Tierwelt mitten in der City

Heerdt..  Das Ökotop in Heerdt ist ein kleines Paradies für Spaziergänger, die gerne an der frischen Luft unterwegs sind und dabei etwas entdecken wollen. Die Wege in der Grünanlage führen vorbei an Steinmauern, einer Imkerei, Mosaik-Bänken, Hochbeeten, berankten Torbögen und verschiedenen Gärten. Und auch wenn der Autobahnlärm eigentlich immer in der Ferne zu hören ist, steht man im Heerdter Ökotop mitten in der Natur.

Die Grünanlage, die zwischen der Brüsseler und der Krefelder Straße liegt, wird von Ehrenamtlichen des Vereins „Ökotop Heerdt“ in Stand gehalten. „Wir kümmern uns das ganze Jahr über um die Pflanzen, die Wege und die Gebäude hier“, sagt Mattes Wallenfang, der seit Anfang an im Ökotop mitarbeitet.

Das Projekt startete 1984, als die Stadt das Gelände verkaufen wollte. Ursprünglich war die 16 Hektar große Fläche als Friedhofserweiterungsgebiet geplant. Wegen des demografischen Wandels war man sich in der Politik aber einig, dass das Gebiet nicht benötigt würde. „Der Plan war, ein neues Gewerbegebiet zu schaffen. Es gründete sich aber schnell eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, da bereits 70 Prozent von Heerdt schon Gewerbegebiete waren“, erinnert sich Wallenfang. Die Initiative kam mit der Stadt überein, dass auf dem Gelände ökologisches System entstehen solle, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen zusammenleben.

„Wir wurden von Anfang an bis heute vom Gartenamt der Stadt unterstützt“, sagt Mattes Wallenfang. Die Finanzierung des Ökotops, zu dem neben der Grünanlage auch eine ökologische Wohnsiedlung gehört, ist gesichert. „Wir bekommen von der Stadt das Geld, das sie normalerweise für die Pflege der Fläche ausgeben würde. Im Gegenzug kümmern wir uns um alle anfallenden Arbeiten“, erklärt Wallenfang.

Das Ökotop ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Neben einem Kräutergarten, einem Naturerlebnisbereich, einem ökopädagogischen Lehrpfad und einer Obstwiese gibt es auch Flächen, die gar nicht genutzt werden. „Manche Bereiche, wie zum Beispiel der Heerdter Busch, sind komplett naturbelassen“, sagt Wallenfang. Die Tierwelt freut sich, dass sie mitten in der Stadt einen Raum für sich hat. „Es ist wirklich erstaunlich, wie die Natur sich ihre Flächen zurückholt. Wir haben hier viele Vogelarten, Kaninchen, Marder und sogar zwei Fuchspaare“, sagt Mattes Wallenfang stolz.

Auch die 60 Biogärten im Ökotop haben mehr mit Naturfreiräumen als mit gewöhnlichen Kleingärten gemeinsam. Die Gärten sind in sogenannten Rundlingen kreisförmig angeordnet. Es gibt insgesamt sechs solcher Gartensiedlungen. „Die jeweilige Gestaltung überlassen wir den Gärtner. In manchen Gärtner findet man deshalb auch Baumhäuser oder Teiche“, sagt Wallenfang. Die Grenzen zwischen den Biogärten verlaufen nahezu fließend. Manchmal werden die Grundstücke nur von niedrigen Holzstücken oder Blumenbeeten getrennt.

Wer im Ökotop mitarbeiten möchte, kann sich um einen der sechs freien Gärten bewerben. „Man muss nur Mitglied bei uns sein, um an einen Biogarten heranzukommen“, erklärt Mattes Wallenfang, der sich selbst auch um eine Parzelle in einem Rundling kümmert. „Wir freuen uns über jeden, der sich für das Gesamtprojekt interessiert. Da es uns an Nachwuchs fehlt, sind besonders junge Leute willkommen.“