Tilly: „Ich gehe weiter meinen Weg“

Er ist Düsseldorfs bekanntester Satiriker, beißender Spott in „3 D“ sein Markenzeichen. Jacques Tillys Mottowagen im Rosenmontagszug sorgen regelmäßig weit über die regionalen Grenzen hinaus für Furore. Klerikale Schelte zählt zu seinen liebsten Pappmaché-Kreationen, sei es gegen die katholische Kirche oder Auswüchse des Islam. Deshalb setzte es auch häufig schon derbe Kritik. „Da gab es Beleidigungen und anonyme Briefe. Aber nie etwas Lebensbedrohliches“, sagt der 51-Jährige, der die Nachricht von dem tödlichen Anschlag in den Pariser Räumen des Satire-Magazins Charlie Hebdo am Mittwochmittag von seinem Bruder per SMS bekommen hat.

Nach Trauer, Schock und Wut reifte die Erkenntnis: „Satire ist und bleibt ein wichtiges Mittel, um Intoleranz und Fanatismus zu entlarven.“ Die weltweiten Solidaritäts-Bekundungen mit den Opfern und insbesondere in Frankreich unter dem Slogan „Je suis Charlie“ habe ihm beim „Verarbeiten des feigen Anschlags durchaus gut getan“.

Wird der Künstler es sich künftig zwei Mal überlegen, einen islam-kritischen Karnevalswagen zu gestalten? Oder gilt das Motto: Jetzt erst recht? Tilly überlegt nur kurz und sagt sachlich: „Ich gehe weiter meinen Weg.“ Und: „Jeder hat halt seine Aufgabe.“ Diese steht am 16. Februar beim Rosenmontagszug an. Keine Frage, natürlich wird der Kreativ-Kopf der Düsseldorfer Wagenbauer das heikle Thema aufgreifen und garantiert ein Zeichen mit Ausrufezeichen setzen. Dazu schwirren ihm schon viele Ideen durch den Kopf. Doch wie immer gilt: Die Satire-Geheimnisse werden erst gelüftet, wenn der „Zoch“ zu rollen beginnt.

Mehrfach hat Tilly islam-kritische Wagen ins Rennen geschickt. Im Mittelpunkt stand dabei häufiger Irans früherer Präsident Mahmut Ahmadinedschad, den Tilly unter anderem als „Achsel des Bösen“ oder als sich selbst entzündende Atomrakete karikierte.

Charlie Hebdo kennt der Künstler schon lange. Schließlich reist er jedes Jahr zum Urlaub nach Frankreich. Und da zählt das Satiremagazin zur unterhaltsamen Pflichtlektüre. „Die sind echt gut, liefern ganz starken Tobak. Da geht es um extrem schwarzen Humor, in Deutschland könnte man so etwas nicht bringen“, betont der 51-Jährige. Ein Beispiel: Eine Karikatur zeigt drei Götter, die miteinander kopulieren.

„Das Magazin ist mehrfach verklagt worden. Doch die Gerichte haben immer zu Gunsten der Satiriker entschieden. Das sagt mir: In Frankreich funktioniert die Trennung von Kirche und Staat bestens“, so Tilly.

Auch er hofft, dass der Anschlag von Paris nicht in Düsseldorf „Wasser auf die Mühlen der Dügida spült“, sondern dass das Gegenbündnis immer mehr Zulauf findet. Wird er dieses persönlich am kommenden Montag bei den Demonstrationen unterstützen? „Mein Platz ist momentan eigentlich in der Wagenbauhalle. Auch für die gute Sache lasse ich mich nicht gerne instrumentalisieren. Aber warten wir doch einfach einmal ab...“, sagt der Künstler, der immer für eine Überraschung gut ist.