Terror im eigenen Heim - Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt: Wenn das eigene Heim kein sicherer Ort mehr ist, leiden Kinder oft ein Leben lang.
Häusliche Gewalt: Wenn das eigene Heim kein sicherer Ort mehr ist, leiden Kinder oft ein Leben lang.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Im vergangenen Jahr gab es 1450 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in Düsseldorf. Die Dunkelziffer ist aber weit höher, so die Frauenberatungsstelle.

Düsseldorf.. Mitten in der Nacht kommt eine Frau mit ihrem dreijährigen Sohn Ben ins Düsseldorfer Frauenhaus. Sie ist mit ihrem Kind geflohen – vor dem Terror im eigenen Zuhause. Ihr Ehemann hat sie geschlagen, schon oft. Jetzt hat er auch das Kind angerührt und damit das Fass zum Überlaufen gebracht.

Häusliche Gewalt Im vergangenen Jahr gab es 1450 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in Düsseldorf. „Die Dunkelziffer ist noch deutlich höher“, weiß Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle. „Leider ist die Gewalt im eigenen Heim für die meisten Opfer ein Tabuthema.“ Deshalb wurden am Dienstag im Rahmen eines Fachtages 80 Erzieher und Pädagogen aus fast allen Düsseldorfer Kitas zum Thema aufgeklärt. Hauptthemen waren die frühe Erkennung von Alarmzeichen und was zu tun ist, wenn der Verdacht besteht, dass Kinder Opfer – oder Zeugen – sind.

Verhaltensweisen des Vaters adaptiert

„Wenn das eigene Heim kein sicherer Ort mehr ist, leiden Kinder oft ein Leben lang. Bis ins Erwachsenenalter haben sie Schwierigkeiten mit Loyalität und zeigen Verhaltensauffälligkeiten“, so Eberhardt Motzkau, ehemaliger Leiter der Kinderschutzambulanz im EVK .

Der dreijährige Ben etwa hat die Verhaltensweisen seines Vaters adaptiert. Er schlägt andere Kinder, auch seine Mutter. Er beißt auch. Nicht nur andere, auch sich selbst. „Die Geschichte von Ben und seiner Mutter hat uns alle geschockt“, erzählt Carolin Feikes vom Frauenhaus. „Deswegen ist diese Initiative so wichtig.“

Broschüre zum Thema häusliche Gewalt

Zusätzlich zum Fachtag schickt der „Arbeitskreis Häusliche Gewalt“ auch eine Broschüre an alle Kindertageseinrichtungen der Stadt, „damit alle wissen, wie man mit Opfern und Zeugen am besten umgeht“, so Motzkau.

„Als Praktikantin habe ich mehrere Fälle miterlebt“, erzählt die 27-jährige Viola Lichtenveld, eine Teilnehmerin des Fachtages. Sie arbeitete damals in einer Kindertageseinrichtung in der Stadtmitte. „Ein Kind erzählte mir, dass es zu Hause geschlagen wird, genau wie seine neugeborene Schwester. Ich habe das dann meinem Chef erzählt, aber passiert ist nie etwas. Die Gegend wurde einfach als Problembezirk abgetan.“ Damals als Praktikantin waren ihr die Hände gebunden, aber in Zukunft möchte sie es besser machen.

Hilfe für Frauen und Kinder in Düsseldorf

„Der Umgang mit Betroffenen ist immer ein heikles Thema“, sagt Kleene von der Frauenberatungsstelle. „Es gibt auch keine Musterlösung. Die Auswege sind so individuell wie die Menschen selbst.“ Das Ziel der Initiative sei, dass Opfer einen Weg in das Netzwerk an Hilfsorganisationen finden, so Kleene. „Die Frauenhäuser kümern sich jährlich um fast 1500 Frauen – und nochmal so viele Kinder. Doch nicht für jeden ist das die Lösung. Manche Frauen trennen sich von ihren Männern, manche ‘reparieren’ die Familie. Einige verlassen die Stadt. Wir versuchen für jeden einen Weg zu finden.“