Torsten Sträter - der Dichter und sein Bademantel
17.10.2009 | 00:15 Uhr 2009-10-17T00:15:00+0200
Düsseldorf. "Slam” steht auf Bonbondosen und Aufklebern, auf Kugelschreibern, Plakaten und Feuerzeugen. Dabei meint „Slam” das, was Torsten Sträter aus Bochum verkörpert. Mit der Pudelmütze auf dem Kopf sitzt er an diesem Vormittag im Zakk, ein gut gelauntes, 43-jähriges Gesamtkunstwerk.
Sein Manuskript hat er leider beim letzten Auftritt in Osnabrück vergessen - so trägt Meister Sträter nur Passagen seines siegreichen Textes vor. „Mein Freund, der Bademantel” heißt das Sechs-Minuten-Werk, mit dem er just den NRW-Landeswettbewerb der Poetry-Slammer gewann. Inhaltlich dreht sich sein Vortrag ums Bügeln unter Haschisch-Einfluss, um einen Schakal und ein bisschen auch um Wölfe, die sich in Vollmondnächten in scheußliche Menschen verwandeln.
Spaß und Happening-Charakter beiseite. Die Deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaft ist eine durchaus ernsthafte Angelegenheit, wenn auch eine mit ganz eigenem Underground-Charme. So ist man im Zakk stolz, den renommierten Poesie-Wettstreit in diesem Jahr nach Düsseldorf geholt zu haben. 250 Poeten aller Altersklassen, Stadtmeister sämtlicher Ortschaften, streiten vom 29. bis 31. Oktober um den Titel des deutschen Meister-Dichters - der streng genommen dreimal gekürt wird. Angetreten wird in drei Gruppen, im Einzelkampf, als Team und als U20er, als Nachwuchskandidat unter 20 Jahren.
50 Stunden Dichtkunst
Für Düsseldorf gehen mehrere Meister an den Start. Nico Semsrott, der im Frühjahr im Schauspielhaus den Stadtmeisterschaftstitel holte. Jonas Jahn, der im Pretty Vacant gewann und Stella Volkenand als Erste der U20-Gruppe.
50 Stunden Poesie kommen zum Vortrag - darunter Skurriles à la Sträter ebenso wie Mini-Krimis und rührende Herzschmerzgeschichten, Gedichte, Limericks und Schüttelreime. Erlaubt ist, was gefällt. Wobei Sträter und die Zakk-Veranstalter Maxim Pause und Pamela Granderath beim Slammen regionale Unterschiede ausmachen. So ist das Publikum in Soest eher an ernsten Texten interessiert, geht im karnevalistischen Rheinland „einfach alles”. Und in Berlin tummeln sich die Geschichtenerzähler, wobei, so Pause, deutschlandweit wieder mehr gedichtet wird.
Der Wettbewerb dauert drei Tage. Der Einzelmeister reist zur Slam-Geburtsstadt, nach Chicago. Austragungsorte sind Schauspielhaus, Zakk und das Pretty Vacant in der Altstadt. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm, das etwa einen Mundart-Slam bietet und von Deutschlands erster Autoren-Fußballteam mit Mönchengladbachs Ex-Trainer Hans Meyer bestritten wird, mit dabei ist Moritz Rinke. Regisseur Sönke Wortmann indes will versuchen, zu kommen, um die Moderation einer Fußball-Lesung in der Fortuna-Bar 95 zu übernehmen. Als Veranstalter tritt neben Zakk und Schauspielhaus das Literaturbüro NRW auf.
Wer Karten will, sollte sich nicht allzu viel Zeit lassen. Weil das Publikum in den Finalrunden ein Wörtchen mitzustimmen hat, sind diese Veranstaltungen schon gut gebucht - 600 Tickets wurden vorab an Schulen und Jugendeinrichtungen verteilt.
Im Finale kann man dann vermutlich auch Torsten Sträter erleben, der mit der Sprache übrigens tatsächlich meisterhaft umgehen kann. Beim Gespräch im Zakk plauderte er zur Freude aller aus dem Nähkästchen. Es sei das lockere Miteinander, das einen Poetry-Slam ausmache, die typische Mischung aus Party, Sport und Literatur. Schwierig sei vor allem die Sache mit der Zeitbeschränkung. Die vorbereiteten Texte dürfen maximal sechs Minuten dauern. So musste man schon manch einen Dichter aus dem Saale tragen, während er noch eifrig vortrug.
13:25
Der kommt aus Waltrop nicht aus Bochum. ;-)