen"

Tatsächliche Probleme mit einzelnen Zeitungsverkäufern hätten die Betreffenden doch direkt beim Verein anzeigen können, "die Jungs von FiftyFifty gehen da ganz rigoros vor", weiß Tappen. Sein Mitleid gilt nicht nur den Kollegen, sondern auch den Kassierern und Filialleitern: "Die haben nichts gegen uns, aber sie müssen ihren Anweisungen Folge leisten."

Straßenleben Hubert Ostendorf liegt es am Herzen, sein Vorgehen nicht als Angriff auf Aldi im Ganzen verstanden zu wissen, sondern als Anregung, diese eine, "fatale Weisung von oben" zu überdenken. Um das Verhältnis zu den Verhandlungsführern des Mülheimer Konzerns nicht zu belasten, sahen Ostendorf und Co. ab von dem Plan, dass Breiti am Donnerstag vor dem Aldi-Markt in der Königsallee öffentlichkeitswirksam "FiftyFifty" unters Volk bringt. Ostendorf: "Wir wollten uns den Weg zu Gesprächen nicht verbauen."

Mit einer Fifty-Fifty-Chance könnte Asphalt e.V. schon ganz gut leben.